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Die Dachauer Mitglieder erwarteten von der CSU Lösungen und keine Allgemeinplätze. 

Mitgliederversammlung der Dachauer CSU

Zwischen rechter Flanke und moderater Mitte

Ungeschminkt ging es in der Analyse der Bundestagswahl bei der CSU-Ortshauptversammlung im Dachauer Zieglerbräu zur Sache.

Dachau – Es habe wohl vor allem an der Glaubwürdigkeit der Unions-Protagonisten gefehlt, meinte Ortsvorsitzender Tobias Stephan. Aber die Menschen erwarteten Lösungen – etwa bei Wohnraum, Verkehr, Rente oder Digitalisierung. Häufig kritisiert wurde in der Diskussion, warum sich die beiden Unionsschwesterparteien nicht schon vor zwei Jahren im Obergrenzen-Streit für Asylsuchende geeinigt hätten. Die Schuld wies Professor Hermann Mayer Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu, die vor zwei Jahren „einen Rechtsbruch“ begangen habe. Er habe sich daher bei der Bundestagswahl „sehr überwinden müssen, wieder CSU zu wählen“, schimpfte er.

Helmut Parzevall mahnte, die Union als Familienpartei solle nicht zu streng in der Frage des Flüchtlingsnachzugs sein. Hier hakte Landrat Stefan Löwl ein: „Zu einer gelungenen Integration gehört die Familie, aber dann müssen wir die Grünen auch in die Pflicht nehmen! Denn dann brauchen wir auch den entsprechenden Wohnraum. Alle reinlassen und irgendwo abladen ist ein No-Go!“ Malte Steinacker schließlich warnte in diesem Zusammenhang: „Bisher kam Syrien, aber jetzt kommt Afrika!“

Florian Schiller, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Stadtrat, mahnte dagegen zur Vorsicht: „Wir haben auch fünf Prozent Wähler an FDP und Grüne verloren. Die gewinnen wir nicht mit einem Rechtsruck zurück, ganz abgesehen davon, dass das dann auch nicht mehr meine CSU wäre.“ CSU-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath sprach von einem Spagat, die „rechte Flanke“ einerseits zu schließen und andererseits in der Mitte keine Wähler zu verprellen: „Im Landkreis geht es uns so gut, wie noch nie.“ Aber Dankbarkeit sei bei der Wahl leider nicht entscheidend.

Die Pläne des Amper-Vital-Centers, zukünftig nur noch Rezepte von Privatpatienten zu akzeptieren, schnitt Josef Glas an. Glas zufolge behebe der Landkreis Donau-Ries den dortigen Pflegenotstand auf Landkreiskosten. „Wieso geht das nicht auch bei uns“, wollte er wissen. Landrat Löwl verwies in diesem Zusammenhang auf den Pflegekräftemangel: „Die haben 20 Stellen ausgeschrieben. Das können wir auch. Bei uns sind acht Stellen offen. Wir würden auch 15 nehmen. Aber die sind nicht zu bekommen. Wir zahlen schon übertariflich.“ Amper-Vital müsse deshalb jetzt schon Kräfte ins Kerngeschäft der Klinik verschieben. Aber dass deshalb jetzt nur noch Privatpatienten akzeptiert werden sollten, gehe natürlich auf keinen Fall.

Dachaus dritte Bürgermeisterin Gertrud Schmid-Podolsky betonte, dass die Menschen Angst hätten, sozial abzusteigen, ihre Wohnung nicht mehr bezahlen zu können und dass die Lebenshaltungskosten immer weiter steigen. „Die Altersarmut steht uns erst noch bevor“, mahnte sie. Hier müsse die CSU Lösungen anbieten!

„Da helfen uns keine Allgemeinplätze“, ärgerte sich Professor Mayer. „Wir sind die Wahlverlierer!“ Ortsvorsitzender Stephan gab daher die Losung für den anstehenden Landtagswahlkampf aus: Glaubwürdigkeit und kraftvoll die Zukunftsthemen an die Bürger bringen! rds

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