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Überlebenskampf: Wirte in traditionellen Gaststätten haben es schwer, auch im Landkreis Dachau.

Warum die Wirtshäuser sterben

Insider: Darum ist es kaum mehr möglich ein Gasthaus auf dem Land rentabel zu führen

Gasthäuser rentabel zu betreiben, wird immer schwieriger, vor allem in ländlichen Gebieten. Michael Groß, Wirte-Chef im Landkreis Dachau, nennt die Gründe.

Landkreis – Für viele im Dachauer Land sind sie wie ein zweites Wohnzimmer: die Wirtshäuser. Wenn Gaststätten schließen, ist das nicht nur ein großer Verlust für die Dorfgemeinschaft. Damit stirbt auch ein Stück bayerische Kultur. Beispiele gibt es viele. Im Landkreis sind das Gasthaus Dafelmaier in Westerholzhausen, der Waldfrieden in Deutenhofen und der „Uihofer Wirt“ von Sepp Dandl in Eichhofen, der vor wenigen Tagen dichtmachte (wir berichteten). Im Kreis Dachau, so scheint es, geht das Wirtshaussterben immer weiter.

„Das hat verschiedene Gründe“, sagt Michael Groß, Dachauer Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). „Geburtstag, Hochzeiten, Taufen: Das alles feiern viele oft nicht mehr in Wirtshäusern, sondern sie weichen auf die von den Gemeinden subventionierten Locations aus – wie Bürger- und Feuerwehrhäuser oder Schützenheime.“ Solche „Bankettveranstaltungen“ seien allerdings notwendig für die Wirtshäuser. Denn von den Stammtischgästen und den Dorfbewohnern allein könne eine Gaststätte auf dem Land nicht mehr überleben. Das sei einfach nicht mehr rentabel. „Junge Gastronomen brauchen aber Rentabilität“, sagt Groß. „Daher tun sich viele Betriebe schwer, Nachwuchs zu finden.“

Warum Wirtshäuser auf dem Land sterben - Wirte-Experte rät zur Expansion

Um traditionelle Wirtshäuser für die Zukunft attraktiv zu machen, rät Groß zu einer Expansion – zum Beispiel in Form von Anbauten wie einer Terrasse. Nur: Aufgrund des Lärm- und Immissionsschutzgesetzes sei das aber nicht immer möglich. „Man hat das Gefühl, dass es den Behörden am liebsten wäre, wenn florierende Gastronomien im Gewerbegebiet angesiedelt wären“, meint der Dehoga-Vorsitzende.

Erschwerend komme hinzu, so Groß weiter, dass jeder Betrieb für ein Gericht, das im Haus gegessen wird, 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen muss. „Bäcker oder Metzger müssen hingegen nur sieben Prozent abgeben, da das Essen mitgenommen wird. Die Gesetzgebung ist da sehr unfair geregelt“, findet Groß.

Auch Personalmangel ist laut dem Dehoga-Chef ein Grund für das Wirtshaussterben im Landkreis. Durch das Arbeitszeitgesetz, das nicht flexibel sei, würden viele nicht mehr in die Gastronomie einsteigen. Laut Gesetz können die Gastronomie-Mitarbeiter ihre Arbeitszeit nicht flexibel einteilen, da die Höchstarbeitszeit täglich und nicht wöchentlich geregelt ist. „Wenn jemand bei seinem Hauptjob acht Stunden arbeitet und sich dann am Abend noch in der Gastronomie etwas dazuverdienen möchte, dann dürfte derjenige nur noch zwei Stunden arbeiten“, erklärt Groß.

Mit dem neuen Zuwanderungsgesetz könne dem Fachkräftemangel allerdings entgegengewirkt werden. „Die Gastronomie sowie das Handwerk warten sehnsüchtig auf das Zuwanderungsgesetz.“

Groß sieht trotz aller Schwierigkeiten viel Potenzial im Landkreis. „Ein Wirtshaus kann mit gut kalkulierten Preisen einen gut funktionierenden Betrieb aufrechterhalten.“ Die Nachfrage sei nicht das Problem. Da die Metropolregion München sehr finanzstark sei, würden die Bewohner oft Essen gehen können. „Dafür fahren viele extra aus der Stadt raus aufs Land.“ Außerdem will der Dehoga-Kreisvorsitzende nicht komplett schwarzmalen. „In den größeren Gemeinden gibt es immer noch genug gute Wirtshäuser.“

Leyla Yildiz

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