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Die derzeit größte Baustelle der Stadt Dachau: Hier entsteht das neue Hallenbad.

Arbeiten am Neubau in Dachau verzögern sich und Kosten steigen

Problem-Baustelle Hallenbad

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Zeitverzögerung und Kostensteigerung: In der Werkausschuss-Sitzung wurde der Sachstand beim Neubau des Hallenbads vorgetragen.

Dachau – Stadtwerke-Chef Robert Haimerl hatte am Donnerstag wieder einmal die undankbare Aufgabe, dem Werkausschuss den Sachstand zur größten Baustelle der Großen Kreisstadt vorzutragen. Und um das Ergebnis vorwegzunehmen: Haimerl brachte keine guten Nachrichten. SPD-Stadtrat Volker C. Koch umschrieb es am Ende so: „Die Frage ist jetzt nur: Was wird schneller fertig, unser Hallenbad oder der Berliner Flughafen?“

Zum Lachen ist Haimerl angesichts seiner Problem-Baustelle aber schon lange nicht mehr zumute. Zwar seien die Verbau- und Erdarbeiten abgeschlossen, die Baugrube verfüllt und auch die Spundwände gezogen. Von einem zügigen Baufortschritt kann laut Haimerl aber dennoch nicht die Rede sein.

Denn: Das nächste Gewerk, der Holzbau, verzögert sich. Zum 9. September hätte die Montage der künftigen Schwimmhalle beginnen sollen, die Firma aber habe die Bauherren nun auf 7. Oktober vertröstet. Allein, so Haimerl: „Für den Holzbau der Garderobenanlage liegt uns nach wie vor keine Montageplanung vor.“ Die Holzbaufirma sei in Verzug gesetzt worden, was aber nichts am grundsätzlichen Problem ändere, dass der Holzbau eigentlich die provisorische Abdichtung der Baustelle für den Winter sicherstellen sollte. Und erst wenn die Winterabdichtung erfolgt sei, könnten die Arbeiten an der sogenannten technischen Gebäudeausrüstung – etwa Lüftung und Badewasser – beginnen.

Kurz: Ob der zuletzt anvisierte Fertigstellungstermin von Ende 2021 gehalten werden kann, ist laut Haimerl mehr als unsicher: „Das funktioniert nur, wenn wirklich alles gut geht!“ Das Wörtchen „alles“ hätte er dabei gerne „dreimal unterstrichen“.

Nicht weniger unerfreulich wie die Zeitschiene ist die Kostenentwicklung der Baustelle. Zwar könne das „Kostenrisiko aus der Bauzeitverschiebung aufgrund der Verzögerungen durch den Spezialtief- sowie jetzt den Holzbau noch nicht abschließend beziffert werden“. Fest steht aber, dass die Baustelle aktuell bereits 40 Prozent über der ursprünglichen Kostenberechnung liegt, wobei darin die „strittigen Positionen“ von rund 1 Million Euro noch gar nicht einberechnet seien. Inwiefern die zuletzt genannten Gesamtkosten von 22,2 Millionen Euro gehalten werden, konnte Haimerl nicht sagen.

Oberbürgermeister Florian Hartmann war – genau wie der Rest des Gremiums – nicht gerade glücklich über die Entwicklung. „Uns wurde das Tragwerk damals als so toll und so einfach dargestellt!“ Auch Peter Strauch (CSU) hatte das Gefühl, dass „damals etwas mit Gewalt schöngerechnet wurde. Der Fachplaner hat uns erzählt, dass das alles total einfach wird und es Fertigteile gibt.“ Wolfgang Reichelt (CSU) seufzte, dass „wir in Zukunft wohl nur noch quadratisch, praktisch, gut bauen“ können. Ansonsten sei man „als Bauherr relativ ausgeliefert“.

Rein rechtlich, stellte Haimerl klar, gebe es nur drei Möglichkeiten: Man kündigt dem Holzbauer, was aber durch eine erneute Ausschreibung zu einer „beträchtlichen Zeitverzögerung“ führen würde. Zweitens könnte man den Auftragnehmer in Verzug setzen, was das Mehrkostenrisiko für die Stadt minimieren würde. Dafür aber, so Haimerl, „haben wir dann umfangreiche Bauprozesse am Hals“. Und schließlich würden die Stadtwerke ohnehin Vertragsstrafen in ihren Ausschreibungen festsetzen, die jedoch deckten den Schaden im Regelfall nicht ab. „Den großen rechtlichen Hebel“ , den die Stadträte von ihm erwarteten, habe er daher noch nicht gefunden, musste Haimerl zugeben. Selbst ein Anwalt habe den Stadtwerken „nicht sagen können, was wir noch tun könnten, damit wir Druck aufbauen“. Er sei daher schlicht „ratlos“.

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