+
Der Alt-OB wird auch Ehrenbürger: Reitmeier beim Festakt, rechts sein Amtsnachfolger Kurt Piller.

„Er hatte immer ein offenes Ohr“

Zum Tod des langjährigen Dachauer Oberbürgermeister - Stimmen seiner Weggefährten

  • schließen

In Dachau war Dr. Lorenz Reitmeier 30 Jahre lang Vollblut-Oberbürgermeister. Mit 89 Jahren ist er nun gestorben. Seine Weggefährten erinnern sich an ihn. 

  • Der langjährige Oberbürgermeister Dachaus, Lorenz Reitmeier, ist gestorben.
  • Während seiner Amtszeit hatte er viele Weggefährten.
  • Ihre Stimmen zu seinem Tod.  

Hansjörg Christmann, ehemaliger Landrat:

„Mich hat immer beeindruckt, was für ein klarer, sachbezogener Mensch Lorenz Reitmeier war und wie er den Übergang von seinem Amt in den Ruhestand geschafft hat. Er hat sich nämlich sehr zurückgenommen, sich nicht eingemischt, aber stand jedem mit Rat und Tat zur Seite. Man ist ihm einfach gerne begegnet, wenn er mit seinem Rollator durch die Stadt spaziert ist. Von all den schönen Erlebnissen, die ich mit ihm hatte, erinnere ich mich gern an das Jahr 1981, da waren wir in New Orleans. Weil Lorenz grundsätzlich ungern Krawatten getragen hat, hat man uns nicht in einem sehr feinen Restaurant essen lassen. Wir haben ihn noch lange damit aufgezogen, aber die Episode zeigt, was für ein legerer Mann er war.“

Peter Bürgel, ehemaliger Oberbürgermeister:

„Lorenz Reitmeier hat wahnsinnig viel für die Stadt getan. Seine größte Lebensleistung aber war, wie er in einer schwierigen Zeit sehr professionell und geräuschlos die Entwicklung von Dachau-Ost betrieben hat. Viele Flüchtlinge, die bis dahin in Baracken gewohnt haben, haben dort eine neue Heimat gefunden. Lorenz Reitmeier hat sie zu Dachauern gemacht.“

Hermann Windele, ehemaliger ÜB-Stadtrat:

„Ich werde Lorenz Reitmeier für seine Gewissenhaftigkeit und seine Geradlinigkeit in Erinnerung behalten. Er hat sich nie verbogen, für keine Partei, und wusste immer, was er wollte. Zum Beispiel hat er schon damals viele Bäume pflanzen lassen, wovon nicht jeder begeistert war. Aber damit war er seiner Zeit voraus.“

Gertrud Schmidt-Podolsky, CSU-Stadträtin:

 „Seine allergrößte Leistung ist die maßgebliche Beseitigung der Wohnungsnot. Und er hat Eigentum gefördert: In der Joseph-Effner-Straße stehen heute noch steinerne Wahrzeichen für Lorenz Reitmeier. Als Frau und Gleichstellungsbeauftragte hatte ich mit ihm zwar die eine oder andere Auseinandersetzung, aber wenn man ihn mit Argumenten überzeugt hat, bekam man seine volle Unterstützung. Ich erinnere mich, dass er beim Thema Mütterförderung und Kinderbetreuung erst nicht so aufgeschlossen war. Aber nachdem ich ihn zu einer Veranstaltung mit 300 Eltern im Thomahaus eingeladen hatte, war er dabei: Wir hatten seine volle Unterstützung! Und das war es auch, was ihn so ausgezeichnet hat: Er hat jeden gegrüßt, hat sich alle Probleme angehört und hatte immer ein offenes Ohr.“

Silvia Kalina, CSU-Stadträtin und 25 Jahre Lorenz Reitmeiers Chefsekretärin:

„Er war ein sehr, sehr guter Chef. Für ihn gab es keine Freizeit, er war immer im Einsatz – weshalb er am Montagmorgen auch sehr gefürchtet war: Da kam er nämlich immer mit Zetteln, auf denen er sich am Wochenende notiert hatte, was ihm in der Stadt aufgefallen war. Leider, das war eine Eigenheit von ihm, hat er auf diesen Zetteln immer in Steno geschrieben, so dass manche Kollegen sie nicht lesen konnten... Besonders am Herzen lagen ihm auch die Stadtratsinformationsfahrten, die hat er alle persönlich vorbereitet, da war er Perfektionist. Die Fahrten sollten ein Erlebnis sein und seine Wertschätzung gegenüber dem Gremium zum Ausdruck bringen.“

Edgar Forster, FW-Stadtrat:

„Er hat eine Menge geleistet, das ist nicht abzustreiten. Aber er war auch ein Kind seiner Zeit, konnte rechthaberisch und autoritär sein, er war eben einer dieser klassischen Altstadt-Granden. Später hat sich sein Stil aber geändert, er wurde ein bisschen altersmilde. Am Ende hatten wir fast schon ein freundschaftliches Verhältnis.“

Eva Janica, Protokollchefin der Stadt Klagenfurt:

„Durch ihn haben wir erfahren, dass Dachau mehr ist als seine NS-Geschichte, dass es eine wunderschöne, kreative Stadt in Bayern ist. Lorenz Reitmeier war oft in Klagenfurt, er hat sich hier wie zuhause gefühlt. Für ihn war die Partnerschaft mehr als Papier, er hat sie gelebt.“ 

Den Nachruf zum Tod von Lorenz Reitmeier finden Sie hier. 

zip

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Irre Aktion in bayerischem Petershausen: Gemeinde wie ausgelöscht - „Folgen sind brandgefährlich“
Petershausen gibt es nicht mehr - zumindest wenn es nach den Ortsschildern geht: Unbekannte Täter haben alle acht Schilder in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag …
Irre Aktion in bayerischem Petershausen: Gemeinde wie ausgelöscht - „Folgen sind brandgefährlich“
 „Wahnsinn! So groß waren wir noch nie!“ - Besuche bei Faschingswagen-Bauern im Landkreis Dachau 
Ein besonderer Spaß im Fasching ist, auf einem der vielen Wagen mitzufahren. Die Heimatzeitung hat einige Wagen-Bauer besucht.
 „Wahnsinn! So groß waren wir noch nie!“ - Besuche bei Faschingswagen-Bauern im Landkreis Dachau 
Entsetzen im Karlsfelder Gemeinderat über Münchner Parkhaus-Pläne
Das klingt nach Streit unter Nachbarn: In der Landeshauptstadt München reifen Überlegungen, am Karlsfelder Bahnhof ein möglichst großes Parkhaus mit bis zu 300 …
Entsetzen im Karlsfelder Gemeinderat über Münchner Parkhaus-Pläne
AfD-Kundgebung im Thomahaus lockt wenig Besucher - aber Gegendemonstranten
Unter der Überschrift „5 Köpfe, 5 Themen“ bat die AfD am Donnerstagabend zu einer Wahlkampfveranstaltung ins Ludwig-Thoma-Haus. Unter den Köpfen waren AfD-Männer, die …
AfD-Kundgebung im Thomahaus lockt wenig Besucher - aber Gegendemonstranten

Kommentare