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Berühmte Band aus Léognan: Banda Léo, über deren Freundschaft zur Knabenkapelle Dachau die Städtepartnerschaft zustande gekommen ist, bei ihrem Auftritt beim Dachauer Volksfestumzug.

Städtepartnerschaft mit dem französischen Léognan besiegelt 

Dachau ergreift historische Chance

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Dachau und Léognan werden eine Städtepartnerschaft eingehen. Dies hat der Stadtrat am Dienstag mehrheitlich beschlossen und damit die Entscheidung des Kulturausschusses bestätigt. Die CSU und Stadtrat Wolfgang Moll blieben jedoch bei ihrer Ablehnung – aus Gründen, die die Befürworter der Partnerschaft nicht nachvollziehen können.

Dachau – Dr. Edgar Forster wurde am Dienstag 75 Jahre alt. Seit 33 Jahren ist der Freie Wähler nun schon im Stadtrat, und eigentlich, gab er zu, könne ihn nach dieser langen Zeit nichts mehr erschüttern. Dennoch wurde die Stadtratssitzung am Dienstag, seine Geburtstagssitzung quasi, zu einer besonders emotionalen für das politische Urgestein der Großen Kreisstadt.

Denn Forster versuchte mit einer flammenden Rede die Gegner der Partnerschaft mit der französischen Stadt Léognan – also alle CSU-Stadträte sowie Wolfgang Moll (Wir) – doch noch von der Sinnhaftigkeit dieser Verbrüderung zu überzeugen. Forster erzählte also aus seiner Kindheit, wie gut er sich noch erinnern könne an den ersten Besuch Charles de Gaulles in München und wie sein Großvater immer gefordert habe, diesen „Blödsinn mit den Kriegen endlich aufzuhören“. Aus einer „Erbfeindschaft“ müsse man daher eine „Erbfreundschaft“ machen und „was de Gaulle und Adenauer geschafft haben, auf unserer Ebene wiederholen“! Das Angebot Léognans einer Städtepartnerschaft, so Forster, dürfe man daher unter keinen Umständen ablehnen, dies wäre „peinlich“!

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Auch Oberbürgermeister Florian Hartmann hielt eine beeindruckende Rede über Frieden und Freundschaft in Europa; mit Partnerschaften könnten Städte und Gemeinden ein „Zeichen setzen gegen die aktuell wieder aufkommenden nationalistischen Ressentiments“!

Rainer Rösch (ÜB) sprach von „einer Ehre, wenn wir von einer französischen Stadt gefragt werden“ und Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) von einer „historischen Chance, die wir nutzen müssen“. Angesichts der vielen Zuschauer im Sitzungssaal – davon der größte Teil von der Knabenkapelle Dachau, die die Freundschaft mit Léognan ja initiiert hatte – betonte Robert Gasteiger (Freie Wähler): „Was mich besonders freut, ist, dass das lauter junge Leut’ sind, die das aufgebaut haben. Drum probier ma’s halt einfach mal!“

Doch während sich die CSU-Fraktion namens ihres Sprechers Florian Schiller erneut darauf berief, dass der Zeitpunkt einer Partnerschaft noch verfrüht sei und es in einer Demokratie „auch möglich sein muss, andere Meinungen zu vertreten“, bat Wolfgang Moll (Wir) erneut darum, die Abstimmung ganz zu vertagen: Mit einer Partnerschaft mit Léognan würde die Freundschaft zu Oradour-sur-Glane gefährdet. Oradour, so seine Argumentation, könnte ja eines Tages Dachau um eine formelle Partnerschaft bitten, das dann aber bereits an Léognan gebunden sei. Abgesehen davon gebe es mit Léognan bislang „keine Anknüpfungspunkte außer der Musik“.

OB Hartmann jedoch wehrte sich dagegen, im Austausch mit Oradour irgendetwas „versäumt“ zu haben, wie Moll es formuliert hatte. Vielmehr wiederholte Hartmann, was die Stadträte aus diversen nichtöffentlichen Sitzungen eh schon längst wussten: dass die Stadt Dachau Oradour im Jahr 2015 offiziell um eine Partnerschaft gebeten habe, Oradour dies aber aus organisatorischen Gründen abgelehnt habe. „Die können das zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht stemmen“, so Hartmann auf Nachfrage zu den genauen Gründen der Oradourer Absage. Daher bedauere er auch sehr, „dass nun die Freundschaft mit Oradour gegen eine Partnerschaft mit Léognan in Stellung gebracht“ werde. Beide Kontakte seien einzigartig, man könne sie schlicht nicht gegeneinander aufwiegen. „Die Frage, welche Freundschaft ist wichtiger, stellt sich nicht“, so Hartmann.

Thomas Kreß (Grüne) wurde deutlicher: Es sei „unsäglich, wirklich unsäglich“, dass Léognan und Oradour gegeneinander ausgespielt würden. Insofern sei es „daneben“ und „unpassend“, das Thema für parteitaktische Spielchen zu missbrauchen. Ähnlich sah es Jürgen Seidl (FDP), der die Kollegen der CSU und Moll inständig bat, die Partnerschaft nicht mit einer Kampfabstimmung zu entscheiden: „Lassen Sie uns ein Zeichen setzen, mit einer deutlichen Mehrheit!“ Doch gehört wurde er nicht: Mit nur 23:15 Stimmen wurde die Städtepartnerschaft zwischen Dachau und Léognan am Ende besiegelt.

Voilá, das ist Léognan

Vor allem Weinliebhabern dürfte der Name Léognan ein Begriff sein. Unter der Appellation Pessac-Léognan werden in den Weingütern dieser südwestfranzösischen Region trockenen Weißweine aus den Rebsorten Sauvignon Blanc und Sémillon sowie Rotweine hauptsächlich aus Merlot und Cabernet Sauvignon produziert. Das Klima ist – aufgrund der Nähe der Stadt zum Atlantik – mild und feucht. 

Auf ihrer Internetseite bezeichnet sich die Stadt selbst als strahlend, dynamisch und attraktiv. Berühmtestes Baudenkmal der „Stadt im Grünen“ ist die Kirche Saint Martin, hinzu sind auch eine Reihe hübscher Schlösser zu besichtigen. 

Ähnlich wie Dachau liegt auch Léognan im Einzugsgebiet einer Großstadt, nur rund 20 Kilometer sind es bis Bordeaux. Und ähnlich wie Dachau ist auch Léognan in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Von nur rund 2500 Einwohnern Anfang der 60er-Jahre stieg die Einwohnerzahl auf mittlerweile rund 10 500 an. 

In Léognan legt man aber nicht nur Wert auf guten Wein. Jährlich findet dort ein Jazz- und Blues-Festival statt, im kommenden Jahr von 3. bis 13. Juni. Die Banda Léo, über deren Freundschaft zur Knabenkapelle Dachau die Städtepartnerschaft zustande gekommen war, ist ebenfalls über die Stadtgrenzen Léognans hinaus bekannt. Im Mai 2018 etwa hatte die Gruppe die „Palme d’Or Européenne“ eines renommierten internationalen Blasmusikwettbewerbs gewonnen. 

Übrigens: Nicht weit entfernt von Léognan, nämlich nur 60 Kilometer, gibt es die berühmteste Wanderdüne Europas. Die „Dune du Pilat“ bei Arcachon an der Atlantikküste ist 110 Meter hoch, 500 Meter breit und fast drei Kilometer lang.

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