Portrait Mann mit rotem Schal
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Den Grantler nahm man Löwenfan Paul Herterich ab, als er in „Dahoam is Dahoam“ einen „Roten“ spielen musste.

Langjähriger Fußballfunktionär ist tot

Dachau trauert um Paul Herterich

  • Torge Wester
    VonTorge Wester
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Trauer um Paul Herterich. Der langjährige Macher beim SSV Dachau-Ost ist nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben.

Dachau – Mit Paul Herterich verliert Dachau ein Urgestein des heute gar nicht mehr existenten SSV Dachau-Ost. Nach langer, schwerer Krankheit ist der „Pauli“ jetzt im Altern von 68 Jahren gestorben.

Zwei große Leidenschaften hatte Paul Herterich neben seiner Familie mit Ehefrau Michaela und Sohn Marcus. Beide hatten mit Fußball zu tun, denn der „Pauli“, wie er von den Freunden genannt wurde, war zum einen über Jahrzehnte das Gesicht der Fußball-Abteilung des SSV Dachau-Ost. Und zum anderen ein großer Löwenfan.

Als kleiner Junge schnürte Paul Herterich schon die Fußballschuhe beim SSV. Er durchlief alle Jugendmannschaften und war später als Linksfuß begehrter linker Verteidiger, hatte seine beste Zeit in der Bezirksliga unter Trainer Sepp Helfer. Nach der aktiven Karriere blieb er dem SSV treu, wurde Sportlicher Leiter der Fußballabteilung, leitete diese später zwei Jahrzehnte lang.

„Der Pauli war immer da, wenn jemand gebraucht wurde“, erinnert sich Harry Staudinger (74), ein Wegbegleiter aus früheren Tagen. „Er war beliebt, er war ein geselliger Mensch. Er fehlte bei keiner Feier und ist nie als Erster heimgegangen!“

Herterich war für jeden Spaß zu haben. Als selbstständiger Fleischverkäufer kam er viel herum und hatte als einer der ersten weit und breit ein mobiles Telefon, eins mit Antenne. „Da setzte er sich doch einmal hinter das Vereinsheim und rief beim verdutzten Vereinswirt an, wann er denn nun endlich sein Weißbier bekomme“, erinnert sich Staudinger schmunzelnd.

Zweimal wurde Paul Herterich als Löwenfan „übel mitgespielt“. Das hing einmal mit besagtem Handy zusammen, dass er weißblau und mit Löwen-Emblem lackieren hatte lassen: „Wir haben dann organisiert, dass jemand vom BR-Spaßtelefon bei ihm anrief und sich als Polizist ausgab. Er gab vor, 1860 hätte Herterich wegen des illegalen Verwendens des Logos angezeigt und ihn erwarte eine Strafe von mindestens 5000 Mark. Weil sein Lieblingsverein ihn angezeigt hat! Da haben wir ihn sauber drangekriegt!“

Das andere Mal hatte mit einem Auftritt von Paul Herterich vor sieben Jahren bei „Dahoam is Dahoam“ zu tun: Herterich sollte ausgerechnet einen Fan des FC Bayern München mimen, was er zunächst kategorisch ablehnte: „Des spui i ned!“ Die Szene, die sich Herterich weigerte zu spielen, lief so ab: Der damals 61-Jährige betritt eine Metzgerei, um sich Grillwürstel abzuholen. Da fragt ihn die Verkäuferin, ob die Würstel denn für seinen 60er Fanclub sind. Paul Herterich entgegnet daraufhin sichtlich wütend: „I bin a Bayern-Fan!“ Eigentlich kein Problem. Oder? Für den Gelegenheitsschauspieler bei der Serie schon. Denn der war ja Löwenfan – und „des scho seit i denga ko“. Also ließ er sich mit dem Chef, Produzent Markus Schmidt-Märkl, auf eine Wette ein: Wenn Dortmund im Pokalfinale gegen Bayern gewinnt, dann ist er im Fernsehen „a Sechzger-Fan“. Gewinnt jedoch der FC Bayern, bleibt die Szene so, wie sie ist. „Und i hob mi a no drauf einglassen“, fluchte Paul Herterich später, war er sich doch so sicher, dass die Bayern verlieren.

Doch die „Roten“ gewannen 2:0 – und der „Blaue“ musste die Szene dann in ihrer ursprünglichen Fassung spielen. Immerhin gab es ein dickes Lob von der Filmcrew, wie grantig er in der Szene rüberkam und damit seine Rolle perfekt ausfüllte.

Nicht nur in dieser Rolle wird Paul Herterich vielen Dachauern unvergessen bleiben.

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