+
Gab jahrzehntelang den Ton an bei den Ludwig-Thoma-Musikanten: Manfred Geißer beim Einmarsch ins Dachauer Volksfest.  

Beliebter Dirigent ist tot

Große Trauer um Fred Geißer

  • schließen

Er war das Gesicht der Ludwig-Thoma-Musikanten: Manfred Geißer ist im Alter von 76 Jahren verstorben. Dachau trauert um einen beliebten Musiker, die nie im Vordergrund stehen wollte.

Dachau – Die Freunde nannten ihn „Mane“, als Kapellmeister war er offiziell der „Fred“: Dachau trauert um Manfred Geißer, den langjährigen Dirigenten der Ludwig-Thoma-Musikanten, der bereits am 8. Juli im Alter von 76 Jahren gestorben ist, wie erst jetzt bekannt wurde.

Manfred Geißer, der fast 50 Jahre zum lebenden Inventar des Dachauer Volksfests gehörte, war einer der ersten Musikschüler der Knabenkapelle Dachau und lernte bei Peter Paul Winkler Klarinette. 1964 holte ihn Kapellmeister Leo Flierl zur „Dachauer Blaskapelle“ und bildete ihn auch zum Dirigenten aus.

1971 leitete Geißer beim Volksfest schon die Kapelle, da Flierl erkrankt war; 1972 übernahm er die Kapelle endgültig. Zu dieser Zeit suchte Willi Heide, Wirt des Münchner Bräurosl-Bierzeltes, eine neue Oktoberfestkapelle. Mit Zuspruch von Kapellmeister Winkler durften die Dachauer probeweise wöchentlich bei Heide-Volm in Planegg aufspielen. Heide lud dazu seine Stammgäste zur Beurteilung der Musik ein, darunter Kammersänger Hermann Prey. Ergebnis: Die Dachauer Blaskapelle schlug ein und durfte erstmals 1972 in der Bräurosl ihr Können zeigen!

Bald wurde sie „Revoluzzer“ genannt, weil sie als erste Kapelle auch publikumswirksame Musik, also Tagesschlager, ins Repertoire aufnahm. 1974 änderte die Dachauer Blaskapelle ihren Namen in Ludwig-Thoma-Musikanten um. Grund war einerseits ein Spielverbot beim Volksfest 1974, denn es hatte ein Jahr zuvor Streit mit dem OB wegen der Lautstärke im Bierzelt gegeben. Andererseits war der Name „Dachau“ ein Stigma. Willi Heide jedenfalls war mit seiner „Festkapelle Fred Geißer“ so zufrieden, dass er sie ohne Vertragsverhandlungen jährlich automatisch für das Oktoberfest engagierte – vier Jahrzehnte lang! Inzwischen spielen die Ludwig-Thoma-Musikanten im 48. Jahr nacheinander im Bräurosl-Zelt – „nur eine Kapelle überhaupt spielt länger als wir auf dem Oktoberfest“, sagt der heutige Kapellmeister Rainer Hernek stolz.

Doch in Dachau waren angesichts stetiger Wirte-Wechsel jeweils neue Verhandlungen erforderlich. 1976 war aber letztlich das einzige Jahr, in dem die Ludwig-Thoma-Musikanten aus Kostengründen nicht auf der Thomawiese spielen durften: Dem Wirt war der Stundenlohn der Musiker um 20 Pfennig zu hoch.

2013 reichte Geißer den Taktstock an seinen Nachfolger Rainer Hernek weiter. Geißer ließ es ruhiger angehen, spielte mit der Klarinette aber noch beim Sextett mit, etwa bei der Bierprobe.

Mitbegründer der Knabenkapelle Dachau

Jetzt ist das Gründungsmitglieder der Dachauer Knabenkapelle mit 76 Jahren nach einer schweren Krankheit gestorben. In den vergangenen Monaten hatte sich der Dachauer deshalb schon sehr zurückgezogen. Auch die Abschiedsfeier und die Beerdigung wollte er nur im engsten Kreis haben. „Das passte zu ihm, der nie im Mittelpunkt stehen wollte und für den andere Menschen immer wichtiger waren“, erinnert sich Hernek an den „väterlichen Freund“.

Dazu passt natürlich auch, dass sich der gebürtige Donauschwabe und gelernte Dreher bei der Dachauer Papierfabrik beruflich für andere einsetzte und es dort bis zum Betriebsratsvorsitzenden brachte. Manfred „Mane“ Geißer hinterlässt eine Frau, zwei Söhne, vier Enkel und einen Urenkel.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auch in jungen Jahren an die Rente denken
Gerade wenn man jung ist, denkt man oft nicht allzu intensiv über die Zeit der Rente nach. Und doch ist es genau das, was Sparkassen-Vorstandschef Hermann Krenn dringend …
Auch in jungen Jahren an die Rente denken
Schwabhausen trauert um Leni Baumgartner
Schwabhausen trauert um Magdalena Baumgartner, die im Alter von 91 Jahren verstorben ist. Viele Vereine und die Bücherei gäbe es ohne ihr Engagement so heute nicht.
Schwabhausen trauert um Leni Baumgartner
Chaos auf A8: Einsatzkräfte müssen zu Fuß gehen - Fahrer blockieren Rettungsgasse
Ein Unfall hat auf der A8 zu einem Verkehrschaos geführt. Größtes Problem:  Lkw- und Autofahrer blockierten die Rettungsgasse, Einsatzkräfte mussten zu Fuß zur …
Chaos auf A8: Einsatzkräfte müssen zu Fuß gehen - Fahrer blockieren Rettungsgasse
Greta Fischer ist jetzt Indersdorfer Ehrenbürgerin
An ihrem 110. Geburtstag wurde Greta Fischer posthum die Ehrenbürgerwürde von Markt Indersdorf verliehen. Die Ernennung durch Bürgermeister Franz Obesser am 19. Januar …
Greta Fischer ist jetzt Indersdorfer Ehrenbürgerin

Kommentare