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Eigenes Konzept: Die Stockschützen des TSV Schwabhausen warten sehnsüchtig darauf, wieder auf die Bahnen zu dürfen.

Stockschützen im Landkreis Dachau würden gerne wieder loslegen

Stille auf den Stockbahnen

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Stockschießen ist ein Mannschaftssport. Deshalb ist die Ausübung derzeit nicht möglich. Dabei stünden die Vereine im Landkreis Dachau in den Startlöchern.  

Landkreis – Die Stockschützen sind eine nicht zu unterschätzende Gruppe im Dachauer Land. So um die 50 Vereine gibt es. Zahlreiche Punkt-, Pokal,- Einladungs- oder Freundschaftsschießen veranstalten sie das Jahr über. Mit den traditionellen Josefi-Schießen Mitte März legen sie allerorten los. Erst wenn die Herbstwinde die Blätter über die Bahnen fegen, hören sie auf – oder wechseln aufs Eis. Doch heuer legten Viren, nicht die Blätter den Betrieb schon im März lahm. Kein Stock sauste die vergangenen Wochen über den Asphalt. Corona, halt. Nun wollen die Stockschützen wieder loslegen. Unbedingt. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Der Eisstocksport-Kreis 305, dem viele und vor allem die Wettkampf treibenden Landkreis-Klubs angehören, verschickte am vergangenen Sonntagabend eine scheinbar erlösende Rund-Mail. Darin schreibt Kreis-305-Obmann Franz Frank, dass ab 11. Mai wieder kontaktloser Sport erlaubt sei. Und: „Wir Stockschützen fallen auch unter diese Regelung und können unseren Sport, wenn auch sehr eingeschränkt, ab nächster Woche wieder aufnehmen.“ Die Klubs müssten die Vorgaben des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) sowie des Deutschen Eisstock-Verbands (DESV) einhalten. Dann könne wieder gespielt werden. Das Landratsamt Dachau sieht die Sache aber skeptisch.

Stockschießen sei ein Mannschaftssport, kein Individualsport, stellt Behördensprecher Wolfgang Reichelt klar. Und sporteln im Team sei in Bayern nach wie vor grundsätzlich verboten. Ausnahmen gibt es, etwa für kontaktloses Training von bis zu fünf Personen.

Diese Vorgabe sowie die Absage des kompletten Wettkampfbetriebs im Sommer sorgen dafür, dass beim sportlichen Aushängeschild in Sachen Stockschießen im Landkreis, beim SC Oberroth, auf unabsehbare Zeit nichts gehen wird. „In meinen Augen macht es null Sinn, nur mit fünf Personen auf die Bahnen zu gehen“, sagt Christian Blimmel, SCO-Vorsitzender und Mitglied der Bundesligamannschaft.   

„Das müsste ich kontrollieren“, so Blimmel, der keine Lust hat, den Unmut seiner Aktiven auf sich zu ziehen. Wer Lust habe, alleine den Stock zu schwingen, „der kann das machen“, so Blimmel, der mit seinen Teamkollegen auf Eis in der 1. Bundesliga sowie auf Asphalt in der 2. Bundesliga schießt. Allgemeines Training „machen wir aber nicht zu den Bedingungen, die uns der Verband derzeit vorgibt“. Hier gelte es einfach abzuwarten, bis es weitere Lockerungen gebe, so der SCO-Chef.

Die gesamten Bedingungen für den Spielbetrieb hat der DESV in einem zehn Punkte umfassenden Maßnahmen-Katalog zusammengefasst. Darin erlaubt der Verband sogar nur vier Akteure pro Bahn. Weitere Punkte sind beispielsweise die bekannten Hygiene- sowie Abstandsregeln, die Vorgabe, keine zwei Bahnen nebeneinander zu bespielen sowie ein Verbot von Zuschauern. Weiter darf jeder Schütze nur seinen eigenen Stock verwenden. Und die Daube darf laut DESV nur mit dem Fuß „eingeschoben“ werden.

Beim TSV Schwabhausen soll bald wieder Leben auf den Bahnen sein. Der Verein hat dazu sogar ein eigenes Konzept hierfür entwickelt. So sollen etwa auf den Bahnen fixe Positionsmarkierungen angebracht werden, die den Abstand garantieren. Abteilungsleiter Dr. Ulrich Clormann meint aber, dass die Gemeinde die Bahnen erst wieder freigeben müsse. Dabei dürften der Bürgermeister und seine Mitarbeiter gerne vorsichtig zu Werke gehen, schließlich seien viele Stockschützen im fortgeschrittenen Alter und gehörten somit zur Risikogruppe.

Das sieht der Schwabhauser Gemeindechef genauso. Gemeinsam mit seinen Bürgermeister-Kollegen ist Wolfgang Hörl per WhatsApp vernetzt. Und in dieser Gruppe sind die Stockschützen – und deren Altersdurchschnitt – ein Thema. Hörl meint zwar, dass in seiner Kommune die Stockschützen die Bahnen gepachtet hätten und somit selbst in der Verantwortung stünden. Er weist aber auch darauf hin, dass sich Landrat Stefan Löwl mit dem Gesundheitsamt in Verbindung gesetzt habe. „Wichtig ist“, so Hörl, „wie das Gesundheitsamt die Lage der Stockschützen bewertet.“

Clormann wiederum würde sich auf einen positiven Bescheid in Sachen Freigabe freuen. „Stockbahnen“, sagt er, „sind soziale Treffpunkte und somit ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Lebens in den Landgemeinden.“

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