Schauen zurück auf 20 Jahre gerontopsychiatrische Fachstelle der Caritas: Sozialpädagogin Alice Lenhart-Schlenker vom Team, Andreas Miller, Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes der Caritas, und Kira Dannhart-Rabl, Leiterin der Fachstelle (von links).
+
Schauen zurück auf 20 Jahre gerontopsychiatrische Fachstelle der Caritas: Sozialpädagogin Alice Lenhart-Schlenker vom Team, Andreas Miller, Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes der Caritas, und Kira Dannhart-Rabl, Leiterin der Fachstelle (von links).

Seit 20 Jahren gibt es in Dachau die gerontopsychiatrische Fachstelle der Caritas

Weil es aufmerksame Menschen braucht

  • Petra Schafflik
    VonPetra Schafflik
    schließen

„Hier kann ich mit jemanden sprechen, dem ich vertrauen kann, hier fühle ich mich zu Hause.“ Nur lobende Worte findet Edith S. für die gerontopsychiatrische Fachberatung der Caritas, die in diesen Tagen ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Dachau - Dort holt sich die 87-Jährige seit einigen Jahren Rat, findet Unterstützung in belastenden Lebensphasen und besuchte vor der Pandemie auch regelmäßig eines der Gruppentreffen (siehe Kasten). So wie ihr geht es auch anderen Senioren im Landkreis, die unter seelischen Belastungen oder psychischen Erkrankungen leiden. Ihnen bietet das fünfköpfige Team mit Leiterin Kira Dannhart-Rabl nach individuellem Bedarf persönliche Beratung, gemeinsame Aktivitäten oder Gesprächsgruppen und vermittelt an geeignete Unterstützungsangebote. 100 bis 140 Senioren im Alter werden auf diese Weise jedes Jahr unterstützt.

Ins Leben gerufen wurde dieses Spezialangebot im Jahr 2001, weil damals im sozialpsychiatrischen Dienst (SPDI) der Caritas der Anteil der Senioren immer größer wurde, wie SPDI-Fachbereichsleiter Andreas Miller erläutert. Zudem hätten psychische Belastungen wie Depression, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen im Alter andere Facetten, erklärt Sozialpädagogin Alice Lenhart-Schlenker, seit Gründung im gerontopsychiatrischen Dienst tätig. Bereits der Übergang in den Ruhestand, aber auch Erkrankungen, Pflegebedürftigkeit, der Tod des Partners oder von Freunden können im Alter Anlass für seelische Krisen sein. Und in der Folge oft auch für Vereinsamung.

Hilfe für alleinstehende Senioren

Die Fachberatung der Caritas bietet Betroffenen eine persönliche Beratung. Da geht es zum einen darum, für jeden der oft alleinstehenden Senioren ein passendes Unterstützungsnetz zu bauen. Immer mit dem Ziel, ein selbstbestimmtes Leben im gewohnten Zuhause zu ermöglichen und die Lebensqualität zu erhalten.

Daneben setzt die Fachstelle – vor Corona und jetzt bald wieder – auf Gruppenangebote. Einerseits, um möglichst viele Menschen zu erreichen, „denn die Nachfrage ist sehr, sehr groß“, betont SPDI-Leiter Miller. Aber auch, um „Menschen in Beziehung bringen“, wie Lenhart-Schlenker betont. Denn die Zusammenkünfte mit gemeinsamem Frühstück, geselligem Austausch und kleinen spielerischen Aktivitäten sind für viele der einzige Termin in der Woche und ein wichtiger Lichtblick.

Gerade der direkten Begegnung komme große Bedeutung zu, so Dannhart-Rabl. Denn ein längeres Telefonat falle vielen schwer. Und nur Mimik und Körperhaltung verrieten auf einen Blick, „ob es jemandem gut geht“. Um den Senioren zusätzlich Anreize zu eigener Aktivität zu bieten, wurde in Kooperation mit dem Dachauer Forum ein schriftliches Medium unter dem Titel „Aktionsinsel“ entwickelt und alle 14 Tage an einen Kreis von 60 Senioren verschickt.

Senioren fühlen sich bei Digitalisierung abgehängt

Die in der Pandemie in vielen gesellschaftlichen Bereichen üblichen Videokonferenzen kamen nicht in Frage. Denn die Digitalisierung geht am Großteil der betreuten Senioren völlig vorbei, diese fühlten sich regelrecht „abgehängt“. So hätten sich die meisten auch nicht eigenständig für einen Impftermin anmelden können, berichtet Dannhart-Rabl. Corona wirke wie ein Brennglas, mache vorhandene Mängel deutlicher sichtbar. So zeigte sich, wie stark die gesamte auch medizinische Versorgung darauf aufbaut, dass Menschen aktiv und mobil sind.

Für die Klienten der gerontopsychiatrischen Fachberatung wie auch für viele andere Senioren treffe das aber nicht zu. Hilfe müsse deshalb künftig noch stärker zu den Menschen kommen. Und alle Bürger, so der Appell, sollten in ihrem persönlichen Umfeld ein Auge haben auf Ältere. „Es braucht aufmerksame Menschen!“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare