Bernhard Seidenath
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MdL Bernhard Seidenath ist stolz auf die Genossenschaft.

Dachauer Genossenschaft „Habt ein Herz für soziale Berufe“

Vermieter sollen Herz zeigen für Pfleger

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Seit bald zwei Jahren gibt es die bayernweit einzigartige Genossenschaft „Habt ein Herz für soziale Berufe“, die sich darum bemüht, für Menschen im Pflegebereich bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen. Doch die Wohnungsvermittlung stockt. Gründe sind die Corona-Pandemie sowie Vorbehalte gegenüber Ausländern.

Dachau – Bernhard Seidenath ist richtig stolz auf das, was vor zwei Jahren in Dachau entstanden ist. Auf seine Initiative hin, unterstützt mit einer Anschubfinanzierung des Freistaats in Höhe von 60 000 Euro, taten sich das Kursana Domizil Dachau, der ambulante Pflegedienst miCura sowie die Helios Amper-Kliniken Dachau und Indersdorf zusammen, um die Genossenschaft „Habt ein Herz für soziale Berufe – Wohnungsvermittlung für Menschen in Sozial- und Gesundheitsfachberufen eG“ ins Leben zu rufen.

Die Idee dahinter: Die Genossenschaft mietet die Wohnungen an und untervermietet sie als Werksdienstwohnung weiter an die Pflegebeschäftigten. Die Mietverträge sind damit an das jeweilige Arbeitsverhältnis gebunden, die Genossenschaft überweist monatlich zuverlässig die Miete. „Ein Rundum-Sorglos-Paket für Vermieter“ nennt Seidenath das Projekt, das „weit über Dachau hinaus für Aufsehen gesorgt“ habe. Beim Thema Wohnraum für Pflegebeschäftigte, so Seidenath, „schauen alle auf Dachau“!

Doch das Modellprojekt mag nicht so recht in die Gänge kommen. Wie Stiftungsvorständin Sabine Appel von der Hausverwaltung Immobilien Flack in Karlsfeld bestätigt, seien erst 15 Wohnungen angeboten und gar nur zwei Wohnungen vermittelt worden – angesichts eines geschätzten Wohnungsleerstands von 1800 Wohnungen im ganzen Landkreis eine eher enttäuschende Zahl.

Wohnungsbesitzer wollen langfristige Mietverträge

Die Gründe für die Zurückhaltung der Vermieter war Appel zufolge zum einen die Corona-Pandemie: Die Wohnungsbesitzer hätten Angst, sich über eine Pflegekraft das Coronavirus ins Haus zu holen. Zudem, so Appel, würden grundsätzlich langfristige Mietverhältnisse gewünscht – was auf dem Pflegemarkt, wo Arbeitsplätze vergleichsweise oft gewechselt würden, nicht immer möglich sei. Und drittens, gibt Appel zu bedenken, würden entsprechende Wohnungsangebote regelmäßig mit dem Hinweis versehen: „Wenn möglich, bitte nur an Deutschsprachige.“

Sabine Appel: Erst 15 Wohnungen wurden angeboten.

Genau das ist auf dem Pflegemarkt aber ein Problem, gibt Thomas Liebhart, Direktor des Kursana Domizils Dachau, zu bedenken. Sein Recruiting, also die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften, spiele sich mittlerweile nämlich nicht nur deutschland-, sondern europa- und weltweit ab. Wenn man auf dem heiß umkämpften Markt der Pflegekräfte bestehen wolle, müsse man eben auch Wohnraum mit anbieten. Günstige Wohnungen würden jedoch nicht nur dazu beitragen, Mitarbeiter anwerben zu können, sondern auch dauerhaft zu binden. Arbeitgebern wie ihm sei an dauerhaften Arbeitsverhältnissen gelegen, „weil der Bedarf ständig da ist“.

Perfekt für Pflegekräfte und deren Budgets seien kleinere Wohnungen, betont Liebhart, mit ein bis eineinhalb Zimmern und Mieten zwischen 600 und 900 Euro. Außerdem sei die Nähe zum öffentlichen Nahverkehr entscheidend, da viele Pflegekräfte über kein eigenes Auto verfügten.

Seidenath und seine Mitstreiter sind – trotz des schleppenden Starts – weiterhin überzeugt von ihrer Idee. Es gebe auch schon weitere „Genossen in Lauerstellung“, darunter das Franziskuswerk Schönbrunn. Der Freistaat hat seine Förderung des Modellprojekts auch schon um ein weiteres Jahr verlängert. Mit dem neuen Zuschuss in Höhe von 60 000 Euro soll nun vor allem die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden. Langfristig, so Seidenath, sei er sich sicher, dass sich die Genossenschaft selbst wird tragen können.

Alle sind sich einig: Das Projekt ist wichtig

Dass das Projekt wichtig ist, darin sind sich die Mitglieder ohnehin einig. „Die Menschen, die bei uns in den Pflegeheimen leben, haben maßgeblich zum Wohlstand unseres Landes beigetragen“, so Liebhart. „Die haben unser Land aufgebaut!“ Daher sei es der „zentrale Auftrag“ der Gesellschaft, gerade diesen 80- bis 90-Jährigen einen würdigen Lebensabend – inklusive fachlich guter Pflege – zu bereiten. Gerade diese Pflege könne aber eben nur mithilfe ausländischer Arbeitskräfte gewährleistet werden. Liebhart betont dabei, „sehr gute Erfahrungen“ mit seinem internationalen Personal zu machen: „Die strengen sich an, integrieren sich und sind eine wichtige Stütze in unseren Einrichtungen“.

Um so wichtiger sei es, die Idee dieser Genossenschaft weiter in den Landkreis zu tragen und Wohnungsbesitzern zu zeigen: „Es gibt uns, wir wollen Gutes tun“, so Seidenath. Er persönlich ist optimistisch, dass es im Landkreis „genug Menschen gibt, die ein Herz für soziale Berufe haben und uns dabei helfen wollen“.

Informationen zur „Genossenschaft Wohnungsvermittlung für Menschen in Sozial- und Gesundheitsfachberufen eG – Habt ein Herz für soziale Berufe“ erteilt Sabine Appel unter Telefon 0 81 31/2 75 80 25; oder E-Mail an wohnungsgenossenschaft@hvi-flack.de.

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