Pfarrer Heinrich Denk: „Gott um Beistand bitten!“
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Pfarrer Heinrich Denk: „Gott um Beistand bitten!“

Wie die Geistlichkeit in Dachau zum Fasten steht

„Statt Fasten mehr Freude ins Leben holen!“

In der Fastenzeit ist es üblich, sich einzuschränken. Doch müssen wir wegen Corona nicht schon auf genug Dinge verzichten? Wie erleben die Geistlichen diese Situation? Und welchen Rat haben sie für die Menschen? Die Dachauer Nachrichten haben nachgefragt.

Landkreis – „Corona stellt uns vor ganz andere Herausforderungen“ – Pfarrer Thomas Körner hat derzeit andere Gedanken als die Fastenzeit, die am 17. Februar begonnen hat. „Die Fastenaktion erübrigt sich“, bedauert der Pfarrer der Friedenskirche in Dachau. Die derzeitige soziale Distanzierung empfindet er als „erzwungene Fastenaktion“.

Zusätzliche Entbehrungen wie der Verzicht auf Nikotin, Alkohol oder Süßigkeiten will er sich und seiner Gemeinde deshalb auch nicht zumuten. Mit den Gläubigen in Kontakt zu treten, ist in der Friedenskirche derzeit ohnehin schwierig. Im Kirchenvorstand war beschlossen worden, keine Präsenzgottesdienste anzubieten, solange der Lockdown nicht gelockert oder aufgehoben ist.

„Da fehlt uns ein Stück menschliche Begegnung“, erklärt Körner. Das heißt im Klartext: Online kann man am Gottesdienst zwar teilnehmen, aber eben nicht von Angesicht zu Angesicht einander begegnen, wie der evangelische Pfarrer sehr bedauert. Auch die ökumenischen Exerzitien, tägliche Übungen, um die Gegenwart Gottes und dessen Wirken zu entdecken, in denen man sich eigentlich in wöchentlichen Treffen in kleinen Gruppen austauscht, sind nur eingeschränkt möglich. „Wir leben aber von Begegnung“, betont Körner.

Und nicht nur davon, auch von der finanziellen Unterstützung der Kirchenmitglieder. „Wir haben derzeit keine Einnahmen, mussten aber die ganze Technik anschaffen“, erzählt der evangelische Pfarrer. Von der Landeskirche bekam die Friedenskirche dafür keinen einzigen Cent. Nur wegen der Spenden von Mitgliedern konnte sie alles für die Online-Angebote kaufen. Körner freut sich über die Spenden an die Stiftung der Friedenskirche auch deswegen, weil dadurch Gemeindemitgliedern geholfen werden kann, die aufgrund der Corona-Pandemie in schwierige Situationen gekommen sind.

Das Team der Friedenskirche sitzt in den „Startlöchern“, so Körner, der betont, dass man derzeit noch geduldig bleiben müsse. Online ist trotz allem einiges geboten, wie etwa Körners „Pausensnack“, in der der evangelische Pfarrer Bibelstellen erklärt und auslegt. Unter www.friedenskirche-dachau.de finden Interessierte das komplette Angebot.

Im Pfarrverband Dachau mit den katholischen Pfarreien Heilig Kreuz und St. Peter finden die ökumenischen Exerzitien zumindest in Teilpräsenz statt. Jeden Mittwoch um 19.30 Uhr gibt es begleitend eine kleine Andacht in der Kirche Heilig Kreuz, zu der alle Gläubigen herzlich eingeladen sind. Diese können aber auch komplett online teilnehmen, wenn sie nicht in die Kirche gehen möchten. Treffen in kleinen Gruppen im Pfarrheim sind selbstverständlich in diesem Jahr nicht möglich. Allerdings fand am 26. Februar eine Kreuzwegandacht in St. Peter statt, eine zweite hat der Pfarrverband für den 19. März terminiert.

Referentin Angelika Elsen-Hack: „Hatten genug Verzicht!“

Für Gemeindereferentin Angelika Elsen-Heck vom Pfarrverband Heilig Kreuz/St. Peter geht es in der Fastenzeit nicht darum, „Leistung zu vollbringen“. Die Menschen sollten sich gerade im Lockdown „mehr Freude ins Leben holen“, betont die Gemeindereferentin. „Wir haben jetzt schon genug Verzicht, wir müssen uns nicht noch mehr quälen“, so Elsen-Heck. Auf andere zuzugehen, Hilfsbedürftige zu unterstützen und sich zu hinterfragen, was wichtig sei im Leben, das seien Dinge, die für sie gerade an vorderster Stelle stünden.

Bereits jetzt beschäftigt sich die Pfarrgemeinde mit der Zeit nach dem Lockdown. Gerade für die Trauerarbeit will sie mehr Raum schaffen, denn diese Arbeit stellte – wie die Sterbebegleitung und die Beerdigung – in der Pandemie viele Angehörige und die Seelsorger vor große Herausforderungen.

Für Pfarrer Heinrich Denk vom Pfarrverband Heilig Kreuz/St. Peter seien persönliche Entbehrungen nicht so „spürbar“, er erlebe aber sehr wohl, wie sehr seine Gemeindemitglieder unter den Corona-Beschränkungen leiden würden. Er erlebt in persönlichen Gesprächen zweierlei: Menschen, denen nichts abgehe, da sie vorher schon wenig Kontakte gepflegt hätten. Aber auch Gemeindemitglieder, denen die Sozialkontakte massiv abgingen. Wer eh schon darunter leide, so Denk, müsse nicht noch ein weiteres „Fastenopfer suchen“. Vielmehr könnten diese Menschen in dieser Zeit „Gott um Beistand bitten, um alles besser durchzustehen zu können“ – um die Situation besser annehmen zu können, so Heinrich Denk.

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