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Ein Industriedenkmal wird schick: Die ehemalige Schlossbergbrauerei wird in den kommenden Monaten zu einem Wohnhaus in Bestlage umgebaut. Der Schornstein aber darf nicht abgerissen werden.

Bauausschuss der Stadt Dachau genehmigt Bauantrag

Der letzte Schandfleck in der Altstadt verschwindet

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Auf dem Areal der früheren Schlossbergbrauerei in Dachau  entstehen 19 Wohnungen - und der lang ersehnte Biergarten rückt in greifbare Nähe.

Dachau – Als „eines der letzten Objekte, die in der Altstadt noch leer herumstehen“, bezeichnete Oberbürgermeister Florian Hartmann in der jüngsten Bauausschusssitzung die ehemalige Schlossbergbrauerei. Entsprechend „sehr froh“ sei er nun, dass dieser „Leerstand beseitigt und einer sinnvollen Nutzung zugeführt“ werde.

Tatsächlich plant die Münchner Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA auf dem Areal an der Schlossbergstraße eine Wohnanlage mit 19 Mietwohnungen und einer Tiefgarage. Der Schornstein des ehemaligen Industriegeländes, so will es das Landesamt für Denkmalpflege, bleibt dabei erhalten. Auch die Außenmauern und viele der Fenster werden bleiben; neugebaut werden dürfen laut Denkmalamt dagegen Balkone, Dachgauben und Dachflächenfenster. Am Ende wird das Wohnhaus über drei Stockwerke sowie ein Dachgeschoss verfügen. Die Wohnungsgrößen rangieren von 64 bis 156 Quadratmeter.

Bedingung für die Zustimmung der Stadt zu dem Großprojekt war jedoch die Abtretung der Grünfläche an der südlichen Seite des Areals. Nach dem Willen der Stadträte soll dort ein Bürgerbiergarten für maximal 200 Besucher etabliert werden. Laut Bauamtsleiter Michael Simon hat der notariell beurkundete „Eigentumsübergang der Fläche“ an die Stadt zwar noch nicht stattgefunden, die Verträge hierfür seien aber bereits „in trockenen Tüchern“.

Welcher Art der Bürgerbiergarten werden soll, ist ebenfalls noch nicht festgeschrieben. Möglich ist Simon zufolge ein „niederschwelliges Angebot“ in Form von Tischen und Bänken, zu denen im Sommer dann ein Bierwagen gestellt wird. Findet sich ein Betreiber, wäre aber natürlich auch ein echter Biergartenbetrieb denkbar.

Der Zeitplan, so der Bauamtsleiter, sieht nun vor, dass noch in diesem Jahr die Baugenehmigung erteilt wird und im Frühjahr der Baubeginn folgt. Abgewickelt werden die Arbeiten ausschließlich über die Klostergasse sowie über einen Teil der Grünfläche, die im Anschluss dann zum Biergarten umfunktioniert wird. Die Abrissarbeiten und damit die Beeinträchtigungen für die Anwohner dürften sich Simon zufolge in Grenzen halten, da der Bauherr „viel im Bestand machen wird“.

Die Stadträte im Bauausschuss waren angetan; vor allem die Tatsache, dass der alte Schornstein und damit ein Stück Industriekultur stehen bleiben wird, erfreute das Gremium. „In der Frage bin ich relativ leidenschaftlich“, gab beispielsweise Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) zu. Claus Weber (Freie Wähler) fand es ganz grundsätzlich toll, dass dieser „Schandfleck“ nun endlich beseitigt und noch dazu „einigermaßen schön“ wird.

Dr. Jobst Kayser-Eichberg, Aufsichtsratsvorsitzender der Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA, ist ebenfalls zufrieden. Nach zweijährigem Genehmigungsverfahren sieht er das Projekt nun auf einem guten Weg. Bis 2020 hofft er, die Wohnanlage fertiggestellt zu haben, wobei klar ist: „Die Tiefgarage wird dabei die größere Gschicht.“ Die für den Baubeginn nötigen Vorarbeiten seien bereits abgeschlossen; beispielsweise mussten noch größere Dinge aus Brauereizeiten, darunter ein riesiger Metallbehälter, zerlegt und abtransportiert werden.

Für Bauamtsleiter Michael Simon, der Ende des Jahres in Ruhestand geht, ist das Bauvorhaben gleichsam ein Abschluss. Nach dem bereits laufenden Umbau der ehemaligen Koschade-Klinik und dem geplanten Umbau des ehemaligen Kaufhauses Hörhammer ist die Schlossbergbrauerei das letzte von den „großen, bekannten leer stehenden Objekten“. Dessen Umgestaltung bedeute damit auch, „dass ich jetzt dann wirklich aufhören kann“.

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