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Miguel soll bleiben: Miguel Alcántaras (links) Stammkunden machen sich für den Erhalt des El Camino stark.     

Feinkostladen El Camino muss raus

Miguel Alcántaras geplatzter Traum

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Dachau - Im Juli hätte im Feinkostladen El Camino ein großes Fest steigen sollen. Seit zehn Jahren gibt es dort den einzigen Spanier in Dachau. Doch aus der Feier wird nichts. Die Vermieter haben dem Betreiber jetzt kurzfristig gekündigt – ohne jede Vorwarnung.

Endlich läuft es so, wie es sich Miguel Alcántara immer gewünscht hat. Seit zehn Jahren versucht er, seinen spanischen Feinkostladen mit kleiner Tapasbar zu etablieren – seit drei Jahren hat er endlich Erfolg. Abends ist seine kleine Bar eigentlich immer voll – genauso wie sein großes Reservierungsbuch. Stammkunden im El Camino wissen bereits, dass sie lieber vorher einen Tisch bestellen sollen. „Aus meinem Hobby ist ein Traum geworden“, sagt der gebürtige Spanier.

Miguel Alcantara stammt ursprünglich aus León, seit 1969 lebt er in Deutschland. Im Juli wollte er das zehnjährige Bestehen seines Ladens – dem einzigen Spanier in Dachau – mit einen netten Fest feiern. Doch daraus wird hier in der Mittermayerstraße nichts. Seine beiden Vermieter haben ihm nach zehn Jahren kurzfristig zum 30. April gekündigt. Der Grund: Der benachbarte Kreisjugendring (KJR) möchte sich vergrößern.

Miguel Alcántara ist schwer enttäuscht. Er blickt auf das kurze Schreiben seiner Vermieter. Vor sieben Jahren haben sie das Gebäude gekauft. Seitdem war das Verhältnis immer gut. Jetzt die kurzfristige Kündigung. Vier Sätze nach zehn Jahren. Der letzte lautet: „Wir hoffen auf Ihr Verständnis.“ Doch Alcántara hat keines. „Es ist alles fristgerecht gelaufen – rechtlich kann man da absolut nichts sagen“, betont er. Aber „moralisch finde ich: das ist unterstes Niveau“. Alcántara versteht nicht, wieso seine Vermieter nicht eher mit ihm gesprochen haben. „Nach so einer langen Zeit gebührt das doch der Anstand“, sagt er. Mit einem frühzeitigen Gespräch wäre es für ihn „eine völlig andere Situation. Vielleicht hätte ich die beiden sogar verstanden“.

Der 66-Jährige hätte sich so viel erspart. An Arbeit und an Stress. Erst vor Kurzem hat er im Laden Kameras einbauen lassen, da Einbrecher wiederholt versuchten, ins Geschäft zu kommen. „Wir waren gerade dabei, zu renovieren“, sagt er traurig. Neue Lampen, weißeln – umsonst. „Wir hatten nie Probleme mit unseren Vermietern. Immer ein normales gutes Verhältnis – deshalb verstehe ich die Art einfach nicht.“ Enttäuscht ist Miguel Alcántara auch vom Kreisjugendring: „Ich kann doch nicht vergrößern, wenn ich weiß, bei jemand anderem geht so die Existenz kaputt“. Auch hier hätte er sich einfach gewünscht, dass seine Nachbarn früher mit ihm gesprochen hätten.

Die beiden Privatvermieter, die nicht namentlich genannt werden möchten, sind nach eigenen Angaben seit zwei bis drei Monaten mit dem KJR wegen der Vergrößerung in Gesprächen. „Wir konnten leider nicht eher mit Herrn Alcántara sprechen – die Verhandlungen sind ja im Dezember noch gelaufen“, sagt einer der Vermieter. Den beiden sei wichtig gewesen, einen sicheren Mieter zu haben. Einen Fünf-Jahres-Vertrag habe Alcántara vor vier Jahren abgelehnt. „Wir sind kein professionelles Immobilienbüro, wir sind auch nur einfache Leute und wollen jetzt nicht als die Bösen dastehen“, sagt der Vermieter.

Den Fünf-Jahres-Vertrag hat der Feinkosthändler abgelehnt, weil das Geschäft noch nicht gut genug lief, um sich so lange festzulegen. Heute hat sich das geändert. Jetzt hat Alcántara einen großen Kundenkreis. Das Geschäft läuft toll. Die Stammkunden sind entsetzt über die Kündigung, vor allem die Art und Weise verärgert sie. „Hier steht eine Existenz auf dem Spiel. Es ist eine Unverschämtheit, dass vorher nicht miteinander gesprochen wurde“, so Petra Heil in einem Schreiben an die Dachauer Nachrichten. Die Kunden wollen, dass Miguel Alcántara für sein El Camino bald eine neue Heimat findet. Sie schätzen dort die familiäre Atmosphäre und das südländische Lebensgefühl in der Bar. Fast täglich kommt jemand mit einem neuen Tipp vorbei. „Viele Leute geben Zettel mit Telefonnummern ab, damit ich bald etwas Neues finde.“

Alcántara hat sich schon mehrere Objekte angeschaut, etwas Passendes war nicht dabei. „Es ist nicht so leicht. Wir brauchen mindestens 80 Quadratmeter, eine Küche, in der man richtig kochen kann, und zwei Toiletten.“ Auch die Räume im jetzigen Café Weißenbeck hat er sich schon angeschaut – denn das Café hatte gestern den letzten Tag geöffnet (wir haben berichtet). „Die Räume wären sehr schön, aber die Vermieter möchten dort leider keinen Abendbetrieb.“ Miguel Alcántara möchte sich ein neues kleines Paradies – im Idealfall mit kleiner Terrasse – schaffen, denn der Laden liegt ihm sehr am Herzen. Er betont: „Ich will mich noch lange nicht zur Ruhe setzen. Den ganzen Tag zu Hause sitzen ist nichts für mich.“

Christiane Breitenberger

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