Ein Mann blättert in einem Fotoalbum
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Eine Mischung aus Belmondo und Delon: der 79-Jährige mit Bildern aus jungen Jahren, als er noch als Schauspieler in München sein Glück versuchte.

„Die sind eine Trademark“

Dachauer gehört bekanntestes Augenpaar im Deutschen Fernsehen - seit über 50 Jahren

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Der Dachauer Horst Lettenmayer hat die vielleicht berühmtesten Augen Deutschlands. Seit 50 Jahren blicken sie jeden Sonntag den „Tatort“-Zuschauern entgegen.

  • Horst Lettenmayers Augen sind die wohl bekanntesten Deutschlands.
  • Seit 50 Jahren flimmern sie jeden Sonntag über die Fernsehbildschirme.
  • Doch das Jubiläum des „Tatorts“ ist für Lettenmayer, kein Grund zum Feiern.
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Dachau – Der Name Horst Lettenmayer hat Weltruf: Seine Lampen und Beleuchtungssysteme illuminieren – unter anderem – das Casino von Monte-Carlo, das königliche Schloss Balmoral in Schottland oder die „Sy A“, die teuerste Segelyacht der Welt.

Dachau: Augen von Horst Lettenmayer seit über 50 Jahren im Tatort zu sehen

In Deutschland aber ist es weniger seine Karriere als Unternehmer und Designer, die ihn berühmt gemacht hat. Hierzulande sind es seine Augen, die, wie Horst Lettenmayer es formuliert, nun schon seit 50 Jahren jeden Sonntagabend „aus der Kiste rausglotzen“. Zu jedem Jubiläum der Krimi-Reihe muss Lettenmayer dann wieder seine Geschichte erzählen, wie er als 29-jähriger, mehr oder weniger erfolgreicher Schauspieler, einen Tag lang für „Tatort“-Probeaufnahmen auf dem alten Riemer Flughafen herumrannte und ernst in eine Kamera blickte. 400 Mark bekam er für den Job – viel zu wenig in Anbetracht dessen, was aus der Krimi-Reihe wurde.

Die Augen des „Tatorts“: Horst Lettenmayer hat zum 50. Jubiläum viele Journalisten zu Besuch

Auch heuer ist es wieder so weit: Zum 50. „Tatort“-Jubiläum geben sich Journalisten in Lettenmayers Dachauer Wohnung die Klinke in die Hand. Der heute 79-Jährige berichtet dann regelmäßig aus seinem Leben, wobei die meisten – leider – immer nur eins interessiert: die Tragik des Mannes, der zur Sonntagabend-Stammbesetzung gehört und nichts daran verdient.

Das bekannteste Augenpaar im deutschen Fernsehen: Horst Lettenmayer im „Tatort“-Vorspann.

Was die wenigsten interessiert: dass Lettenmayer ein Leben hinter sich hat, das so voll ist mit Geschichten, für die andere Menschen fünf Leben bräuchten. Als gebürtiger Biberacher sang der kleine Horst mit den Rottweiler Sängerknaben nicht nur Konrad Adenauer ein Ständchen, sondern auch drei Päpsten. Als jungen Mann zog es ihn dann weg aus dem Schwäbischen, hinein nach Schwabing. Optisch eine Mischung aus Alain Delon und Jean-Paul Belmondo, mit großer Stimme und noch größerem Selbstbewusstsein, war er Teil der schillernden Isar-Schickeria.

„Mir ging‘s um Freiheit. Um Selbstverwirklichung. Als Schauspieler bist du immer nur ein Sklave“

Als diplomierter Schauspieler trat er in den Kammerspielen auf, lächelte in Werbekampagnen und führte Regie. So richtig klappen aber wollte es nicht mit der Karriere: „Mir ging’s um Freiheit. Um Selbstverwirklichung. Als Schauspieler bist du immer nur ein Sklave.“ Er aber sei ein Typ, der sich „auch mal unbeliebt macht; authentisch, aber eben nicht everybody’s darling ist“.

Diese Haltung sowie sein Elektrotechnikstudium, das er – auf dringenden Wunsch seines schwäbischen Elternhauses – vor seiner Schauspielausbildung absolviert hatte, brachte ihn schließlich dazu, sein eigenes Ding zu machen: die Betec Licht AG, sein „Baby“, wie er die Firma nennt. Als Ein-Mann-Betrieb gestartet, wuchs die Firma dank seines technischen und ästhetischen Geschicks schnell an, Lettenmayer brauchte größere Geschäfts- und Produktionsräume.

1980 kam Horst Lettenmayer nach Dachau

„Im Jahr 1980 wurde ich Dachauer“, in der Felix-Wankel-Straße in Dachau-Ost beschäftigt er nun 14 Mitarbeiter. Neben Feinmechanikern, Polieren und Elektrikern zählen auch noch ein Buchhalter und eine Sekretärin zur Betec-Belegschaft. Den Vorstandsvorsitz gab er zwar aus Altersgründen an Tochter Julia ab, „aber der Designer bin ich!“

Auch ganz wichtig im Lettenmayer’schen Universum: Patentanwälte. Seine Lampen nämlich lässt er sich über den deutschen Kunstschutz beim Patent- und Markenamt schützen. Als ein Nobelhotel in Nizza einmal Kopien von Betec-Lampen in seine Zimmer verbauen ließ, kämpfte sich der Dachauer durch einen jahrelangen Prozess – der ihn hunderttausende Euro kostete, den er aber am Ende gewann. So wie für seine ausgefeilten Lichtsysteme ist er auch im Leben einer, „der eigentlich immer eine Lösung findet“.

Perfektes Licht: Horst Lettenmayer in seiner Firma in Dachau-Ost. Die Betec Licht AG bietet seit 40 Jahren Premium-Beleuchtungssysteme. 

Ans Aufhören oder Ruhe Geben denkt er, trotz bedenklich hohen Blutdrucks, wie sein Arzt meint, nicht. „Was soll ich denn sonst machen“, fragt das fast 80-jährige Energiebündel lachend. Wenn er die Presseanfragen zum „Tatort“-Jubiläum hinter sich hat, will er Weihnachten in seinem Haus in Frankreich verbringen. Dort pflegt er das französische Savoir-vivre, inklusive gutem Wein, gutem Essen und hin und wieder einer Zigarette.   

Horst Lettenmayer: „Ich habe eine ehrliche Arbeit, ich hab einen ehrlichen Verdienst.“

Dass er es nur nach Dachau statt nach Hollywood geschafft hat, bedauert er im Rückblick jedenfalls nicht. Wenn ihn diese „Schlauberger von der ARD“ fragten: „Letten, was machen deine Lampen“, dann könne er nur müde lächeln: „Ich weiß schon selber, was meine Lampen machen. Ich hab eine ehrliche Arbeit, ich hab einen ehrlichen Verdienst.“

„Die sind eine Trademark“

Horst Lettenmayer über seine Augen

Die Coronakrise wirkt sich derzeit auf sein Unternehmen eher weniger aus. Es gebe noch immer „so unglaublich viele Menschen mit so unglaublich viel Geld“, dass ihm nicht bange wird um seine Licht-Handarbeit „made in Dachau“.

Horst Lettenmayers Augen im „Tatort“-Vorspann - „Die sind eine Trademark“

Und auch dass seine Augen bald aus dem Fadenkreuz des ARD-Sonntagabends verschwinden, fürchtet er nicht. „Die sind eine Trademark“, findet er. Sollte es doch dereinst einen neuen „Tatort“-Vorspann geben, wird Horst Lettenmayer es auch verschmerzen. Um im Krimi-Jargon zu bleiben: „Ich bin mittlerweile so weit weg vom Schuss, dass es mir auch schon egal ist.“

In Hebertshausen haben Unbekannte den Straßenrand nach Unterweilbach als Müllhalde benutzt. Fußgängern und Autofahrern bot sich ein extrem scheußlicher Anblick. Und ein Schaden in Höhe von geschätzt 50 000 Euro entstand kürzlich bei einem Brand in Unterzeitlbach.

(Von Stefanie Zipfer)

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