Mann und Frau an einem Tisch
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Beantworteten kompetent und geduldig die Fragen der Leser zur Corona-Impfung: von der Johanniter-Unfall-Hilfe Neslihan Bektas und Joern Osenbrück.

Zwei Stunden am Lesertelefon

Verantwortliche des Karlsfelder Impfzentrums beantworten Fragen zur Corona-Impfung ‒ Alle Antworten auf einen Blick

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Die Leiterin des Karlsfelder Impfzentrums Neslihan Bektas und Joern Osenbrück der Projektleiter für die Impfzentren im Johanniter Regionalverband Oberbayern haben am Lesertelefon der Dachauer Nachrichten Fragen rund um die Corona-Impfung beantwortet.

Dachau ‒ Wenig Zeit zum Durchschnaufen hatten Neslihan Bektas, Leiterin des Impfzentrums Karlsfeld, und Joern Osenbrück, Projektleiter für die Impfzentren im Johanniter Regionalverband Oberbayern, während der beiden Stunden am Lesertelefon der Dachauer Nachrichten, an dem auch schon der Leiter des BRK-Impfzentrums in Dachau, Paul Polyfka Fragen beantwortete. Kompetent und geduldig hörten sie sich die Fragen der Menschen aus dem Landkreis Dachau an. Nach dem holprigen Impfstart und technischen Problemen bei der Anmeldung gibt es bei den Menschen nämlich immer noch viele Fragen. Wir fassen die Gespräche zusammen.

Ich bin 78 Jahre alt und habe mich registrieren lassen. Wann werde ich geimpft?

Sie gehören in die Prioritätsgruppe 2. Sie bekommen bis Ende April einen Impftermin angeboten. Dazu bekommen Sie eine E-Mail, eine SMS oder einen Anruf, dass Termine zur Verfügung stehen. Dann können Sie sich einen aussuchen.

Kann ich eine Begleitperson mitbringen?

Wenn Sie Befürchtung haben, dass Sie die Impfung nicht gut vertragen, dann macht es Sinn eine Begleitperson mitzubringen. Eine Person ist im Impfzentrum zulässig.

Wird die Fahrt mit dem Taxi zum Impfzentrum von der Krankenkasse übernommen?

Sie können im Vorfeld des Termins Ihren Hausarzt befragen. Der kann Ihnen aufgrund Ihrer körperlichen Situation einen Krankenfahrschein fürs Taxi ausstellen, wenn er es für erforderlich hält.

Was ist mit dem Impfstoff von Astrazeneca, der in verschiedenen Ländern ausgesetzt worden ist? Ich selbst habe auch Bedenken.

In Deutschland hat er weiterhin die Zulassung. Mittlerweile auch für die Gruppe der über 65-Jährigen. Er wird weiter bei uns verimpft. Dieser Impfstoff ist in keiner Weise schlechter, als ein anderer Impfstoff. Er hat eine gute Schutzwirkung. Wir sind im Moment froh, um jede Impfeinheit, die uns zur Verfügung steht, damit wir vorwärtskommen.

Aber es gab schon Todesfälle im Zusammenhang mit Astrazeneca!

Es stand einiges in den Medien, wobei aber nicht nachgewiesen wurde, dass die Impfungen ursächlich für die Todesfälle waren. Das Einzige, was sich bestätigt hat, ist, dass die Nebenwirkungen nach der Erstimpfung ein bisschen stärker ausgeprägt sind, als bei Biontech oder Moderna. Eigentlich zeigt das aber, dass der Impfstoff seinen „Job macht“. Das ist auch der Grund, warum eine längere Pause bis zur Zweitimpfung besteht. Bei uns im Impfzentrum Karlsfeld ist es noch zu keiner schweren Reaktion oder anderen Problemen gekommen.

Ich muss eine Chemotherapie machen. Wie muss ich vorgehen, wenn ich mich gegen Corona impfen lassen möchte?

Während der Chemotherapie darf man nicht geimpft werden. Sie bekommen für die erste Impfung mehrere Termine zur Auswahl. Je nachdem, welcher Impfstoff zur Verfügung steht, sind die Abstände zwischen erster und zweiter Impfung unterschiedlich lang. Bei einem Impfstoff muss schon nach drei Wochen die Zweitimpfung erfolgen, beim anderen erst nach drei Monaten. Auch wenn Sie nach der Registrierung keinen Impftermin annehmen, bleiben Sie „in der Verlosung drin“. Irgendwann wird es garantiert einen Termin geben, wo es passt.

Ich habe eine Vorerkrankung. Was muss ich zum Impftermin mitbringen?

Es reicht, wenn Sie ein Attest von Ihrem Hausarzt mitbringen. Wir im Impfzentrum brauchen keine Krankenhaus-Berichte oder Ähnliches.

Ich bin 77. Wie läuft das mit dem Impfen beim Hausarzt?

Wir hoffen, dass uns die Hausärzte ab April unterstützen. Ich denke, für Sie wird sich das Thema erledigt haben, weil Sie bis dahin schon über das Impfzentrum geimpft worden sind. Das Problem bei den Hausärzten ist nicht, dass Sie nicht impfen oder das dokumentieren können. Es muss erst eine Logistik aufgebaut werden, dass der Impfstoff bei Ihnen lagerbar ist. Das wird sicherlich noch ein paar Wochen dauern, bis die Hausärzte aktiv mitimpfen. Prädestiniert für die Hausärzte wäre der Impfstoff von Johnson & Johnson, weil er gut händel- und lagerbar ist. Aber wenn er zugelassen ist, dauert es noch 14 Tage bis drei Wochen, bis er in Deutschland zur Verfügung steht. Und dann muss er noch an die Hausärzte verteilt werden. Ich sehe die Hausärzte eher im Mai beim Impfen, als im April.

Ich bin 78 und Diabetiker, habe das aber bei der Registrierung nicht angegeben.

Das ist kein Problem. Wenn Sie ins Impfzentrum kommen, ist es so, dass der Arzt vor Ort im Vorgespräch noch einmal komplett die Vorerkrankungen etc. mit Ihnen durchgeht. Wichtig ist, dass Sie hier alles angeben. Auch Vorerkrankungen, die erst zwischen der Zeit des Registrierens und dem Impftermin aufgetreten sind.

Ich habe einen Impftermin verstreichen lassen. Was muss ich tun, um einen zweiten zu kommen?

Sie bekommen keine weitere Benachrichtigung mehr. Sie müssen selbst aktiv werden und sich über den Anmeldungslink eigenständig einen neuen Termin aussuchen.

Ich bin 42 Jahre alt, arbeite in keinem systemrelevanten Beruf und bin kerngesund. Wann kann ich mit einem Impftermin rechnen?

Frühestens Ende Juli, eher im Spätsommer.

Mein Sohn und meine Schwiegertochter, die in Berlin leben, bekommen im Juni ein Kind. Ich bin 68 und aus Dachau und möchte bei der Geburt dabei sein – allerdings geimpft. Kann ich rechtzeitig einen Impftermin bekommen?

Sie sind Prio-Gruppe 3. Wir beginnen ab Juni mit der Impfung dieser Gruppe. Ohne Gewähr: Es könnte funktionieren im Frühsommer mit Ihrer Impfung, bei genügend Impfstoff. Hochstufen in die Gruppe 2 geht bei „privatem Vergnügen“ natürlich nicht. Ob es sich ausgeht mit dem Tag der Niederkunft, kann man natürlich nicht versprechen...

Ich nehme Gerinnungshemmer, hatte Lungenembolie, Allergien und bin Tumorpatient. Soll ich mich impfen lassen?

Wir sind keine Ärzte. Aber wir können sagen: generell ja. Wichtig ist es aufgrund Ihrer Vorerkrankungen und der Medikamenteneinnahme, dass Sie sich im Vorfeld mit Ihrem Hausarzt zusammensetzen. Der Hausarzt soll eine Empfehlung aussprechen, welcher Impfstoff für Sie in Frage kommt. Er kann das am besten beurteilen und Ihnen ein diesbezügliches Attest ausstellen. Wenn Sie dann einen Termin bekommen, können Sie gleichzeitig sehen, welcher Impfstoff an diesem Tag gespritzt wird und ob das für Sie passt.

Mein Mann liegt nach einer Gehirnoperation im Krankenhaus. Er hat für sich und mich einen Impftermin übers Handy ausgemacht. Das Handy ist bei ihm. Er hat Schwierigkeiten, nachzuschauen. Was soll ich jetzt tun?

Der Rückruf erfolgt nur über diese Handynummer. Rufen Sie bei der Station im Krankenhaus an, und bitten Sie darum, dass die Mitarbeiter dort alle zwei Tage mit aufs Handy schauen, ob eine Nachricht für Sie gekommen ist. Sie können aber auch später auf den mitgeschickten Link klicken. Über diesen erfahren Sie dann, welche Termine noch für Sie frei sind.

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