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Eine Abfrage der Stadt an ihren Schulen zeigte, dass die Home-Schooling-Ausstattung der Schüler ungleich ist. Nun werden Tablets gekauft, die an die Schüler verliehen werden.

Stadt Dachau bekommt vom Staat Geld für 224 Tablets für Schüler

Problematisches Home-Schooling: Drei Geschwister, die sich ein Smartphone teilen

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Arbeitsmaterialen aus Papier, Tafelbilder mit Kreide und ab 17 Uhr ist das Schulhaus dicht: In Zeiten von Corona wurde die mangelnde Digitalisierung der Schulen in Stadt und Landkreis zum Problem. Der Freistaat stellt nun viel Geld für E-Learning zur Verfügung. Schon im Herbst sollen die neuen Tablets den Kindern zur Verfügung stehen.

Dachau – Stadträtin Sabine Geißler (Bündnis für Dachau), hauptberuflich Lehrerin am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium, ist „fast in Ohnmacht gefallen“, als sie erfuhr, dass einer ihrer Schüler seine Aufgaben in den vergangenen Monaten am Smartphone erledigt habe. „Das Kind war sechs Stunden am Tag am Handy!“ Die Eltern, so Geißler, hätten darin kein Problem gesehen, „aber ich schon!“ Geißlers Stadtratskollegin Elisabeth Zimmermann (CSU), ehemalige Grundschullehrerin, hatte ebenfalls von einer Familie gehört, wo sich drei Geschwister ein Smartphone geteilt haben, um damit ihre Hausaufgaben zu machen. In Sachen Home-Schooling sei es schlicht „Wahnsinn, was da abgelaufen ist“.

Was die Stadträtinnen im vergangenen Familien- und Sozialausschuss daran so besonders „wahnsinnig“ fanden: dass viele Eltern oft gar nicht erkennen würden, welcher Bedarf an digitalem Lerngerät bei ihren Kindern bestünde und dies entsprechend der Schule auch nicht mitteilen. Die Abfrage, welche die Stadtverwaltung zuletzt an ihren Schulen durchgeführt hatte, um „die Spannbreite der Schwierigkeiten beim Home-Schooling zu verdeutlichen“, sei daher auch mit Vorsicht zu genießen, im Sinne von: In Wirklichkeit dürfte die Lage in den städtischen Haushalten noch schlechter stehen.

Wobei: Schon die nackten Zahlen aus den Umfragen der städtischen Schulen lassen suboptimale Lernumstände erahnen. An der Grundschule Dachau-Ost etwa meldeten 141 Kinder, dass sie kein digitales Endgerät besitzen, 152 haben keinen Drucker, 73 keinen Internetzugang. Hinzu komme teilweise mangelndes Know-how im Umgang mit den Geräten. Eine Lehrerin berichtete der Stadtverwaltung: „Ein Vater sagte mir, er hätte einen Drucker, doch er komme mit dem nicht zurecht. Das Gerät ist nun im Karton.“

Allerdings gibt es innerhalb Dachaus Unterschiede: An der Klosterschule haben nur je zehn Kinder kein Endgerät, an der Grundschule Süd nur 22 bis 29. Vor allem die fehlenden Drucker seien vielerorts ein Problem, wie eine Lehrkraft schreibt: „Manche Eltern können sich dadurch behelfen, indem sie das Arbeitsmaterial (wahrscheinlich nicht unbedingt legal) auf der Arbeit ausdrucken.“

Immerhin: Auch der Freistaat Bayern hat das Problem der ungleichen Home-Schooling-Ausstattung nun erkannt. Aus einem „Sonderbudget Leihgeräte“ sollen die sogenannten Schulaufwandsträger Geld bekommen, um sich die benötigten Geräte anschaffen und an die Kinder ausleihen zu können, die kein Laptop oder Tablet zuhause haben – oder deren Familien-Laptop von den Eltern beansprucht wird, die im Home-Office Geld verdienen müssen. Der Großen Kreisstadt stehen laut einem Schreiben von Kultusminister Michael Piazolo hierfür exakt 105 856 Euro zur Verfügung. Der Landkreis soll für seine Berufsschule, Realschulen, Gymnasien und Förderschulen insgesamt 261 293 Euro erhalten.

Oberbürgermeister Florian Hartmann war begeistert, eine derartige „100-Prozent-Förderung ist selten“. Mit dem Geld werden nun sofort 224 Tablets – also 14 Koffer mit jeweils 16 Tablets inklusive Wlan-Router – für die vier städtischen Grund- und Mittelschulen angeschafft. Auch im Landratsamt wurde bereits eine Ausschreibung für 400 Tablets – also 25 Koffer à 16 Tablets – vorgenommen.

Klar, räumten OB Hartmann und sein Amtsleiter Markus Haberl ein, werde es auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung der Schulen noch einige Hindernisse auszuräumen geben: „Viele Eltern haben keinen Internetzugang. Das erschwert das Ganze natürlich“, so Hartmann. Laut Haberl müsse die Stadt auch erst „einen Verteilschlüssel“ finden, wie man die Geräte unter den Schulen ausgebe. Denn wenn man tatsächlich jeder Familie, die sagt, sie brauche ein Tablet, auch direkt eines gebe, „dann reicht das Geld nicht“. Auch im Landratsamt sieht man noch viele offene Fragen, etwa wie man die Systembetreuung der neuen Geräte regelt. Fest steht aber, so Sprecher Wolfgang Reichelt, dass die Koffer „nach Bedarf an die Schulen verteilt werden“. Und auch wenn die Lieferzeit der Geräte auf den Tag genau noch nicht bekannt ist, geht das Landratsamt laut Reichelt „davon aus, dass wir im Herbst startklar sind“.

Stadträtin Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) warnte angesichts einer befürchteten zweiten Corona-Welle denn auch vor allzu viel Bürokratie bei der Verteilung der Geräte. Es sollte „ohne große Diskussion dafür Sorge getragen werden, dass die Geräte angeschafft werden“. Denn: „Die Bildung der Kinder muss im Vordergrund stehen!“

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