Fall vor Dachauer Amtsgericht

Karlsfelder (73) missbraucht seine Stiefenkelin

Ein Karlsfelder (73) hat seine Stiefenkelin sexuell missbraucht. In dem Prozess vor dem Amtsgericht gestand der Mann, das Mädchen mehrmals unsittlich berührt zu haben, einmal verletzte er es.

Dachau – Bei der Verlesung der Anklageschrift läuft es einem kalt den Rücken herunter. Der 73-jährige Michael H. (Name von der Redaktion geändert) soll seine Stiefenkelin 2015 und 2016 in sieben Fällen sexuell missbraucht haben. Die Enkelin seiner zweiten Ehefrau war damals sieben und acht Jahre alt.

Viermal soll Michael H. während des Fernsehens für mehrere Minuten den Intimbereich des Mädchens über der Unterhose gestreichelt haben. Einmal auch im Bett, in dem sie gemeinsam schliefen, einmal in seinem Büro. Ein weiteres Mal soll er das Mädchen in der Badewanne unsittlich berührt haben und dabei das Mädchen mit einem eingerissenen Fingernagel im Intimbereich verletzt haben.   

„Ich möchte Sie stark darauf hinweisen, dass, wenn sich diese Vorwürfe bewahrheiten, Sie auf jeden Fall im Gefängnis landen. Und in Ihrem Fall könnte das für Sie lebenslänglich bedeuten“, betonte Staatsanwalt Alexander Korres. Drei der Vorfälle hatte der Angeklagte bereits im Vorfeld zugegeben. Die Vorfälle in der Badewanne, im Büro, im Bett und einen der Vorfälle beim Fernsehen stritt er allerdings ab. „Wenn Sie sich jetzt kooperativ zeigen und die restlichen Fälle ebenfalls einräumen, könnte es sein, dass die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird“, erklärte Richter Daniel Dorner dem Angeklagten. Das Gericht wollte dem Opfer und den Angehörigen eine Aussage ersparen. Doch der Angeklagte blieb bei seiner Version – zunächst.

„Ich habe das zu keinem Zeitpunkt gemacht, um mich sexuell zu erregen oder so etwas“, gab er an. „Aber aus welchem Grund dann?“, fragte der Richter. Darauf hatte H. keine Antwort. Und der Psychotherapeut konnte keine pädophilen Neigungen nachweisen.

Seine Stiefenkelin nächtigte meistens mit dem Opa zusammen im Ehebett, während die Oma im Wohnzimmer schlief, da sie nachts des Öfteren aufstehen müsse und das Mädchen nicht wecken wollte, gab H. an. Doch dabei sei es nie zu irgendwelchen Vorfällen gekommen.

Den Badewannen-Vorfall erklärte der Angeklagte so: Das Mädchen spielte mit einer Gummiente, sie glitt ihm aus den Fingern, er griff er schnell nach der Ente und kratzte seine Stiefenkelin dabei mit seinem eingerissenen Fingernagel – ein Versehen.  

Der Mann hatte bereits seine Töchter auf diese Art missbraucht

Sowohl Richter als auch Staatsanwalt fiel es aber schwer, zu glauben, dass bei H. keine pädophilen Neigungen vorliegen. Denn durch die neuesten Vorfälle in der Familie kamen auch alte ans Licht: Seine Töchter hatte er im gleichen Alter auf ähnliche Art und Weise sexuell missbraucht. Diese Taten sind mittlerweile verjährt.

Nach einer Unterbrechung der Verhandlung, in der der Verteidiger mit seinem Mandanten ein längeres Gespräch führte, gab Michael H. alles zu. „Ich will, dass das alles nun einfach ein Ende hat. Ich habe dadurch unsere ganze Familie zerstört, alle haben sich von mir abgewandt“, sagte er. „Als das raus kam, wollte ich mich umbringen. Das letzte Jahr war schrecklich.“

Nachdem er mehrmals darauf hingewiesen wurde, dass er nur etwas zugeben kann, was er auch getan hat, räumte er ein, dass es auch sein könnte, dass er das Mädchen bei dem Griff in die Badewanne und im Bett berührt habe.

Während der Verhandlung beteuerte der Angeklagte immer wieder, dass es ihm sehr leid tue und er wisse, dass sein Verhalten falsch war: „Diese Berührungen hätte es niemals geben dürfen.“

Die Vorfälle kamen ans Licht, weil sich das Mädchen seiner Mutter anvertraut hatte. Der Angeklagte entschuldigte sich daraufhin in Briefen bei der Mutter des Opfers und seinen leiblichen Töchtern, doch die wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Es besteht ein Kontaktverbot zwischen dem Angeklagten, seiner Ehefrau und der restlichen Familie, das auch weiterhin Bestand hat.

Richter Dorner sprach Michael H. des sexuellen Missbrauchs von Kindern in fünf Fällen, in einem Fall in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung schuldig. Er verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von zwei Jahren, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte 4800 Euro in monatlichen Raten an den Frauennotruf München zahlen und sich bei der Psychotherapeutischen Fachambulanz für Sexualstraftäter vorstellen und gegebenenfalls behandeln lassen.

„Mit ihrem Geständnis haben Sie dem Opfer die Aussage erspart. Andernfalls hätte die Strafe niemals zur Bewährung ausgesetzt werden können“, erklärte Dorner seine Entscheidung. „Der Angeklagte muss sich der vernichtenden Lebensbilanz stellen, seine Töchter und seine Stiefenkelin sexuell missbraucht zu haben“, schloss der Staatsanwalt sein Plädoyer.

Stefanie Ritter

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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