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Schulinterner Protest: Im Pausenhof demonstrierten die Schüler des ITG, während in München der globale Klimastreik stattfand.

Dachauer Fridays-for-Future-Gruppe wirft dem ITG  Sabotage vor

Klimaaktivisten kritisieren ITG

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Das Ignaz-Taschner-Gymnasium hat eine schulinterne Protestveranstaltung zum Klimaschutz organisiert. Die Dachauer Fridays-for-Future-Gruppe wirft der Schule nun Sabotage vor. 

Dachau– Hunderttausende Menschen haben am Freitag weltweit für den Klimaschutz demonstriert. Allein am Königsplatz in München sollen rund 40 000 Menschen zusammengekommen sein, darunter auch die Fridays-for-Future-Gruppe aus Dachau. Die Schüler des Ignaz-Taschner-Gymnasiums taten ihre Meinung währenddessen im Pausenhof kund – auf einer schulinternen Veranstaltung. Schulleiter Erwin Lenz wollte den Schülern die Möglichkeit geben, ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, „ohne sie in den Sumpf der Rechtlosigkeit ziehen zu lassen“. Die Dachauer Bewegung „Fridays for Future“ wirft dem ITG nun in einer Pressemitteilung vor, „den globalen Klimastreik sabotiert“ zu haben.

Für Erwin Lenz hat der freitägliche Schulstreik bisher kein großes Problem dargestellt. „Wir hatten im vergangenen Schuljahr vielleicht ein bis zwei Schüler, die zum Schulstreik nach München gefahren sind.“ Als nun der Aufruf zum weltweiten Streik erfolgte, machte sich die Schulleitung mit Lehrern und Elternbeirat Gedanken, wie man damit umgehen könne – ohne Rechtsbruch zu begehen. Denn schulrechtlich sei es nicht möglich, dass man Schüler für den Streik freistellt. Das Ergebnis der Überlegungen: Plakate gestalten in der fünften Schulstunde, schulinterne Veranstaltung in der sechsten Stunde (wir berichteten). „Jeder, der wollte, konnte seine Meinung kundtun“, sagt Lenz.

Es wollten knapp 1000 Schüler, 140 waren auf Studienfahrt, 17 wollten nicht, die anderweitig Unterricht hatten. Im Pausenhof hielten Schüler Brandreden, Plakate wurden hochgehalten. Laut Lenz schwänzte kein einziger Schüler, um nach München zu fahren. Erst nach 13 Uhr und somit nach Schulschluss seien einige Schüler nach München zum Klimastreik gefahren.

Am Sonntagabend veröffentlichte die Dachauer Fridays-for-Future(FFF)-Gruppe ihre Pressemitteilung – unter der Überschrift „ITG sabotiert den globalen Klimastreik“. „Leider haben die Verantwortlichen beim Ignaz-Taschner-Gymnasium nicht den Ernst der Lage verstanden“, so FFF Dachau. „Entweder haben die verantwortlichen Personen eben selbst nicht die wichtigen Prozesse ausreichend verstanden oder sie geben den Schülern keine Chance, die dargelegten Inhalte auch wirklich in ihrer Wichtigkeit zu verstehen.“

Jonathan Westermeier, FFF-Mitglied, sagt, dass das ITG diese verpflichtende „strategische Veranstaltung“ am Freitag abgehalten habe, wo es so viel wichtiger gewesen wäre, dass die Schüler nach München zum Klimastreik hätten fahren können. In anderen Schulen können sich Schüler laut Westermeier einzeln im Sekretariat äußern und darlegen, warum sie streiken wollen – dann würden sie befreit. Westermeier hätte die ITG-Aktion gut gefunden – aber eben nicht am Tag des globalen Klimastreiks.

Laut der Pressemitteilung, die keinen Namen trägt, „da wir keine Sprecher haben und das Statement gemeinsam entwickelt wurde“, so Westermeier, seien „die Schulen nicht unser erklärter Feind. Wir würden gern wieder in Ruhe lernen, können das aber erst, wenn endlich wirksame Klimaschutzmaßnahmen verabschiedet sind.“ Aber auch versöhnlichere Töne werden angeschlagen: „Wenn die Schulen mit uns zusammenarbeiten wollen, sind wir sehr gerne für diverse zielführende Projekte zu gewinnen, allerdings sind diese Veranstaltungen nicht am Freitag durchzuführen.“ Der Freitag bleibt den Streiks vorbehalten. An das ITG hat Jonathan Westermeier noch eine Botschaft: „Wenn die Schule ihrem naturwissenschaftlichen Anspruch in Zukunft gerecht werden will, muss es sich auf die Seite von Scientists4Future stellen, die eindeutig die evidenzbasierte Faktenlage vertreten“.

Erwin Lenz kann die Kritikpunkte der FFF-Gruppe nicht verstehen, außerdem empfindet er den Tonfall „aggressiv“. „So können aus Freunden schnell Feinde werden. Die Pressemitteilung konterkariert das, was wir vorgehabt haben“, so Lenz. Reagieren werde er auf die Pressemitteilung nicht.

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