Ein Klassenzimmer mit Stühlen auf den Tischen
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Schule „dahoam“: In den Schulen im Freistaat herrschte an 35 Tagen absolute Stille – Ferien exklusive (Symbolbild)

Diskussion Schul- und Kreisausschuss in Dachau

Schulleiter und Elternvertreter sind sich einig: Staffelung der Schulzeiten abgelehnt

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Soll in den weiterführenden Schulen der Unterricht zu gestaffelten Zeiten beginnen? Zur Beantwortung dieser Frage kamen Schulleiter und Eltern im Schul- und Kreisausschuss zu Wort. Nach einem ausführlichen Meinungsaustausch stand für alle fest: Es soll alles so bleiben, wie es ist.

Landkreis – In den weiterführenden Schulen des Landkreises Dachau beginnt der Unterricht grundsätzlich um 8 Uhr. Kreisrat Peter Heller (Bündnis für Dachau) hatte im September vergangenen Jahres um Klärung gebeten, ob ein gestaffelter Beginn in den Gymnasien und Realschulen nicht mehr Sinn ergebe. Landrat Stefan Löwl hatte daraufhin angeregt, bei Schulen, Schulamt und den Eltern nachzufragen, was sie davon halten, wenn die erste Stunde früher oder später anfängt. In der jüngsten Sitzung des Schul- und Kreisausschusses kamen nun Schulleiter und Elternvertreter zu Wort.

Primär sei es Sache der Schulen, wann der Gong den Unterrichtsbeginn einläute, so Landrat Stefan Löwl eingangs des Meinungsaustausches. Er habe Schreiben bekommen, „wo alles drin steht, von 7 Uhr bis 9 Uhr – und alles gut begründet“, so der Landrat, bevor er Christina Epple, Elternbeiratsvorsitzende des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums, das Rederecht erteilte.

Die Sprecherin der Elternvertretungen der Landkreisgymnasien und -realschulen wies zunächst darauf hin, dass etliche Schulbuslinien stark frequentiert seien. Die Schüler stünden eng gedrängt, so Epple, das sei in Coronazeiten „schwer ertragbar für die Eltern“. Aus diesem Grund begrüßten die Elternbeiräte die „Überlegung, die Anzahl potenzieller Kontakte durch eine Verminderung der Passagiere pro Busfahrt zu erreichen“. Eine Staffelung des Unterrichtsbeginns sei diesem Ansinnen dienlich, so Epple. Es ließen sich größere Abstände und eine Verminderung der Kontakte erzielen.

In diesem Zusammenhang fordern die Elternbeiräte eine Ausweitung des Bus-Beförderungsangebots zu Stoßzeiten auf stark frequentierten Strecken. Sollte das geschehen, sei allerdings die Mitwirkung der Eltern gefragt. Beispielsweise gibt es zwischen Schwabhausen und Dachau zwischen 7 und 7.45 Uhr gleich vier Verbindungen, wovon die späteste überproportional häufig genutzt wird. Eltern sollten hier ihren Sprösslingen nahe legen, auch mal einen früheren Bus zu nehmen.

Trotz aller Vorteile, die eine Entzerrung des Schulbeginns für die Beförderung bringe, es gäbe auch gravierende Nachteile für die Familien und die Organisation in den Schulen, sind sich die Elternvertreter einig.

Was das für gravierende Probleme sind, teilte Erwin Lenz mit. Wobei der Schulleiter des Ignaz-Taschner-Gymnasiums bei seinen Ausführungen zunächst von einem späteren Schulbeginn als 8 Uhr in der Hauptsache für die Oberstufe ausging. Lenz meinte, dass eine Staffelung des Schulbeginns „vom Personellen her nicht zu leisten ist“. Lenz nannte als Beispiel die Schüler des G9, die möglichst wenig Nachmittagsunterricht haben sollten. Doch bei späterem Schulbeginn rutschten diese immer mehr dorthin hinein. Die Folge: Die Leistungen nähmen ab. Die Oberstufe, gab Lenz weiter zu bedenken, sei schon jetzt getaktet bis 17 Uhr.

Er und seine Schulleiterkollegen sind zudem der Meinung, dass ein späterer Schulbeginn nicht in allen Fällen dazu führen werde, „dass Schülerinnen und Schüler auch später zur Schule kommen, sei es aufgrund der fehlenden Verkehrsverbindungen, sei es, weil sie zu Hause nicht mehr betreut werden können. Hier würde dann eine zusätzliche Aufsichtsverpflichtung anfallen, der die Schulen aufgrund der Personalressourcen nicht gerecht werden können“. Und: Die Diskussionen darüber, welche Schüler wann zur Schule kommen müssen, werde immer nur einen Teil der Schüler und Eltern zufriedenstellen. „Das gefährdet den Schulfrieden“, so die Rektoren.

Lenz führte ein weiteres Problem ins Feld: „Schüler wollen früher beginnen, das ist so!“ Somit könnte eine Situation entstehen, in der bestimmte Schulen lieber besucht würden als andere, weil dort der Unterricht früher beginne und früher ende.

Überdies sind sich die Schulleiter sicher, dass es wenig familienfreundlich sei, wenn Geschwisterkinder unterschiedliche Unterrichtszeiten hätten. Stichworte: keine gemeinsamen Mahlzeiten, mehr Betreuungsaufwand. Sollten Schüler schließlich einen späteren Unterrichtsschluss haben, „bleibt für die nachmittäglichen Hausaufgaben, für Musikunterricht, Sporttraining etc. weniger Zeit“.

Alle Argumente zusammengefasst, kommen die Schulleiter zu dem Schluss: „Ein unterschiedlicher Unterrichtsbeginn erscheint aus organisatorischen Gründen nicht durchführbar und nicht wünschenswert.“

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