Rund 650.000 Menschen ohne Wohnung
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Vielen Menschen droht die Obdachlosigkeit. Dabei stehen Wohnungen leer.

Forschungsprojekt im Landkreis: Gemeinden verschicken Schreiben

Wohnungsleerstand: Die Bürger sind gefragt

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Viele Wohnungen im Landkreis Dachau stehen leer. Eine Studie soll jetzt klären, warum.

Landkreis – Wer aufmerksam durch Dörfer oder Stadtviertel spaziert, wird sie rasch erkennen: Die offensichtlich unbewohnten Wohnungen und leerstehenden Häuser. Schätzungen gehen davon aus, dass im Landkreis Dachau rund 2500 Wohneinheiten nicht genutzt werden. Und das, obwohl in der Region viele Bürger und gerade auch Familien vergeblich nach einer geeigneten Wohnung suchen.

Gemeinsam mit den Kreisgemeinden und Forschern der Technischen Universität München will der Landkreis mehr herausfinden zu den Ursachen für den Leerstand. Und nach Möglichkeiten suchen, wie sich der eine oder andere Eigentümer vielleicht für eine Vermietung gewinnen lassen könnte. Nach intensiven Vorüberlegungen geht mit diesem Ziel jetzt das Projekt „Wohnungsleerstand wandeln“ (WohL) an den Start (wir haben berichtet).

Federführend koordiniert wird die Studie von Hebertshausen. „Dieses Thema ist mir wirklich sehr wichtig,“ betont Bürgermeister Richard Reischl (CSU). Die Problematik der Leerstände bei gleichzeitigem Mangel an Wohnraum treibt Reischl schon länger um. Ein „Adlerauge“ für leere Wohnungen habe er entwickelt, „das sieht man ja oft sofort“. Und es will dem Rathauschef nicht eingehen, dass einerseits ein immenser Aufwand betrieben werden muss, um neue Baugebiete auf der grünen Wiese zu entwickeln, mit all den bekannten Schattenseiten wie Zersiedlung und Flächenversiegelung. Während andererseits Wohnungen und Häuser leer stehen, auch fix und fertig erschlossene Grundstücke unbebaut bleiben.

Ursachen und Hintergründe

Ziel der Studie ist es nun, mehr herauszufinden zu Ursachen und Hintergründen. Die Untersuchung soll Einblicke geben, warum Eigentümer eine Vermietung scheuen. Und auch ergründen, ob es nicht Wege gäbe, den leerstehenden Wohnraum wieder nutzbar zu machen. Und zwar nicht mit Vorgaben, sondern vielleicht mit Unterstützung bei der Vermietung oder einfach der Motivation der Bürger, wieder etwas aus ihrem Eigentum zu machen. „Meine Hoffnung wäre“, sagt Reischl, „dass wir es schaffen, ein paar Wohnungen wieder zu öffnen und dass sich das dann rumspricht.“

Im ersten Schritt der WohL-Studie sind jetzt Bürger gefragt, die leerstehende Wohnungen oder Häuser haben. In einem persönlichen Anschreiben werden sie vom Bürgermeister ihrer Gemeinde und Professorin Elisabeth Wacker von der Technischen Universität eingeladen, sich am Forschungsprojekt zu beteiligen. In einem Interview, dessen Inhalt anonym in die Forschung einfließt, können die Angesprochenen ihr Wissen, ihre Wünsche und Forderungen einbringen. Wann, wo und in welchem Umfang die Gespräche stattfinden, entscheiden die Bürger. Für Fragen und Informationen steht in jeder Gemeinde auch ein Ansprechpartner im Rathaus bereit. Reischl hofft, „dass wir die eine oder andere Türe öffnen können“.

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