+
Schrieb einen Brief an den Ministerpräsidenten: Wolfgang Perret in seinem leeren Anima Studio ärgert sich über die Äußerungen von Markus Söder.

Fast alles darf nun wieder öffnen. Für die Dachauer Fitnessstudios aber wird es langsam eng

Sie bleiben weiter im Unklaren

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Aber langsam wird es für die Dachauer Fitness-Studio eng. Sie kämpfen mit den Folgen der Schließung aufgrund der Corona-Pandemie, auch wenn die Studioleiter derzeit durchaus noch positiv nach vorne schauen.

VON SIMONE WESTER

Dachau – „Es zeigt sich brutal deutlich, wo wir in der Politik stehen“, beschreibt Wolfgang Perret, Geschäftsführer und Mitinhaber des „Anima finest Sports&Spa“ am Wettersteinring in Dachau. „Fitnessclubs werden immer zuletzt genannt“, beschwert sich der Studioleiter. Es geht überwiegend um Geschäfte und Gastronomie, zuletzt habe sich die Bayerische Staatsregierung dann auch mal an die Künstler und Sportvereine erinnert. Doch die Fitnessclubs bleiben zu, zumindest in Bayern. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern. Dort wurde die Öffnung zum Teil über Klagen erzwungen.

Darauf hofft auch Perret, der das Heft jetzt selbst in die Hand genommen hat und Ministerpräsident Markus Söder einen Brief geschrieben hat. Darin prangert er die Aussage Söders an, dass man „Fitness bei diesem schönen Wetter draußen machen kann“. Das zeige, „wie wenig Sie zum einen von gesundheitsorientiertem Training in einem Fitnessclub wissen und zum zweiten, es Ihnen offensichtlich nicht wichtig ist, was mit den Existenzen der Betreiber und deren Mitarbeitern geschieht“, so Perret.

Vom wirtschaftlichen Schaden einmal abgesehen, macht sich der 54-jährige Sorgen um die Gesundheit seiner Mitglieder. Denn der durchschnittliche Anima-Gast kommt nicht zum bloßen „Pumpen“, sondern um etwas für seine Gesundheit zu machen. Rückenprobleme, Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes und vieles mehr könne durch regelmäßiges, gesundheitsorientiertes Training gemildert und eingedämmt werden.

Damit die Mitglieder nicht komplett auf dem Trockenen sitzen, hat das Team um Wolfgang Perret Videos auf Youtube eingestellt. Zudem gibt es wöchentlich etliche zoom-live-Kurse. Den persönlichen Kontakt zum Trainer kann das natürlich nicht ersetzen, geschweige denn das gezielte Training vor Ort unter fachkundiger Anleitung.

Das Anima ist ein „gesundes Unternehmen“, erklärt Wolfgang Perret. Und Dank seiner treuen Mitglieder, die zum Großteil die Beitragszahlungen einfach weiterlaufen ließen, könne das Anima auch noch eine Zeitlang finanziell durchhalten. Aber es werde momentan kein Umsatz generiert, und das bei weiter laufenden Kosten, so der Geschäftsführer, der seinen festangestellten Mitarbeitern das Kurzarbeitergeld freiwillig aufgestockt hat. Er denkt aber auch an seine freiberuflichen Trainer, für die es jetzt durchaus kritisch werden könne, befürchtet Perret. Trotzdem beschreibt er die Stimmung im Team als „bombig“, und alle arbeiten fleißig auf die Wiedereröffnung hin. Es wird geputzt, ein neues Kurs- und Trainingsprogramm erarbeitet, eine neue App installiert, noch mehr Hygienespender aufgestellt und vieles mehr.

Auch im „Infit-Studio“ laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Bereichsleiter Thomas Wechslberger, der für die Studios in Dachau, Fürstenfeldbruck und Germering verantwortlich zeichnet, hofft auf ein positives Signal der Regierung für Anfang Juni. Auch bei ihm sind Mitarbeiter in Kurzarbeit. Angelehnt an die Vorgaben anderer Bundesländer erarbeitet er derzeit ein Konzept, damit alle Mitglieder sicher und beruhigt trainieren können. Die meisten sind zwischen 20 und 35 Jahre alt, aber auch Senioren fühlen sich im „Infit“ wohl. Er hat zu Beginn des Lockdowns alle Mitglieder angeschrieben. „Die meisten sind sehr sozial und lassen die Abbuchungen weiterlaufen“, freut sich der 34-jährige Bereichsleiter.

Yvonne Hühne ist Yoga-Lehrerin und unterrichtet seit 23 Jahren, davon seit 14 Jahren in Dachau. In ihrem „Yoga-Raum“ in Dachau bietet sie mit ihrem Team nicht nur Yoga- und Pilatesstunden, sondern auch Workshops an. Zumindest bis zum 15. März – auch der „Yoga-Raum“ hat seitdem geschlossen. Hühne hat kürzlich das Landratsamt Dachau angeschrieben, um zu erfahren, wann sie endlich wieder ihre beliebten Kurse anbieten darf. Bisher wartet sie noch auf Antwort. Sie würde in Kleingruppen von nur vier Teilnehmern starten. In einem 50 Quadratmeter großen, belüftbaren Raum ist da der Sicherheitsabstand mehr als gewährleistet, erklärt die Yoga-Lehrerin. In ihrer Existenz bedroht fühlt sich die 62-Jährige zum Glück nicht. Ihre Kollegen, die auch ihre Untermieter sind, zahlen die Miete weiter. Die Soforthilfe vom Staat hat sie auch bekommen. Und dann ist da noch ihr zweites Standbein als Altenpflegerin – ein krisenfester Beruf. Die Yogastunden vermisst sie aber trotzdem. Derzeit bastelt Yvonne Hühne an einem Film, eine Art Online-Yoga-Stunde, damit ihre Yogaschüler sie zumindest so wieder sehen können.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Maskenpflicht an den Schulen im Landkreis: „Schüler und Eltern sind sehr kooperativ“
Maskenpflicht an den Schulen im Landkreis: „Schüler und Eltern sind sehr kooperativ“
Einbahnregelung der südlichen Uhdestraße funktioniert nicht
Einbahnregelung der südlichen Uhdestraße funktioniert nicht
Ehrengäste gratulieren der Miss German-Sport Heart of Bergkirchen
Ehrengäste gratulieren der Miss German-Sport Heart of Bergkirchen
Corona-Fälle in Dachau Süd - Quarantäne für Grundschüler und Kitakinder
Corona-Fälle in Dachau Süd - Quarantäne für Grundschüler und Kitakinder

Kommentare