+
Noch sind es einzelne Rosen – doch bald könnten im großen Saal des Landratsamtes in den Kreistagssitzungen ganze Sträuße ausgefochten werden, denn die Parteienkultur dort hat sich grundlegend gewandelt.

Kreistagswahl birgt einige Überraschungen

Prominente Abgänge und ein Parteiaustritt

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
    schließen

Elf Gruppierungen gehören dem neuen Kreistag an. Etablierte Politiker sind völlig überraschend abgewählt worden. Bei der AfD ist ein frisch gewähltes Mitglied am Dienstag aus der Partei ausgetreten.

Landkreis – Wenn am 8. Mai die konstituierende Sitzung des neuen Kreistags über die Bühne geht, wird der wiedergewählte Landrat Stefan Löwl viele neue Mitglieder begrüßen. Er wird aber auch zur Kenntnis nehmen, dass einige etablierte Kollegen nicht mehr in den bequemen Ledersesseln des von 60 auf 70 Personen erweiterten Gremiums sitzen – weil sie nicht mehr gewählt wurden.

Eine faustdicke Überraschung ist, dass der stellvertretende Landrat Dr. Edgar Forster (FW Dachau) trotz Listenplatz zwei nicht mehr genügend Stimmen auf sich vereinen konnte. Doppelt bitter für den 75-Jährigen: Er flog auch aus dem Dachauer Stadtrat. Aber auch Mechthild Hofner (ÖDP), Michaela Steiner (FW Landkreis) oder der Fraktionschef der CSU-Stadtratsfraktion, Florian Schiller (CSU), haben kein Mandat mehr ergattern können.

Möglicherweise wird Sitzungsleiter Löwl einen frisch gewählten Abgeordneten erst gar nicht kennenlernen: Dr. Karl-Hermann Behrens. Der AfD-Mann aus Odelzhausen ist am Dienstag aus seiner Partei ausgetreten, wie die Dachauer Nachrichten erfahren haben. Über die Gründe schweigt sich Behrens aus. Ob er sein Mandat wahrnehmen wird, weiß er noch nicht. „Ich werde erst die Meinung des Parteivorstands einholen, dann werde ich das entscheiden“, so Behrens.

Neben Behrens haben für die AfD auch Michael Stauch (Altomünster), Georg Niedermeier (Haimhausen) und Markus Kellerer (Dachau) von den Wählern einen Sitz im neuen Kreistag zugesprochen bekommen. „Wir hatten uns mehr erhofft“, so Kellerer, seine Partei habe mit zehn Prozent geliebäugelt. Seine Partei werde „konservative, bürgerliche Sachpolitik“ betreiben, verspricht Kellerer. Dabei versuche man mit Themen wie beispielsweise Förderung der Wohnungsbaugesellschaft mit Blick auf die Einheimischen durchzudringen.

„Auch neue Asylheime im Landkreis lehnen wir ab. Unser Steuergeld muss für Infrastruktur und Digitalisierung – flächendeckende Mobilfunk-Netzabdeckung – ausgegeben werden“, so Kellerer. Ansonsten „möchten wir erst mal ankommen und sehen, wie wir aufgenommen werden“.

Zwei Fraktionsvorsitzende, die längst im Kreistag angekommen sind, haben mit ihren Parteien sehr unterschiedliche Ergebnisse eingefahren. Dennoch haben beide ein gemeinsames Ziel in der neuen Legislaturperiode: Impulse setzen durch Dampfmachen.

Die eine Sprecherin ist Marianne Klaffki (SPD). Ihre Genossen verloren drei Mandate (aktuell 8) und 6,5 Prozentpunkte der Stimmen (aktuell 12,0). „Das war natürlich weniger schön, wenngleich wir ganz viele Dinge durchgebracht haben“, so die stellvertretende Landrätin. Jetzt, so gibt sie sich kämpferisch, „wollen wir neue Impulse setzen“ – auch mit neuen Leuten wie Anita Engelbrecht, Dr. Bernhard Goodwin und Dennis Behrendt. Und dann ist ja noch der fulminate Sieg bei der Dachauer Stadtratswahl. „Das war eine Riesenfreude“, so Klaffki, und gebe jede Menge Schwung für die Arbeit auf Kreisebene.

Die zweite Sprecherin ist Marese Hoffmann vom eindeutigen Wahlsieger, den Grünen. Dass sie sich über ein Plus von 7,7 Prozentpunkten der Stimmen (aktuell 16,6) sowie ein Mehr von sieben Mandaten (aktuell 12) freut, ist sowieso klar. Aber Ausruhen auf den frischen Lorbeeren? Von wegen. „In Sachen Klimaschutz können wir noch deutlich nachlegen“, sagt sie, „damit da mehr Dampf reinkommt“! Zum Beispiel müsse die Klimaschutzbeauftragte Verstärkung durch Fachleute bekommen.

Und dann seien noch viele soziale Fragen zu klären, die nicht hinten runterfallen dürfen, nur weil die Haushaltslage schwierig sei. In diesem Zusammenhang freut sich Hoffmann, dass Lena Wirthmüller vom Bündnis für Dachau den Sprung in den Kreistag geschafft hat. „Sie ist eine gute Vertreterin für Menschen, denen es nicht so gut geht“, so die Grünen-Chefin.

Die erst 30 Jahre alte Wirthmüller, die bei der Caritas arbeitet und im Auftrag des Kreistags den Armutsbericht für den Landkreis Dachau erarbeitet hat, wird unterstützt von ihrem Parteikollegen Kai Kühnel. Der Dachauer wiederum gilt als Kritiker der aktuellen Landkreispolitik – und von Landrat Löwl. Auch wenn er den Landrat für dessen Fleiß lobt und meint, dass Löwl „manche Dinge gut gemacht hat“, sehe es aus Sicht der Kreisstadt „gar nicht gut aus“. Kühnel nennt beispielsweise den sozialen Wohnungsbau. Hier würden die Landkreisbürgermeister Löwl „nicht machern lassen“, so dass sich der Landrat „aus dem Thema mehr oder weniger verabschiedet hat“.

Auch interessant

Kommentare