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Viele Geschichten machten Klaus Hager bekannt, vor allem aber die vom Krokodil Emil.

Nachruf

Trauer: Der Idealist und Querdenker ist gegangen

Er war Freigeist, unermüdlicher Erfinder, Querdenker und ein Idealist. Mit Klaus Hager verliert Dachau ein Original sondersgleichen. Hager ist jetzt im Alter von 74 Jahren an plötzlichem Herzversagen gestorben.

VON TORGE WESTER

Dachau– Mit Klaus Hager sei auch ein „Fantast und Lebenskünstler von uns gegangen“, sagt sein Freund Michi Braun. Sachen zu erfinden, die die Welt ein bisschen besser machen, das war seine Leidenschaft. „Er entwickelte unter anderem mobile Schnappsdestillen im Handtaschenformat, Metalldetektoren, Lachgasalarmanlagen, Rostumwandler und Ozondesinfektionsanlagen.“

Hager war ein unglaublich vielseitig interessierter und talentierter Mann. So wirkte er zuletzt als Laienschauspieler bei „Dahoam is dahoam“ in der Rolle des Ehemanns der Sekretärin des Bürgermeisters mit.

Hager war auch der Besitzer des berüchtigten Krokodils „Emil“, das ihm 1967 im Karlsfelder See entwischt ist und nie mehr gesichtet wurde. Regelmäßig berichtete er in Schulklassen über diese, seine Geschichte. Im Sommer 1967 war der 1,30 Meter große Kaiman im Karlsfelder See ertrunken. Emil hatte Klaus Hager stets begleitet. Doch an jenem Tag sei der brave Kaiman plötzlich erschrocken und ins Wasser gelaufen, erzählte Klaus Hager. Die Suche nach ihm blieb erfolglos, weil das Reptil wohl in das tiefe und für ihn viel zu kalte Wasser abtauchte und vermutlich einige Wochen später dort starb – Emil wurde zu einer Legende. Sogar ein Kinderbuch wurde über ihn geschrieben.

Auch sonst konnte Hager auf eine bewegte Lebensgeschichte zurückblicken. Im Alter von 28 Jahren wanderte er nach einem Chemiestudium nach Südafrika aus, bildete sich zum Ingenieur weiter „und entwickelte dort unter anderem Trinkwasseraufbereitungsanlagen und viele andere abenteuerliche Projekte, betrieb dort sogar eine Goldmine,“ weiß Michi Braun.

Nach 17 Jahren zurück im heimatlichen Dachau, beschäftigte sich Hager „mit ungestümer Kreativität an allerlei Erfindungen“ (Braun). In Südafrika hatte er erstmals Ozon schätzen gelernt und es zur Wasserdesinfektion eingesetzt. Mit der Entdeckung von Ozon als Mittel zur Keimabtötung entwickelte Hager einen Ozongenerator zur Raumdesinfektion. Es wurde eine seiner Lieblingserfindungen, vergeblich versuchte er viele Jahre lang, diese zum Einsatz in Krankenhäusern zu bringen, um Zimmer von Keimen und Bakterien zu reinigen. Angesichts der Ausbreitung von multiresistenten Keimen in den Kliniken bot er seine Erfindung beharrlich an.

Doch die Klinikbetreiber winkten ab, obwohl beispielsweise das Wissenschaftsmagazin 1991 über eine weitere Erfindung in Verbindung mit Ozon, den „Hager-Kat“, berichtete. Der Kat des Dachauer Chemie-Ingenieurs Klaus Hager sei in der in der Lage, Ozon in Sauerstoff zurückzuführen. Und weiter: „Das Institut für ökologische Chemie in Attaching hat den Hager-Kat getestet. Ergebnis: Er funktioniert einwandfrei. (...) Bei dem von Klaus Hager entwickelten Kat handelt es sich um eine zum Patent angemeldete Farbe, die auf den Autokühler gespritzt wird. Dieser Farb-Katalysator ist in der Lage, 500 bis 1000 Kubikmeter Luft pro Kilometer derart zu reinigen, dass Ozon in Sauerstoff zurückgebildet wird. Die ,Reinigung’ geschieht auf die einfachste Art der Welt: Durch den Kühler jedes Autos bläst während der Fahrt der Wind. Dieser Wind wird nun gereinigt, und zwar mit Hilfe des auf den Kühler aufgesprühten Farbkatalysators.“

Bescheiden lebte Hager als Kleinstunternehmer von der Herstellung und Vermarktung seiner Entwicklungen und seiner ungebremsten Sammelleidenschaft. Bemerkenswert war „die entschleunigte Art, sein Leben intensiv zu begehen. Klaus Hager lebte im Moment, im Augenblick, gemäß seinem Leitspruch: ,Bringe Gott zum Lachen, musst du Pläne machen!’“ erinnert sich sein Freund Michi Braun.

Mit Gelassenheit, Optimismus und Ruhe habe er sich auch vor drei Jahren von einer schweren Herzkrankheit erholt und „wie durch ein Wunder“ wieder zurück in sein persönliches Lebensumfeld und seine Leidenschaften zurückgefunden. Nach wieder auftretenden, gesundheitlichen Problemen ließ er sich nun stationär im Klinikum Dachau behandeln und erlag dort, vollkommen überraschend, mit 74 Jahren an einem Herzversagen.

Braun: „Mit ihm verliert Dachau einen ganz besondere Persönlichkeit, einen liebenswerten Charismatiker. Aufgrund seines eigenen Wunsches wurde Klaus Hager anonym beigesetzt.

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