Alles darf raus: Am heutigen Mittwoch öffnet die Dachauer Tafel zum letzten Mal, wie Edda Drittenpreis sagt. hab

Coronavirus trifft die Bedürftigen besonders hart

Dachauer Tafel muss Betrieb einstellen

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Die Dachauer Tafel öffnet am Mittwoch zum vorerst letzten Mal. Zum einen sollen damit die vielen älteren ehrenamtlichen Helfer geschützt werden. Zum anderen, sagt Tafel-Leiterin Edda Drittenpreis, „bekommen wir wegen der Hamsterkäufer praktisch keine Ware mehr aus den Supermärkten“.

Dachau –Die Bedürftigen in Stadt und Landkreis trifft die Corona-Krise besonders hart. Um ihre ehrenamtlichen Helfer, die im Schnitt zwischen 65 und 80 Jahre alt sind, vor einer Ansteckung zu schützen, wird es am heutigen Mittwoch zum letzten Mal eine Lebensmittelausgabe an der Brunngartenstraße 5 geben. „Das ist einfach zu riskant“, sagt Leiterin Edda Drittenpreis; deutschlandweit seien bereits 130 Tafeln aus eben diesem Grund geschlossen worden.

Das Problem nämlich sei: Für viele der durchschnittlich 300 Kunden, die das wöchentliche Tafel-Angebot des BRK-Kreisverbands (immer mittwochs zwischen 12 und 18 Uhr) nutzen würden, sei die Lebensmittelausgabe auch ein sozialer Treffpunkt. „Wenn wir um 12 Uhr anfangen, sind viele schon um halb 10 da, einfach um mit den anderen zu ratschen.“ Um das Gesundheitsrisiko für alle Beteiligten heute zu minimieren, soll Drittenpreis zufolge die Ausgabe einzeln erfolgen. „Wir wollen keine Massenansammlungen im Geschäft!“   

Angst, die kommenden – mindestens vier Wochen – der Schließung hungern zu müssen, soll laut Drittenpreis aber niemand haben. „Heute gilt: Jeder macht sich die Taschen noch mal so voll er kann! Leute, nehmt Euch reichlich!“ Zudem wolle sie den Ärmsten ihrer armen Kunden, im Regelfall Rentner, noch Bargeld an die Hand geben, damit diese auch in normalen Supermärkten einkaufen können. Das Geld, das sie verteilen will, stamme aus Spenden, so Drittenpreis, das sie für genau diesen Zweck erhalten habe: „Dass ich armen älteren Menschen helfe.“

Zudem seien die Lager der Tafel voll mit Süßigkeiten, Nudeln, Zucker, Marmeladen und ähnlichen Trockenwaren. Denjenigen ihrer Kunden, denen in den kommenden Wochen also das Essen ausgehe, könnte aus diesen „Notvorräten“ geholfen werden. „Verhungern“, versichert Drittenpreis, „muss keiner“! Wer Essen brauche, könne dies einfach in der Tafel unter Telefon 0 81 31/76 14 91 35 oder – noch besser – in der BRK-Geschäftsstelle unter 0 81 31/3 66 30 anmelden.

Doch nicht nur die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter ist ein Grund für die Schließung der Dachauer Tafel. Sondern auch, so Drittenpreis: „Wir kriegen auch schlicht und ergreifend keine Ware mehr aus den Supermärkten. Es ist erschreckend!“ Alles, was derzeit noch geliefert werde, sei „halb verfaultes Obst, das wir gleich wegschmeißen müssen“.

Die Schuld an diesem Zustand gibt Edda Drittenpreis jedoch nicht den Supermärkten, zu denen pflege sie seit Jahren ein „super Verhältnis“. Vielmehr seien es die Hamsterkäufer: Sie selbst habe beobachtet, wie junge Menschen ganze Einkaufswagen voll mit Lebensmitteln aus den Märkten führen. Die Supermärkte hätten ihr berichtet, „dass die gar nicht mit Einräumen nachkommen, die Leute reißen ihnen schon von den Paletten die Waren runter“.

Über diesen Egoismus können Drittenpreis und ihre vielen Helfer nur den Kopf schütteln. Sie wollen daher weitermachen mit ihrem Engagement – egal wie lange die Corona-Krise dauert. „In Dachau muss niemand hungern“, sagt Edda Drittenpreis daher entschlossen. Selbst wenn ihre Tafel nun bis 20. April geschlossen bleibt.

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