Parkplätze am Schulzentrum Dachau-Ost

Wenn Ideologie mit der Realität kollidiert

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Wohin mit den Parkplätzen bei der Erweiterung des Schulzentrums Dachau-Ost? Mit dieser Frage befasste sich der Bauausschuss des Stadtrats. In der Diskussion wurde es teils ideologisch.

Dachau – Dass das Schulzentrum Dachau-Ost erweitert und dazu eine Dreifachturnhalle gebaut werden soll, ist seit Langem beschlossene Sache. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses ging es nun um die Frage, wohin die durch die Erweiterung nötig werdenden Parkplätze gebaut werden sollen. Vorschlag der Verwaltung: unter die Turnhalle. Letztere würde, wie es im Baujargon heißt, darüber aufgeständert.

Doch damit war vor allem Thomas Kreß (Grüne) nicht einverstanden. „Brauchen wir überhaupt ein großes Parkdeck?“, fragte er. Mit der Bushaltestelle Sudetenlandstraße seien Schule und Halle ja gut erreichbar. Weniger Parkplätze hieße „weniger Lärm durch an- und abfahrende Autos“. Wenn die Nutzer der Halle den öffentlichen Nahverkehr nutzen würden, brächte dies eine wesentliche Verkehrsentlastung für Dachau-Ost, fand Kreß.

Oberbürgermeister Florian Hartmann gab dem Grünen zwar in der Theorie recht, dass „natürlich die Verkehrsanbindung dort gut ist. In der Realität sieht es aber so aus, dass die Parkplätze in dem Bereich mehr als belegt sind.“ Viele Lehrer kämen eben nicht aus Dachau, und die Busverbindungen aus dem Hinterland seien „nicht optimal“. Zu sagen, wer nicht Bus fahre, dürfe nicht kommen, „funktioniert eben in der Realität nicht“.

Hinzu komme, so Bauamtsleiter Moritz Reinhold, dass es bislang an der Schule „wesentlich zu wenig“ Parkplätze gegeben habe. Während Kai Kühnel (Bündnis) vorrechnete, dass es laut Stellplatzsatzung nicht mehr als „vier bis acht Parkplätze sein dürften“, die für die neue Turnhalle nötig würden, sprach Maximilian Ernst vom städtischen Hochbauamt von 26 Stellplätzen, die sowohl für die neue Turnhalle, als auch die erweiterte Schule gebraucht würden.

Warum sich das Bauamt dafür entschied, Parkplätze und Turnhalle platzsparend zu stapeln, anstelle einfach eine Tiefgarage zu bauen, erklärte Ernst zum einen mit höheren Kosten und höherem Flächenverbrauch, den eine Tiefgarage samt Abfahrtsrampe benötigen würde. Die Fläche unter der Halle könnte zudem ja nicht nur für Autos genutzt werden, sondern – als Freifläche – auch für die Schüler.

Thomas Kreß wollte sich aber immer noch nicht geschlagen geben: Ob man denn dann die Parkplätze nicht wenigstens kostenpflichtig betreiben könnte? Doch auch hier musste der OB seinen Kollegen zurück in die Realität holen: „Ich bin gespannt“, so Hartmann zu Kreß, „was Ihnen die Lehrer sagen werden, wenn Sie ihnen sagen, dass sie für ihre Parkplätze zahlen sollen.“

August Haas (CSU) beendete die Diskussion schließlich mit einem pragmatischen Schlusswort: Er sehe die Aufständerung der Halle als Platzgewinn, da brauche man sich „nicht ideologisch auf Autonutzung einschießen“. Überhaupt fand er: „Es darf ruhig auch mal ein Parkplatz gebaut werden, der frei bleibt.“

Am Ende genehmigte der Bauausschuss die Pläne der Verwaltung gegen die Stimme von Thomas Kreß. Laut Maximilian Ernst soll die Erweiterung des Schulzentrums Ende 2022, Anfang 2023 abgeschlossen sein.

Parallel zur Planung der neuen Dreifachturnhalle läuft laut Bauverwaltung auch die Sanierung der derzeit wegen einer PCB-Belastung der Luft gesperrten Turnhalle der Grund- und Mittelschule Ost. Die schadstoffhaltigen Fugenbänder zwischen den Bauteilen sind laut Amtsleiter Markus Haberl mittlerweile entfernt, nun folge die Grundreinigung der Schule. Anschließend müsse die Halle noch einmal auf PCB-Belastung gemessen werden. Wenn die Rückmeldung komme, dass der geltende Richtwert unterschritten werde, dann, so Haberl, „wird die Halle wieder frei“.

Dass diese Sanierungsaktion trotz des Hallenneubaus „keine versenkten Kosten“ seien, hob am Ende OB Hartmann hervor. Denn: „Die belasteten Bauteile hätten wir ohnehin entsorgen müssen.“

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