Umstrittenes Thema Wildtiere im Zirkus: hier der zehnjährige Tiger Tango aus dem Moskauer Circus mit Tiertrainer Raffael Koriknig.
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Umstrittenes Thema Wildtiere im Zirkus: hier der zehnjährige Tiger Tango aus dem Moskauer Circus mit Tiertrainer Raffael Koriknig.

Diskussion wegen Wildtieren

Zirkus geht wegen Pandemie fast pleite - Jetzt gastiert er in Dachau

  • Thomas Zimmerly
    VonThomas Zimmerly
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Der Moskauer Circus gastiert von kommenden Donnerstag bis Sonntag, 1. bis 4. Juli, in Dachau. Es ist das allererste Gastspiel nach Monaten des Lockdowns. Das Auftrittsverbot während der Pandemie hätte das Unternehmen beinahe die Existenz gekostet.

Dachau – Der Moskauer Circus ist einer der fünf größten Zirkusse Deutschlands. Wie so viele Betriebe wäre auch er wegen der Corona-Maßnahmen um ein Haar pleite gegangen. „Wir fangen in Dachau mit null Cent in der Tasche an“, sagt Pressesprecherin Tanja Frank. Der Stopp im vergangenen November traf den Zirkus hart. Zu dem Zeitpunkt waren Artisten und Clowns in den Vorbereitungen zu den lukrativen Weihnachtsvorstellungen, die dann wegen der rigiden Verbote ausfielen. Zwar konnte der Zirkus an seinem angestammten Standplatz in Augsburg bleiben und die Künstler hatten eine Halle zum Trainieren, aber die Einnahmen brachen komplett weg. Die Folge: „Wir mussten vier unserer sieben Zugmaschinen verkaufen, dazu Tiere und Zelte, um zu überleben“, so Tanja Frank. Mit dem letzten Geld in der Kasse finanzierte der Moskauer Circus nun den Auftritt in Dachau, wobei ihnen der private Eigentümer des Geländes in Dachau-Ost entgegenkam.

Bunte Truppe: Julia Hajdu möchte die Zuschauer mit ihrer Papageienshow – Aras, Kakadus und ein Amazonenpapagei – begeistern.

Umso mehr freuen sich die rund 70 Mitarbeiter nun ab 1. Juli den Dachauern ihr neues Programm präsentieren zu können. Die Künstler kommen aus aller Herren Länder und wurden „in der sehr strengen russischen Artistenschule ausgebildet“, so Sprecherin Frank. Die Zuschauer im großen Hauptzelt erwartet Luftakrobatik, eine atemberaubende Trampolinnummer mit sieben Akteuren, eine pfeilschnelle Antipoden-Akrobatik zweier Damen, die russischen Clowns „Red and Blue“, eine bunte Papageienshow und einiges mehr.

Zu den größten Attraktionen des Zirkus gehört eine Raubtierdressur mit fünf Tigern. Das ist insofern brisant, da der Bundesrat erst am vergangenen Freitag einen Gesetzesantrag, der das Halten von Wildtieren in Zirkussen verbieten wollte, ablehnte. Die Vorlage stammt von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU). Darin werden Giraffen, Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Primaten und Großbären aufgezählt, nicht aber Großkatzen, Reptilien oder Robben. Zudem sollte das Verbot nicht bei Wildtieren greifen, die bereits in Zirkussen gehalten werden. Alles in Allem war der Länderkammer Klöckners Papier nicht weit genug gefasst. Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten bezeichneten es als „zahnloser Tiger“.

„Wir waren am Zweifeln, ob wir die Tiger mitnehmen sollen“

Tanja Frank vom Moskauer Circus ist der Streit um Zirkustiere bewusst. „Wir waren am Zweifeln, ob wir die Tiger mitnehmen sollen“, sagt die Sprecherin, „aber wir haben ein großes Freigehege, was immer viele Schaulustige anzieht. Vor allem die Kinder freut es, wenn sie mal Tiger aus der Nähe sehen können“. Das Landratsamt Dachau wiederum versprach, ein Auge auf die Tiere zu werfen. „Wir werden uns vor Ort ein Bild über die Tiere machen, ob sich beim Zirkus alles im Rahmen der Gesetze abspielt. Wie der Transport abläuft, etwa wie sie sie versorgt und untergebracht werden oder wie viele Auftritte sie haben“, sagt Behörden-Sprecherin Sina Török.

Auftritte und Karten

Der Moskauer Circus spielt von kommendem Donnerstag bis Sonntag auf den Platz nähe Kaufland, Alter Römerstraße 35. Vorstellungen sind täglich um 17 und um 19.30 Uhr. Am Sonntag nur um 11 Uhr. Karten gibt es im Internet über eventim.de, die Telefonnummern 0 18 06/57 00 00 oder 01 63/8 11 44 40, täglich von 10 bis 12 Uhr beim Zirkus sowie an der Tageskasse.

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