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Zwei Männer müssen sich vor dem Amtsgericht wegen eines illegalen Autorennens verantworten. Die Beweise gegen sie, sind dünn.

Zwei Männer müssen sich vor dem Amtsgericht wegen eines illegalen Autorennens verantworten

„Was wollen Sie jetzt von mir hören, Mann?“

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Zwei Männer müssen sich vor dem Amtsgericht wegen eines illegalen Autorennens verantworten. Ein Urteil erging noch nicht.

Dachau – Richter Christian Calame ist gestern Nachmittag am Amtsgericht in doppelter Hinsicht an seine Grenzen gelangt – an die seiner nervlichen Belastbarkeit und an die seiner rechtsstaatlichen Befugnisse.

Calame verhandelte nämlich den Fall zweier junger Männer, denen die Staatsanwaltschaft vorwirft, am 15. Juli im Industriegebiet in der Siemensstraße ein illegales Autorennen veranstaltet zu haben. Weil die beiden Angeklagten jedoch eisern schwiegen und ihre als Zeugen vorgeladenen Freunde in den Augen Calames logen, dass sich die Balken bogen, konnte (noch) kein Urteil fallen. Die Verhandlung musste ausgesetzt werden, um im neuen Jahr weitere Zeugen sowie einen Gutachter zu hören.

Das mutmaßliche Rennen spielte sich am 15. Juli dieses Jahres ab. Es war ein warmer Montag, darin waren sich noch alle Anwesenden im Gerichtssaal einig. Auch dass sich die Gruppe Jugendlicher irgendwann zwischen 21 und 23 Uhr, wie beinahe täglich, an der Aral-Tankstelle in Dachau-Ost traf und von dort mit zwei Autos davonfuhr, war unbestritten. Doch dann setzte in den Köpfen der Zeugen kollektive Amnesie ein. Dass Richter Calame drohte, „grantig“ zu werden und die Zeugen wegen Falschaussage zu belangen, machte keinen Eindruck. „Was wollen Sie jetzt von mir hören, Mann? Ich schwör, ich sag die Wahrheit“ war der wohl am häufigsten gehörte Satz im Saal.

Die Staatsanwaltschaft dagegen hatte ein wesentlich klareres Bild der Geschehnisse von jenem Abend. Demnach seien die zwei Angeklagten – ein 21-jähriger Schüler und sein 22-jähriger, arbeitssuchender Kumpel – mit ihren gemieteten Einser-BMW mit hoher Geschwindigkeit in und um einen Kreisverkehr an der Siemensstraße gefahren. Ihr Ziel, so die Staatsanwältin: „das Beschleunigungspotenzial ihres Pkw mit dem des Anderen zu messen“. Nach Paragraf 315d des Strafgesetzbuchs ist dies als „verbotenes Kraftfahrzeugrennen“ strafbar.

Dass die beiden Fahrzeuge tatsächlich schnell unterwegs waren, belegt ein Video, das ein vom Motorenlärm genervter Anwohner der Alten Römerstraße gedreht und der Polizei zur Verfügung gestellt hatte. Gut zu erkennen: die Drifts der baugleichen BMW. Nicht zu überhören: das Heulen der Motoren. Zirka eine Stunde lang sei dieses Rennen, dieses immer und immer wieder im Kreis fahren gegangen, berichtete bei der Polizei der Anwohner, der jedoch – und das war das Problem gestern vor Gericht – in der Zwischenzeit einen Schlaganfall erlitten hatte und deshalb im Prozess nicht aussagen konnte.

Und es gab noch ein Problem, das den Verteidigern der jungen Männer Hoffnung gibt für die Fortdauer des Verfahrens. Die Polizei hatte zwar die Fahrzeuge sofort nach ihrem Eintreffen sichergestellt; Fotos der Brems- und Reifenspuren im Kreisverkehr wurden aber erst am nächsten Morgen, bei Tageslicht, gefertigt. Auch ein Abgleich mit den Reifen der gemieteten BMW fand nicht statt.

„Was, wenn Ihre Ermittlungen verkehrt sind? Was, wenn unsere Mandanten die auf dem Video sichtbaren Autos gar nicht gefahren haben?“, fragte daher einer der Anwälte die Staatsanwältin. Überhaupt: Weil er sich verfahren habe, sei er auch schon mehrfach um einen Kreisverkehr herumgefahren; von einem „Rennen“ sei da jedenfalls keine Rede gewesen, so der Jurist spöttisch.

Calame aber blieb unbeeindruckt und weigerte sich, das Verfahren aus Mangel an Beweisen einzustellen. Auch auf ihren Führerschein werden die beiden jungen Männer, die bereits als Kurier- beziehungsweise Paketfahrer gearbeitet hatten, trotz des Protests ihrer Anwälte weiterhin verzichten müssen. Der Prozess dauert an.

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