Nicht zum Lachen finden diese Vertreterinnen des BLLV die Stundenerhöhung (v.l.): Barbara Sparr, Hildegard Eitzenberger, Beate Rexhäuser und Nina Drewes. foto: ep

Mitglieder des BLLV-Kreisverbandes erklären ihre Empörung

Wütende Lehrer protestieren

Mitglieder des BLLV-Kreisverbandes erklärten gegenüber der Heimatzeitung, warum sie wütend sind.

DachauSie betonten es in diesem Pressegespräch mehrmals: Nur weil sie sich in einem Berufsverband organisieren, dürfen sie sich kritisch gegenüber ihrem Dienstherren äußern. Als Beamtinnen ohne ihre – ehrenamtliche – Mitgliedschaft in diesem Zusammenschluss müssten sie sonst mit Disziplinarmaßnahmen rechnen. Am Aktionstag des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) gegen die Personalplanung von Kultusminister Michael Piazolo haben Mitglieder des Dachauer Kreisverbandes erklärt, warum sie so empört sind über die Stundenerhöhung. Und es hat sich einiges an Wut und an Argumenten gegen die Pläne angesammelt!

BLLV-Kreisvorsitzende Beate Rexhäuser von der Mittelschule Erdweg, Schulleitersprecherin Barbara Sparr, Rektorin an der Grundschule Karlsfeld, Geschäftsführerin Hildegard Eitzenberger, Fachlehrerin für Ernährung und Gestaltung, sowie BLLV-Pressesprecherin Nina Drewes, Grundschule Dachau-Augustenfeld, betonten auch, wie sehr ihnen ihr Beruf Freude mache, und dass sie die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes zu schätzen wissen. Jetzt aber reiche es ihnen. Jetzt wollten sie laut sagen: „So nicht! Wir sagen Nein zum Arbeitszeitkonto für Grundschullehrkräfte, Nein zur Anhebung der Antragsaltersgrenze und Nein zu Einschränkungen bei Teilzeitmöglichkeiten.“ Protest-Postkarten mit der Möglichkeit, den Unmut zu äußern, wurden an die Kolleginnen verteilt und sollen am 12. Februar dem Kultusminister übergeben werden.

Nina Drewes ist Mutter eines Kindes in der ersten Klasse. Wenn sie eine Stunde mehr arbeiten müsse, sei das ja nicht nur die eine Schulstunde und auch nicht in ihrer eigenen Klasse. „Es hängt Vor- und Nachbereitung daran, Dokumentation, die neuen Eltern kennenlernen – ein ganzer Rattenschwanz an Mehrarbeit.“ Für diese Zeit müsse sie eine Fremdbetreuung für ihr Kind finden.

Als Fachlehrerin für Ernährung und Gestaltung ist Hildegard Eitzenberger an mehreren Schulen im Landkreis unterwegs. Der Fachlehrermangel sei seit vielen Jahren bekannt. Sie selbst arbeite in Teilzeit und soll nun statt 17 Stunden plötzlich 24 Stunden arbeiten. Gerade die Teilzeitkräfte, so die Vertreterinnen des BLLV, würden besonders unter der Aufstockungspflicht leiden. Die neue Ruhestandsregelung treffe dagegen die älteren Kolleginnen heftig, so die 62 jährige Beate Rexhäuser. Wer seinen Vorruhestand mit 64 angesetzt hatte, muss jetzt bis 67 plus sieben Monate arbeiten.

Die Belastung als Lehrkraft sei enorm gestiegen, betonten alle. Die ungelöste Inklusion, die Integration von Kindern, die kaum oder wenig Deutsch sprechen, die Förderung von Kindern, deren Eltern sich wenig um sie kümmerten, die Digitalisierung – das zermürbe viele. Barbara Sparr als Leiterin einer Grundschule mit fast 500 Schülern und 40 Lehrkräften stellte fest, dass weit mehr als 20 Prozent der Lehrer von den Maßnahmen betroffen seien. „Es betrifft jede Klasse. Und es wird bei all den Berechnungen vergessen: Es geht um Menschen, nicht um Zahlen!“ 

Elfriede Peil

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