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Gut gesichert: Ob dieser junge Feuerwehrler in den Tiefschlaf fand, ist nicht überliefert. Bis jetzt wurde der Maibaum jedenfalls noch nicht gestohlen.

Seit 14 Jahren wurde keiner mehr aufgestellt

Dachauer Feuerwehr gibt alles für den begehrten Maibaum

Zum ersten Mal nach 14 Jahren wird in Dachau wieder ein Maibaum aufgestellt. Umso begehrter ist das gute Stück natürlich.  Doch der Baum wird rund um die Uhr bewacht. 

Dachau– In weniger als zwei Wochen ist es so weit: Dachau bekommt endlich wieder einen Maibaum. Geschlagen, entastet, entrindet und weiß gestrichen ist er schon und wartet, selbstverständlich bestens gesichert, im Feuerwehrhaus Dachau auf seinen großen Auftritt. Den die Dachauer Feuerwehr hatte sich bereit erklärt, das Aufstellen des Baumes in diesem Jahr zu übernehmen.

Am Freitag kommt noch die blaue Farbe im traditionellen Muster dazu. „Man muss ganz ehrlich sagen, wir haben den Arbeitsaufwand tatsächlich unterschätzt. Wenn man sich selber drum kümmert, kann man absolut verstehen, dass ein eigener Maibaum für die Stadt zu teuer ist“, findet der Vorstandsvorsitzende der Feuerwehr Dachau Stefan Fichtl.

Seit 2003 gibt es am Unteren Markt in Dachau keinen Maibaum mehr. Damals war der Orkan Gerda durch Dachau gefegt und beschädigte den Maibaum, und das schon das zweite Mal. 1999 blies der Orkan Lothar den Baum einfach um. Da sich niemand fand, der den enormen Aufwand der Restaurierung und Bereitstellung des Maibaums übernehmen konnte, mussten die Dachauer nun 14 Jahre lang auf einen Maibaum verzichten.

Dabei geht die Maibaum-Tradition in Dachau weit zurück. Die erste Erwähnung eines Maibaums in Dachau ist in den Archiven der Stadt im Jahr 1921 zu finden. Damals stand der Baum bei der Wirtschaft Fischer am Bahnhof. Im Jahr 1935 wechselte er seinen Standort zur Ludwig-Thoma-Wiese. Seit 1991 stand er am Unteren Markt, bis zum Sturm 2003.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte sich der Kulturausschuss dem Thema Maibaum angenommen. Doch das Aufstellen hätte die Stadt 37 000 Euro gekostet. Also fragte das Kulturamt die großen Dachauer Vereine, ob sie diese Aufgabe übernehmen würden. Die Feruerwehr sagte ohne zu zögern zu. „Es ist eine sehr spannende und herausfordernde Aufgabe, die unseren Zusammenhalt im Team fördert“, erklärt Fichtl.

Die Feuerwehr übernimmt das ganze Maibaum-Programm - ehrenamtlich

Und so kam folgender Deal zustande: Die Feuerwehr übernimmt alles, vom Baum schlagen, über die Bemalung, Bewachung und das Aufstellen – ehrenamtlich. Die Stadt unterstützt die Feuerwehr mit 500 Euro und bezahlt 10 000 Euro für die Restaurierung der Schilder, die der Dachauer Künstler Christian Maria Huber durchführt, dessen Opa die Schilder ursprünglich hergestellt hat.

Und so kam auf die Männer der Feuerwehr eine Menge Arbeit zu – viel mehr als sie anfangs geahnt hätten. Da die 23 traditionellen Schilder aus den 60er und teilweise 30er Jahren mit fast einem Kilo sehr schwer sind, war es durchaus eine Aufgabe einen passenden Baum zu finden. Im Wald eines befreundeten Försters in Schrobenhausen wurden die Feuerwehrler fündig, berichtet zweiter Vorsitzender Sebastian Fritsch. Der Baum war 35 Meter hoch, der Maibaum misst jetzt 23 Meter.

Dann musste der Baum von Schrobenhausen nach Dachau transportiert werden – und ab dem ersten Tag in der Feuerwehr, dem 11. März, bewacht werden. Dabei überlässt die Feuerwehr nichts dem Zufall: Der Baum ist mit einer elektronischen Alarmanlage gesichert, mehrere Kabel führen vom Baum zu einem Gerät, das im Notfall Alarm schlägt. „Vorsprung durch Technik“ nennt das Sebastian Fritsch. Doch zusätzlich halten die Feuerwehrler natürlich auch noch ganz traditionell Wache, und zwar Tag und Nacht.

Bilder von den fleißigen Dachauer Maibaumbewachern

„Ausspähversuche haben wir täglich, sogar aus Starnberg und Rosenheim sind schon welche gekommen“, erzählt Fichtl. Und einen vielversprechenden Raub-Versuch gab es auch schon, von den Gündinger Burschen. „Die haben wochenlang geübt, der Versuch war wirklich sehr gut, das muss man ihnen lassen, aber dennoch chancenlos“, berichtet Fichtl nicht ohne Stolz. Einer der Gündinger Burschen hat sich nämlich im Feuerwehrhaus einschließen lassen. Seine Kameraden haben es geschafft, das Bollwerk aus Betonpollern und einem Container, das die Dachauer Feuerwehrler vor dem Eingang errichtet haben, zu beseitigen, dann ließ der eingeschlossene Gündinger seine Komplizen ins Haus. Doch die Wachen waren aufmerksam. „Die Alarmanlage haben wir bisher jedenfalls noch nicht gebraucht“, freut sich Fichtl.

In Summe werden auf die Feuerwehrler in etwa 10 000 Euro Kosten zukommen, schätzt der Kassier Walter Ganslmaier. Diese werden von Sponsoren getragen, um die sich ebenfalls die Feuerwehr selbst gekümmert hat. OB Hartmann findet: „Das wertvollste an dem ganzen Projekt sind die vielen Stunden geleistete Arbeit, die da drin stecken.“ In Zahlen sind das etwa 400 Stunden, schätzt Fichtl.

Ganz zu schweigen von all den nächtlichen Wachestunden. Manche binden ihre Feldbetten am Maibaum an – wenn nicht sogar sich selbst.

Das Maifest: 

Etwa 1500 Gäste werden am 1. Mai am Unteren Markt erwartet. Der Baum wird bei jedem Wetter aufgestellt. Um 7 Uhr läuten die Vierkirchner Böllerschützen vom Schloss aus die Feierlichkeiten ein. Um 8.30 Uhr wird der Baum dann mit einem Langholzfuhrwerk, das von Pferden gezogen wird, vom Feuerwehrhaus über die Bahnhofstraße zum Unteren Markt gebracht. Um 10.15 Uhr soll der Baum von der Horizontalen in die Vertikale gebracht werden. Da die alten Schilder so schwer sind, muss der Baum besonders dick sein: Er wiegt nun zusammen mit den Schildern etwa drei Tonnen. Daher wird der Baum, anders als anfangs geplant, doch mit einem Kran aufgestellt. „Das ganze Fest wird aber trotzdem sehr traditionell“, versichert Stefan Fichtl. Etwa um 12 Uhr soll der Baum stehen. Die Bewirtung übernimmt der Festzeltbetrieb Schweiger. Ab 9 Uhr gibt es bereits Weißwürste. Die musikalische Begleitung übernehmen die Knabenkapelle, die Schlossbergler und D’Ampertaler. Die Strecke zwischen dem Unteren Markt und der Schleißheimer Straße wird von 6 bis 10 Uhr gesperrt.

Stefanie Ritter

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