Amtsgericht Dachau verurteilt 50-Jährigen zu Geldstrafe

Vereinswirt tickt völlig aus, als Tanzmäuse sich in seiner Gaststätte umziehen

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Der Wirt des Restaurants bei den Tennisfreunden Dachau ist nach einer Kindertanz-Veranstaltung in den Räumen des Klubs völlig ausgerastet. Vor den Augen zahlreicher Kinder verletzte er eine Mutter.

Dachau – Es herrschte ein ziemliches Gewusel im Vorraum der Gymnastikhalle bei den Tennisfreunden Dachau. An jenem Novemberabend im vergangenen Jahr hatten die Tanzmäuse des ASV Dachau soeben ihre Probe beendet und waren dabei, sich mithilfe ihrer Mütter im Vorraum umzuziehen. Weil es keine dort Garderobe gibt, verstreuten die Kleinen ihre Jacken, Pullis, Schuhe und Taschen im Raum. Auch ein Bistrotisch, den der Wirt des angrenzenden Restaurants aufgestellt hatte, wurde als Ablage für Kleidungsstücke genutzt. Als der Wirt des Lokals dies sah, tickte er komplett aus.

„Dachauer Hure“

Mit einem Handstreich räumte er den Bistrotisch ab und begann vor den Augen der meist drei oder vier Jahre alten Tanzmäuschen herumzubrüllen. Die Kleinen begannen zu schreien und brachen in Tränen aus. Die Mütter und sein Sohn versuchten den Wirt zu beruhigen. Vergeblich. Unter dem Ausruf „Dachauer Hure!“ baute er sich vor einer Mutter auf. Schließlich schubste der Krakeeler die Frau mit beiden Händen derart unglücklich, dass sie mit dem Hinterkopf gegen eine hinter ihr stehende weitere Mutter stieß, die sich wiederum leicht an der Nase verletzte. Irgendjemand im allgemeinden Tohuwabohu verständigte jemand die Polizei.

Drei Kinder hörten mit dem Tanzen auf

Die Konsequenzen des üblen Ausrasters: Drei Kinder haben aus Angst vor ähnlichen Vorfällen mit den Tanzen aufgehört. Das Verhältinis zwischen den beiden Vereinen trübte sich ein; der ASV hat für die restlichen Kleinen einen anderen Raum besorgt. Aber vor allem: Dem Randalierer wurde der Prozess gemacht.

Richter Lukas Neubeck machte bereits zu Beginn der Hauptverhandlung dem Angeklagten klar: „Es geht um ihre Freiheit!“ Der Vorsitzende spielte darauf an, dass der dreifache Familienvater indischer Abstammung sage und schreibe 17 Vorstrafen hat. Quer durch das Strafgesetzbuch ziehen sich die Vergehen: Betrug, Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Bedrohung, Erwerb von Rauschgift sowie fahrlässige und gefährliche Körperverletzung, um nur einige zu nennen. Wegen einer gefährlichen Körperverletzung steht der 50-Jährige unter offener, einschlägiger Bewährung. Daher drohte ihm das Gefängnis.

Mütter sagen als Zeuginnen aus

Doch statt reumütig zu seiner Tat zu stehen, spielte der Angeklagte alles herunter und sprach von Provokationen seitens der Mütter. Drei der Mütter – die geschubste, die verletzte sowie eine unbeteiligte – hatte das Amtsgericht als Zeuginnen vorgeladen. Sie bestätigten im Wesentlichen die Vorwürfe aus der Anklageschrift. Eine von ihnen legte dem Gericht eine E-Mail der Tennisfreunde vor. In dem Schreiben entschuldigte sich die TF-Vereinsführung zwar bei der ASV-Geschäftsführung, aber der Passus „eine Dame hat nicht zur Deeskalation beigetragen“ kam nicht gut an.

Wirt kommt mit saftiger Geldstrafe davon

Richter Neubeck hingegen meinte, den Damen sei nichts vorzuwerfen. Was sein Urteil anging, unterschied er sich allerdings von der Staatsanwältin. Diese hatte für den 50-Jährigen fünf Monate Gefängnis ohne Bewährung gefordert. Der Vorsitzende hingegen verhängte „nur“ eine Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro.

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