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Erfüllte sich einen Traum: Barbara Zinstag, auf ihrem Pferd inmitten des Korkeichenwaldes, lebt auf ihrer Rancho Los Lobos in Spanien. Mit ihren Gästen unternimmt sie stundenlange Ausritte.

Die Rancho Los Lobos: „Das ist es!“

Zwei Dachauer haben ihr Glück in Andalusien gefunden

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Schon vor 15 Jahren hat sie in ihr Tagebuch geschrieben, dass sie mal ein Hotel im Süden mit Pferden führen möchte. Jetzt ist es soweit: Die Dachauerin Barbara Zinstag eröffnet die neu gestaltete „Rancho Los Lobos“: mitten in Andalusien.

Dachau/Jimena de la Frontera– „Ich wollte immer schon in die Wärme“, sagt Barbara Zinstag. Als durch Dachau Anfang März Schneeschauer fegten, ritt sie mit einer kleinen Gruppe von Reitern durch den spanischen Nationalpark Alcornocales. Die Reiter waren die ersten Gäste auf der Rancho Los Lobos – die Barbara Zinstag jetzt zusammen mit ihrem Partner Karl Strobl, Dachauer Gastronom, eröffnet hat. Umgeben von Korkeichen, von Weiden für Kühe, Ziegen und Schafe, befindet sich der Hof, im tiefsten Andalusien, auf dem das Paar aus Dachau ein neues Zuhause fand.

Vor zwei Jahren entdeckte die 52-Jährige die Rancho Los Lobos, in einem Internetforum. Die Ranch „Die Wölfe“, etwa 30 Kilometer von Gibraltar entfernt gelegen, war in den 70er-Jahren das erste Reiterhotel in Andalusien, „zu Glanzzeiten gab es hier bis zu 18 Pferde“, berichtet die Dachauerin. Nun suchten die Eigentümer, ein österreichisch-schweizerisches Paar, aus Altersgründen Nachfolger. Barbara Zinstag und Karl Strobl zögerten nicht lange. Denn auch für ihn stand fest; „Wenn er mal 50 ist, will er nach Spanien“, berichtet Barbara Zinstag.

Als die beiden zum ersten Mal durch das Tor in den Innenhof traten, spürten sie sofort „die tolle Energie hier“. Der Kern des Hofs, der mitten im Naturpark Los Alcornocales, einem Korkeichenwald, liegt, ist über 100 Jahre alt und besteht aus ganz dicken Felsen. Auch wenn Teile der Rancho etwas heruntergekommen waren, waren die beiden Dachauer sofort begeistert. „Wir haben uns gedacht: Wahnsinn, ist das schön, wir hatten sofort Ideen, was hier entstehen könnte.“

Zum einen war da dieses Gefühl: „Das ist es!“, zum anderen haderte die gelernte Physiotherapeutin, die bis vor drei Jahren in Dachau den Cotton Club, das Strickcafé in der Konrad-Adenauer-Straße, führte, mit sich. „Ich hatte Angst vor der eigenen Courage“, erzählt sie. Denn eigentlich sei der Zeitpunkt zu früh gewesen. Ihr jüngerer Sohn Dominikus war damals 19 Jahre alt – und „es war klar, dass er nicht mitkommt“. Dominikus ist verwurzelt in seiner Heimat, spielt beim ASV Dachau Fußball, hat hier seine Freunde, macht gerade seine Ausbildung. Trotzdem beschloss die Dachauerin, das Abenteuer, von dem sie immer schon geträumt hat, zu wagen. „Schon vor 15 Jahren habe ich in mein Tagebuch geschrieben, dass ich mal ein Hotel im Süden haben will“ – und da war es nun.

So übernahmen die beiden Dachauer die Rancho auf Leibrente. Das bedeutet: „Die Vorbesitzer, Esther und Wolf, leben nach wie vor hier“, erklärt die 52-Jährige. „Wir verstehen uns super und Esther und Wolf helfen uns sehr.“ Gut eineinhalb Jahre lang haben Barbara Zinstag und Karl Strobl die Rancho hergerichtet. Der Name der Rancho ist geblieben: Los Lobos, die Wölfe, geht auf den Namen des Vorbesitzers Wolf zurück.

Und sie schufen ein kleines Juwel: Etwa 20 000 Quadratmeter umfasst die Rancho Los Lobos. Für die Gäste gibt es acht liebevoll und individuell gestaltete Zimmer, die ebenerdig zum Innenhof gerichtet sind, das „Casita“, ein kleines Häuschen, in dem man wohnen kann, eine Suite mit zwei Zimmern, außerdem gibt es viele Ecken und Nischen, in die sich die Besucher zurückziehen können.

Pool, Tennisplatz, Beachvolleyballfeld gibt es auf der Rancho, außerdem einen Raum für Massagen, Maniküre, Wellness – und drum herum der Naturpark, „ein Paradies für Biker, Wanderer, Spaziergänger, Naturfreunde und vor allem Reiter“, schwärmt Barbara. „Die Nachtigall singt hier sogar wie von einer Zwitscheruhr abgespielt – das habe ich vorher noch nie gehört.“

Überhaupt ticken die Uhren in Andalusien ein wenig anders. Stichwort Entspannung, Entschleunigung. „Wenn wir Stau haben auf dem Weg ins Dorf, dann läuft eine Ziegenherde vor uns her“, berichtet Barbara. Der nächste Ort, das Dorf Jimena de la Frontera, liegt einen Kilometer entfernt, sehr beschaulich, hier gibt es Restaurants, eine Künstlerszene. Die nächstgrößere Stadt ist Algeciras, 30 Minuten sind es dorthin mit dem Auto. Zum Mittelmeer fährt man 25 Minuten. Von den Flughäfen Jerez oder Malaga gelangt man zur Rancho Los Lobos.

Vom Pferderücken aus lässt sich die wunderbare Natur Andalusiens aber am allerbesten erkunden: Ihre eigenen beiden Pferde leben inzwischen auch hier in dem Offenstall, außerdem noch drei weitere. Es gibt einen kleinen Reitplatz – und natürlich das herrliche Gelände zum Ausreiten. Barbara ist bereit für stundenlange Ausritte mit den Gästen – durch den Korkeichenwald, auf Anhöhen „mit herrlichem Blick“, weit und breit keine andere Menschenseele. Die äußerst entspannten spanischen Pferde schaukeln die Besucher, die bald genauso entspannt sein werden.

Für die Pferde und Ausritte mit den Gästen ist Barbara Zinstag zuständig, Karl Strobl kümmert sich um das leibliche Wohl der Gäste. „Ich bin Reiter, er ist Gastronom – wir sind ein super Team hier!“, lacht die Dachauerin. Karl Strobl betrieb in Dachau verschiedene Lokale, unter anderem die Güterhalle oder die Lokalbahn, Strobls Wiesenschänke auf dem Dachauer Volksfest, zuletzt führte er in Kempten das Carlos Cucina und Carlos’ Grill „Er ist jemand, der mit Leib und Seele gerne die Menschen verwöhnt“, so Barbara. Außerdem hat er ein Händchen für Dekorationen und Blumen, kümmert sich um den Garten.

Der Garten und der Hof: „Wir sind fast immer draußen“, berichtet Barbara Zinstag. Die kälteste Temperatur im Winter waren sechs Grad morgens, „aber wenn die Sonne rauskommt, kann es sein, dass man sich im Dezember an den Pool legen kann“. Schon seit einigen Wochen gibt es das Frühstück auf der Rancho Los Lobos auf der Terrasse – „und aus Dachau wurden mir Fotos vom Schneegestöber geschickt“, lacht Barbara. Sie fügt hinzu: „Es ist ein herrliches Leben hier!“ Trotzdem sieht sie sich nicht als Auswandererin – Dachau bleibt sie eng verbunden, allein schon wegen ihrer Söhne; der ältere heißt Tim (28). Außerdem ist sie ja nur zweieinhalb Flugstunden von ihrer Heimat entfernt: „Du setzt dich in den Flieger und bist da!“

Rancho los Lobos

Wer ein paar Tage entspannen möchte auf der Rancho los Lobos, kann sich umfassend informieren Im Internet auf der Seite www.rancholoslobos.com.

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