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Ein Tempolimit von 80 km/h auf Landstraßen soll es im Landkreis Dachau nicht geben.

Neue Geschwindigkeitsbeschränkung?

Dachauer Experten lehnen Tempo 80 ab

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Dachau - Tempo 80 auf Landstraßen: Darüber diskutierten gerade Verkehrsexperten. Ob diese Geschwindigkeitsbeschränkung aber wirklich nötig ist, wird im Landkreis Dachau bezweifelt.

Deutschlands Landstraßen sollen sicherer werden. Darüber herrscht Einigkeit bei Verkehrsexperten. Beim Deutschen Verkehrsgerichtstag, der seit Mittwoch bis zum gestrigen Freitag in Goslar tagte, berieten Experten, wie das erreicht werden kann. Ein Vorschlag: Auf Landstraßen soll ein Tempolimit von 80 km/h eingeführt werden.

Ob die Idee zum Ziel führt, bezweifeln im Landkreis Dachau die Experten. „Ich persönlich halte nicht viel davon“, sagt Karl Eglmann, Vorsitzender von der Kreisverkehrswacht Dachau. „An den gefährlichen Stellen ist die Geschwindigkeit sowieso schon reduziert“, führt er aus. Seiner Meinung nach sind eher die Autofahrer selbst und nicht fehlende Regeln für Unfälle auf Landstraßen verantwortlich: „Das Grundproblem ist die nicht angepasste Geschwindigkeit.“

Ähnlich sieht es auch Richard Wacht von der Polizei Dachau: „Am Wichtigsten wäre es, dass die Autofahrer lageangepasst und situationsbedingt fahren. Dann brauche ich im Prinzip fast keine Geschwindigkeitsbegrenzungen.“ Wacht bezweifelt, dass ein Tempolimit von 80 km/h von allen Autofahrern umgesetzt werden würde. „Wir wären schon froh, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an Tempo 100 halten würden. Das wird bei Messungen oft weit überschritten“, sagt er.

Vor allem Samstag- und Sonntagnacht fahren einige Autofahrer viel zu schnell. Erst vergangene Woche hat die Polizei einen Raser aus dem Verkehr gezogen, der auf der Bajuwarenstraße zwischen Dachau und Karlsfeld mit 185 km/h unterwegs war. Das ist kein Einzelfall. Zwischen Niederroth und Indersdorf erwischte die Polizei einen Autofahrer mit 160 km/h. An der so genannten Indersdorfer Gabel, wo die Straße von Schwabhausen nach Lohfeld auf die von Indersdorf kommende Staatsstraße 2050 stößt, maß sie sogar eine Geschwindigkeit von 180 km/h.

Trotzdem: „Die meisten Unfälle passieren im Stadtgebiet“, sagt Karl Eglmann. Nicht immer ist erhöhte Geschwindigkeit Schuld daran. Im Jahr 2014 gab es im Landkreis Dachau rund 4600 Unfälle. 88 gehen darauf zurück, dass die Autofahrer zu schnell unterwegs waren. 2013 gab es 114 Geschwindigkeitsunfälle. Die meisten geschahen auf Landstraßen, weil die Autofahrer zum Beispiel zu schnell in die Kurve fuhren oder sich nicht an schwierige Verhältnisse, wie schlechtes Wetter, anpassten. „Es gibt Stellen, wo auch 80 km/h zu schnell sind“, macht Wacht deutlich.

Denn wenn es auf einer Landstraße kracht, sind die Folgen häufig schwerwiegend: „Auf Landstraßen gibt es viele schwerere Unfälle mit überproportional vielen Verletzten und Toten“, erklärt Wacht. Vergangenes Jahr gab es im Landkreis Dachau zwei tödliche Verkehrsunfälle auf einer Landstraße. Im Juni überholte ein Motorradfahrer auf der Straße zwischen Wiedenzhausen und Odelzhausen. In einer leichten Rechtskurve kam er nach links von der Fahrbahn ab und prallte gegen die Leitplanke. Im August geriet ein Motorradfahrer auf der Staatsstraße 2054 in der Gemeinde Schwabhausen in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn und stieß mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Auch hier kam der Motorradfahrer ums Leben.

Um solche Tragödien zu verhindern wurden im Landkreis Dachau bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt. Bei neuen Straßen versucht man etwa, die Bäume weiter weg von der Fahrbahn zu pflanzen. Außerdem gibt es die Aktion „Sichere Landstraße“, bei der gefährliche Landstraßen mit zusätzlichen Leitplanken ausgestattet werden. Auch ein Unterfahrschutz (er verhindert, dass Motorräder und kleine Autos unter Lkws rutschen) für die Sicherheit der Motorradfahrer wird errichtet. „Man schaut wo eine Unfallhäufung ist. Dann wird dem Stück für Stück nachgegangen“, erklärt Richard Wacht. Auch Karl Eglmann sieht den Landkreis, zumindest was den Schutz der Landstraßen mit Leitplanken angeht, auf einen guten Weg: „Das ist ok. Manchmal ist es ja auch gut, wenn man in einem Acker oder eine Wiese ausweichen kann.“

cla

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