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Er prägte die Volksbühne wie kein anderer: Roland Strobl bei der Kron-Maus-Preis-Verleihung 2015. 

Die Theaterwelt war sein Leben

Dachau: Trauer um Volksbühne-Mitbegründer Roland Strobl

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Zeit seines Lebens waren die Bühnenbretter seine Leidenschaft. Roland Strobl, Mitbegründer, Schauspieler, Regisseur und Vorsitzender der Volksbühne Dachau, ist am vergangenen Samstag gestorben. Viele Menschen hat er mit dem Virus Theater angesteckt – allen voran seine Familie, für die er stets ein umsorgender Ehemann, Vater und Opa war.

Dachau– Vor zweieinhalb Jahren, im Januar 2018, haben Roland Strobl und seine Frau Rita ihre Diamantene Hochzeit gefeiert. Damals wünschte sich das Ehepaar: „Wir wollen in fünf Jahren die Eiserne Hochzeit feiern können!“ Dieser Wunsch sollte nicht in Erfüllung gehen. Roland Strobl starb am vergangenen Samstag im Alter von 84 Jahren. Er hinterlässt seine Frau Rita, die beiden Kinder Kornelia Renner und Jürgen Strobl, sowie die Enkelkinder Thomas, Daniela, Carolin, Sandra und Fabian. Ihnen allen gab Roland Strobl die Leidenschaft für das Theater mit.

Roland Strobl war 1949 im Alter von 14 Jahren des Fußballs wegen in den neu gegründeten SSV Dachau-Ost ein. Der Sport genügte ihm und einigen anderen Mitgliedern aber schon bald nicht mehr, und so begann man mit dem Einstudieren kurzer Theaterstücke. Auch Roland Strobl ließ sich schnell vom Fieber des Schauspielens anstecken und wurde 1965 zum Gründungsmitglied der Theaterabteilung des Vereins, damals noch Ostler-Bühne genannt. „Er war von Anfang an bei der Volksbühne dabei“ berichtet Johann Putterer, Vorsitzender der Volksbühne. „Zuerst als Schauspieler, in Rollen des jugendlichen Liebhabers, doch das hat sich im Laufe der Jahre geändert.“ Als der damalige Regisseur Horst Braun verstarb, übernahm Roland Strobl im Jahr 1989 die Regie. „Roland hatte seine große Leidenschaft, das Theaterspielen, gegen seine große Passion eingetauscht: das Theatermachen“, wie die Volksbühne in einem Nachruf schreibt. „Er wusste, wie man Menschen mit dem Virus Theater ansteckte, wie man Leidenschaft weckte, denn davon hatte er selbst mehr als genug, er brannte für das, was er tat.“ 1994 übernahm Strobl auch die Abteilungsleitung. Er habe die Truppe positiv geführt, „er war immer sehr hilfsbereit, immer für alle da“, sagt Putterer.

Gleichzeitig engagierte sich Roland Strobl 18 Jahre lang als Stadtrat. „Dachau-Ost lag im besonders am Herzen“, sagt Gertrud Schmidt-Podolsky, politische Weggefährtin und frühere Nachbarin Strobls. Seine Eltern hatten in der Sudetenlandstraße einen Lebensmittelladen, daher war er dem Stadtteil sehr verbunden, der „damals noch nicht ganz so homogen war“. Außerdem setzte sich der CSU-Stadtrat als Referent für den Sport ein. „Er war menschlich ein ganz fairer, ruhiger Kollege, der sich nie in den Vordergrund gedrängt hat“, so Schmidt-Podolsky.

Im Jahr 2006 führte Strobl die Volksbühne nach der Auflösung des SSV in die Selbstständigkeit. Schlussendlich wurde seiner Volksbühne 2015 der Kron-Maus-Preis für die Bereicherung des kulturellen Lebens im Landkreis verliehen. „Am Ende bereitete ihm das Inszenieren mehr Mühe als Freude, schreibt die Volksbühne. „Er wollte nicht mehr die Fäden in der Hand halten, wollte selbst nur noch Beobachter sein, Genießer. Und das war er, war selbst immer für den lautesten Applaus, den heftigsten Lacher verantwortlich. Kaum jemand prägte die Volksbühne so sehr wie Roland.“

Als er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, war seine Frau Rita immer für ihn da: „Was sie für mich leistet, ist in Geld nicht aufzuwiegen. Ich wüsste nicht, wo ich jetzt wäre, wenn ich meine Frau nicht hätte“, sagte Roland Strobl selbst vor drei Jahren. Seine Tochter Kornelia ergänzt heute: „Dabei hat er selbst immer geschaut, dass es uns gut geht.“ Zum Beispiel auf kurzen Ausflügen mit der ganzen Familie auf die Hütte in Fieberbrunn: „Das war die zweite Heimat meines Vaters, sein Reich“, berichtet die Tochter. 20 Jahre lang habe ihr Vater jede freie Minute dort verbracht.

Seit vielen Jahren war Roland Strobl krank. Zuletzt war er im Krankenhaus und auf Reha. Wegen der Corona-Pandemie durfte seine Familie ihn nicht besuchen, bis der Ehemann, Vater und Opa am Samstag starb. „Der Kopf sagt, es ist gut, aber das Herz sagt etwas anderes“, beschreibt Kornelia Renner ihre Gefühle.

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