+
Die Defi-Sucher samt Defi-App: Annette Eichhorn-Wiegand und Helmut Stiglmayr. 

Defibrillatoren schwer zugänglich

Unerreichbare Lebensretter

  • schließen

Im Karlsfeld gibt es keinen Defibrillator, der rund um die Uhr zugänglich ist. In Dachau schaut es auch nicht gut aus. Das sind die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung  im Landkreis Dachau. 

Dachau – Die Verantwortlichen der Gesundheitsregion plus haben noch gut die Berichte in den Dachauer Nachrichten über die Rettung eines Tennisspielers des SV Sulzemoos vor Augen. Der 62-Jährige war im Juli von seinen Mannschaftskameraden mittels eines Defibrillators wiederbelebt worden. Das lebensspendende Gerät befand sich allerdings in der verschlossenen Turnhalle. Nur weil einer der Retter einen Schlüssel für die Halle hatte, konnte der Defi damals eingesetzt werden.

Der Fall ist Motivation für die Mitarbeiter der Gesundheitsregion Plus. Die Genossenschaft zur Stärkung der gesundheitlichen Versorgung, die 2017 auf Initiative des Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath (CSU) ins Leben gerufen wurde, versucht in diesen Wochen in einer Pilotstudie für Bayern herauszufinden, wie viele Defibrillatoren es im Landkreis Dachau gibt. Ziel des Projekts ist es, wenn möglich die genauen Standorte aller Defis im Landkreis auf der Homepage der Genossenschaft unter www.dachauplus.de anwenderfreundlich und stets aktualisiert zu veröffentlichen. In einem letzten Schritt könnte eine eigene App entwickelt werden.

Die ersten Erkenntnisse der Studie sind bemerkenswert. 160 Defis haben die Mitarbeiter der Genossenschaft bislang gezählt. Die Liste ist freilich noch nicht vollständig, schließlich läuft die Studie noch. Die gute Nachricht vorneweg: „Die Gemeinden sind sehr, sehr gut mit Defis versorgt. Und die meisten sind 24 Stunden zugänglich“, so Annette Eichhorn-Wiegand, Geschäftsführerin der Gesundheitsregion Plus.

Bei Betrieben, Vereinen oder Behörden sieht die Lage weniger gut aus. „So gibt es etwa im Landratsamt einen Defi, doch da kommt man nur zu den Bürozeiten ran“, sagt Helmut Stiglmayr, Mitarbeiter bei der Gesundheitsregion Plus. Zeitliche Einschränkung gebe es meist bei Banken, bisweilen auch bei Betrieben sowie Sportvereinen. Das Problem bei Letzteren: Viele hätten ein Gerät, doch das hänge nicht selten in der Sportgaststätte oder sei in nicht für alle Mitglieder zugänglichen Räumen installiert, so Stiglmayr.

Und noch eine weitere, bedenkliche Feststellung hat die Genossenschaft gemacht: In der gesamten Gemeinde Karlsfeld habe man nicht ein einziges Gerät gezählt, das im Notfall uneingeschränkt erreichbar wäre, so Stiglmayr. Ein weiteres Gebiet, das der Genossenschaft Sorge bereitet, ist: Dachau-Ost. Lediglich in der KZ-Gedenkstätte und in der Sparkassenfiliale in der Schleißheimer Straße hängen Defis – allerdings sind auch sie nur während der Öffnungszeiten zugänglich. Auch bei der Firma Autoliv in der Theodor-Heuss-Straße soll es ein Gerät geben. „Als wir angefragt haben, hat uns der Pförtner aber einfach abgewimmelt“, so Stiglmayr. Autoliv sei Gott sei Dank die Ausnahme gewesen, so Stiglmayr, die Befragten seien ansonsten allesamt „sehr kooperativ gewesen“.

Hauptgrund, warum es nicht schon längst mehr Geräte im Landkreis gibt, ist neben dem Preis die Tatsache, dass der Eigentümer für die Wartung verantwortlich ist. Defibrillatoren sind heutzutage schon ab 1000 Euro zu haben. Die Preise seien zuletzt deshalb gesunken, so Eichhorn-Wiegand, weil die Hersteller an anderer Stelle Geld verdienen wollten: Bei den Kosten für Servicearbeit, Reparatur und Funktionsprüfung „langen sie hin“.

Der SV Sulzemoos hatte nach dem lebensrettenden Einsatz den Defibrillator von einer Spezialfirma instandsetzen lassen. Die Kosten hierfür: 503,37 Euro. Die Krankenversicherung übernahm die Rechnung nicht. Nach einigem Hin und Her sprang die Versicherung des Bayerischen Landessportverbands ein – rein aus Kulanz.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Chaos auf A8: Einsatzkräfte müssen zu Fuß gehen - Fahrer blockieren Rettungsgasse
Ein Unfall hat auf der A8 zu einem Verkehrschaos geführt. Größtes Problem:  Lkw- und Autofahrer blockierten die Rettungsgasse, Einsatzkräfte mussten zu Fuß zur …
Chaos auf A8: Einsatzkräfte müssen zu Fuß gehen - Fahrer blockieren Rettungsgasse
Greta Fischer ist jetzt Indersdorfer Ehrenbürgerin
An ihrem 110. Geburtstag wurde Greta Fischer posthum die Ehrenbürgerwürde von Markt Indersdorf verliehen. Die Ernennung durch Bürgermeister Franz Obesser am 19. Januar …
Greta Fischer ist jetzt Indersdorfer Ehrenbürgerin
Polizei stoppt illegales Autorennen - bei Kontrolle der Wagen fällt sofort etwas auf
München gegen Dachau - das war die Konstellation eines illegalen Autorennens vergangene Nacht. Die Autos dafür hatten die beiden Fahrer allerdings erst ausleihen müssen.
Polizei stoppt illegales Autorennen - bei Kontrolle der Wagen fällt sofort etwas auf
Mehr Alternativen zum Auto
Der Freie Bürgerblock Hebertshausen hat sich viel vorgenommen. Ein umfangreiches Wahlprogramm hat der FBB dazu erstellt.
Mehr Alternativen zum Auto

Kommentare