Familienausschuss diskutiert über die Sicherheit an Schulen

„Es gibt keineBedrohung“

Nach dem sexuellen Übergriff auf eine Neunjährige in einer Augsburger Schultoilette war im vergangenen Herbst auch in Dachau die Sorge umgegangen: Könnte ein ähnlicher Vorfall auch in der Großen Kreisstadt passieren?

Dachau – Die Folge war ein Antrag der CSU-Fraktion, demzufolge der Stadtrat dringend die Sicherheitskonzepte für die örtlichen Grund- und Mittelschulen überprüfen sollte.

Der Familien- und Sozialausschuss nahm sich in seiner jüngsten Sitzung nun des Themas an. Ergebnis: keins. Die Entscheidung, ob und, wenn ja, wie die Grund- und Mittelschulen in Dachau sicherer gemacht werden sollten, wurde erst einmal aufgeschoben.

Denn: Zwar bestand fraktionsübergreifende Einigkeit darin, dass die Sicherheit der Kinder unbedingt gewährleistet werden müsse. Wie diese Sicherheit aber herzustellen sei, wollte der Ausschuss dann ohne die Stellungnahmen der Schulen selbst nicht treffen.

Zuvor hatte die Verwaltung vorgeschlagen, die Schulgelände einzuzäunen. Im Vergleich zu einer möglichen Überwachung durch Sicherheitspersonal oder der flächendeckenden Einführung eines elektronischen Außenschließsystems seien Zäune die am schnellsten umzusetzende Maßnahme. Durch eine Umzäunung, so führte die Verwaltung aus, könnten schulfremde Personen die Grenzen des Geländes erkennen und die Schulleitung entsprechend ihr Hausrecht ausüben. Oberbürgermeister Florian Hartmann fand zudem, dass Zäune „wahrscheinlich noch am ehesten ein gewisses Sicherheitsgefühl vermitteln“. Ganz ausschließen, das gab Hartmann auch zu bedenken, könne man Verbrechen wie in Augsburg allerdings nie; zudem sei die Beschlusslage des Stadtrats aus dem Jahr 2014 ganz klar: Schulen sollten generell nicht eingezäunt werden.

Michael Eisenmann (Bündnis) hielt an dieser Ablehnung fest. Durch eine Umzäunung würden die Kinder in einen „Käfig“ gesperrt, fand er. Zudem würden gerade die Bürger in Dachau-Ost von einem „riesigen Grüngebiet als Erholungsfläche ausgeschlossen“.

Jürgen Seidl (FDP) betonte, dass 100-prozentige Sicherheit nie gewährleistet sei: „Wir müssen Befürchtungen zwar ernst nehmen, sollte aber auch keine Ängste schüren.“ Seidl sprach sich daher für „verhaltenspräventive Maßnahmen“ aus, was bedeute: „Wir müssen es fördern, dass die Schüler besser aufeinander achten und entsprechende Wahrnehmungen melden.“

Auch Anke Drexler (SPD) fand: „Wir dürfen Eltern und Kindern keine Angst machen. Wir leben nicht in einer Bedrohungssituation, es gibt keine Bedrohung!“ Drexlers Fraktionskollegin Christa Keimerl regte an, neben Stellungnahmen der Schulleitungen auch die Meinung von Elternbeiräten und Schülermitverwaltungen einzuholen.

Dies jedoch sah OB Hartmann kritisch. Er wisse nicht, „ob wir uns einen Gefallen tun, wenn wir das ganze Sicherheitskonzept in den Schulforen diskutieren.“ Das Sicherheitskonzept sei seiner Meinung nach in erster Linie Sache der Stadt, der Polizei und der Schulleitungen.

Dieser Meinung folgte am Ende der Diskussionen schließlich auch das Gremium. Die Dachauer Stadträte wollen nun erst einmal die Stellungnahmen der verschiedenen Rektoren abwarten und etwaige Änderungen oder Optimierungen an den elektronischen Schließsystemen in nicht-öffentlicher Sitzung besprechen. Das ganze Thema, so fasste es OB Florian Hartmann am Ende zusammen, „wird damit ganz klassisch vertagt“.

Stefanie Zipfer

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