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Familienzusammenhalt: Daniela Gaßner, Monika und Ralf Strefling (v.l.).

Der Online-Handel macht vielen Sportgeschäften zu schaffen

Das Überlebensgeheimnis von Sport Strefling

Der Online-Handel macht vielen Sportgeschäften zu schaffen. Die Branche stehe vor einem Umbruch, prognostiziert eine Marktuntersuchung. Wie schafft es das Dachauer Sportgeschäft Sport Strefling zu überleben – und das seit 48 Jahren?

Dachau – In Dachau hat es ein Einzelhändler für Sportartikel geschafft zu überleben: das Traditionsunternehmen Sport Strefling in der Brucker Straße am Fuße der Dachauer Altstadt. „Es funktioniert nur mit Familie“, erklärt Daniela Gaßner, die Tochter von Ralf und Monika Strefling. Denn die Branche ist einem Wandel unterworfen: Der Sportriese Intersport 2019 hat zwei Prozent an Marktanteil verloren, während der Online-Händler Zalando, der auch Sportbekleidung im Sortiment hat, um 14 Prozent zulegen konnte. So lauten die Ergebnisse nach einer Marktuntersuchung der auf Sport spezialisierten Unternehmensberatung NPD. Ob die Zahlen zuverlässig sind, bleibt jedoch dahingestellt, da sie auf Kundenbefragungen beruhen und nicht auf Unternehmenszahlen.

Ralf und Monika Strefling haben 1972 ihr erstes Sportgeschäft in der Münchener Straße eröffnet. Dann folgte 1982 der Umzug zum Klagenfurter Platz in Dachau-Süd, bevor die Streflings dann schließlich 1987 ihr endgültiges Zuhause in den jetzigen Räumen in der Bruckerstraße bezogen. Skisport, Outdoor, Wandern, Tennis, Golf und vieles mehr macht das Sortiment bis heute aus. „Mama und Papa sind sich immer treu geblieben“, erklärt Daniela Gaßner weiter. Die Skilehrerin leitet seit 2007 die Skischule, die ihr Onkel Viktor und ihr Vater 1977 gegründet haben.

„Wir sind nie nach dem gegangen, was die Banker gesagt haben“, erkärt Ralf Strefling seine Lebenseinstellung, die er für den Erfolg seines Ladens verantwortlich macht. Anstatt bei jedem Arbeitsschritt nur ans Geld zu denken, macht der 69-Jährige einfach: Bindungen einstellen, Ski wachsen, Schlaufen an Nordic-Walking-Stöcken reparieren – das alles bieten viele Geschäfte gar nicht mehr an, weil daran nichts zu verdienen ist. Neu kaufen statt reparieren lautet heute oft die Devise.

Aber eben nicht bei Familie Strefling. Hier gibt es noch eine hauseigene Werkstatt, die die Kunden zu schätzen wissen und die die Streflings von den Sportketten und Online-Händlern unterscheidet. Ralf und Monika Strefling arbeiten nicht nur jeden Tag, sie leben ihren Traum – bis heute. „Wegen der Ölkrise 1972 war es schwierig, als Ingenieur eine Anstellung zu finden“, erinnert sich Ralf Strefling, der damals schon leidenschaftlicher und erfolgreicher Alpin- und Gras-Skiläufer war. „Da habe ich beschlossen, vom Sport zu leben“, so Strefling. Anfangs half auch noch Streflings Mutter im Familienbetrieb mit und machte die gesamte Buchhaltung. Dafür musste dann niemand extra angestellt und bezahlt werden.

Die Familie ist den Streflings nicht nur im eigenen Geschäft wichtig. Bei der Auswahl der Produzenten, von denen sie ihre Ware beziehen, gelten die gleichen Kriterien. „Wir suchen uns Firmen raus, die auch so sind wie wir“, erklärt Daniela Gaßner, deshalb findet man im Sortiment von Sport Strefling keine Firmen wie Adidas oder Nike, sondern eben Lowa oder Rosignol. Auch die Vertreter sind oft schon in zweiter Generation mit den Streflings verbunden. Faire Arbeitsbedingungen, das Wissen, wie und wo produziert wird, ein familiärer Umgang mit den Geschäftspartnern – das alles zählt bei den Streflings mehr als nur der reine Blick auf die Bilanzen.

Trotz aller Tradition – dem Online-Handel steht die Familie Strefling nicht negativ gegenüber und verweist die Kunden auch an die Konkurrenz, wenn es bei ihnen mal etwas nicht gibt. „Wir sehen die anderen aber nicht als Konkurrenz, das klingt so negativ“, betont Daniela Gaßner, die ihre Kundschaft schon mal zum Sport Barth nach Indersdorf oder zum Sport Bittl nach Allach schickt. Der Kontakt ist persönlich und freundschaftlich. Etwas, was nicht alle mögen. „Viele junge Leute wollen anonym kaufen“, hat Daniela Gaßner festgestellt. Manche Menschen „wollen auch nicht in ein Geschäft gehen und angesprochen werden“, so die zweifache Mutter, deren Söhne Quirin und Vincent auch schon begeisterte und erfolgreiche Skifahrer sind.

Einfach schauen und anprobieren ist auch nicht das Credo der Familie Strefling. Zumindest nicht, wenn es um Skischuhe geht. Da wird dann extra ein Anprobe-Termin vereinbart, bei dem auch die Füße ausgemessen werden. Wie lange das noch so weitergeht, weiß allerdings keiner. Bisher spielt die Gesundheit mit, Spaß ist auch noch da. Seit sich das Dachauer Sportgeschäft vor fünf Jahren dem Einkaufsverband „Sport 2000“ angeschlossen hat, ist nicht nur die Organisation des Einkaufs erleichtert worden. „Wir bekommen einfach bessere Konditionen“, so Daniela Gaßner pragmatisch.

Alleine kann und will Daniela Gaßner den Familienbetrieb nicht weiterführen. „Ewig existieren gibt es nicht. Momentan läuft es super, aber es ist alles offen“, meint die Skilehrerin, deren Geschwister Stefanie und Markus ebenfalls in der Skischule mitarbeiten. „Aber keiner kann den Papa in der Werkstatt ersetzen“, sagt Daniela Gaßner.

Simone Wester

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