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Interaktives Display statt Tafel: Die Lehrer Nadine Gleissner und Raul Simionescu sowie Schulleiterin Angelika Rogg (von links) erklären im Physiksaal der Schwalber-Realschule den Kreisräten, wie moderner Unterricht aussieht. 

Kreisräte im digitalen Klassenzimmer

So sieht der Unterricht von morgen aus

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Ein interaktives Display an der Wand statt einer Tafel. Ein Lehrer, der mit dem Finger auf dem riesigen Bildschirm herumtippt, statt Kreide zu benutzen. Die Mitglieder des Schul- und Kreisausschusses erfuhren anschaulich, wie die Unterricht der Zukunft aussieht. Dazu mussten sie noch einmal die Schulbank drücken.

Dachau – Es war ein erstaunliches Bild, das sich im Physiksaal der Dr.-Josef-Schwalber-Realschule bot: Gestandene Lokalpolitiker saßen in den Schulbänken und erhielten Unterricht. Aber nicht in Physik. Das Fach hieß: die moderne Schule. Für viele Kreisräte war dies Neuland. Daher spitzten alle die Ohren. Na ja, fast alle. „Die Frau Burgmaier spielt unter der Bank mit ihrem Handy!“, schwärzte Martin Güll (SPD) gleich zu Beginn der Stunde seine Kreistags-Kollegin Stephanie Burgmaier (CSU) an – im Spaß, versteht sich. Der Satz lässt daran denken, dass Schüler ihr Mobiltelefon im Klassenzimmer auszuschalten haben. Doch das ist „Old School“, um im Schülerjargon zu bleiben. Die Zukunft sieht anders aus.

Schon heute können Schüler der staatlichen Schwalber-Realschule ihre Handys während der Stunde nutzen. Und wie! Sie dürfen im Internet recherchieren. Und sie können sich in vier Klassenzimmern mit ihren Handys via Wlan in spezielle Rechner einloggen, den Unterrichtsstoff aus einer Cloud herunterladen oder Aufgaben lösen, deren Ergebnis dann auf einem interaktiven Display zu sehen ist. Das interaktive Display ist ein riesengroßer Fernseher und hat die gute alte Tafel ersetzt.

Die Lehrer Nadine Gleissner und Raul Simionescu zeigten den Lokalpolitikern, wie sie unterrichten. Und das sorgte für Erstaunen unter den „Bankdrückern“. Die Pädagogen loggen ihre Handys oder Tablet-PCs ein und bewegen sich mit den Geräten frei im Zimmer. Oder sie benutzen die Touchscreen-Funktion am interaktiven Display. Alles, was sie eingegeben, kann gespeichert werden. Und sie können bereits zu Hause den Unterrichtsstoff oder Schulaufgaben einprogrammieren und so das Tafelbild vorbereiten.

„Das könnten die Schüler doch hacken und so im Vorfeld die Prüfungsaufgaben auf ihr Handy rüberziehen“, meinten gleich mehrere Kreisräte. Schwierig, meinten Gleissner und Simionescu, denn einmal verfügt die Schule über drei getrennte Wlan-Zugänge – einen für Lehrer, einen für Schüler und einen für Gäste. Und zum anderen seien die Lehrer auf der Hut, so dass schummelnde Schüler bald auffliegen würden, so Simionescu. „Probiert hat es jedenfalls noch keiner“, wie er versicherte.

Das Problem des digitalen Unterrichts sind nicht die Schüler. In der Schwalber-Realschule haben beispielsweise schon bei den Fünftklässlern lediglich zwei keine Handys. Das Problem sind die fehleranfällige Technik sowie deren hohe Kosten. Und: die Lehrer! Über ihre Kollegen sagt Schulleiterin Angelika Rogg: „Es gibt immer noch welche, die von der Kreide träumen.“ Ihr Rektoren-Kollege vom Ignaz-Taschner-Gymnasium, Erwin Lenz, der als Gast im Physiksaal saß, gab zu Bedenken, dass eben weil die Technik bisweilen versage, manche Lehrer die Lust aufs Digitale verlieren würden.

In Sachen Finanzierung der modernen Technik für weitere Klassenzimmer oder gar die gesamte Schule appellierte Rogg an die Mitglieder des Schul- und Kreisausschusses: „Es wäre schön, wenn da ein Zuschuss kommt.“ Nun, so einfach ist die Sache nicht. „Für die Hardware ist der Kreis bereit, viel Geld einzustellen“, sagt Landrat Stefan Löwl, das Problem sei die Zuständigkeit für die Betreuung der Geräte. Gibt es eine zentrale Lösung für alle Schulen? Oder eine dezentrale, sprich individuelle Lösung? Oder wird die Betreuung an einen IT-Anbieter übertragen? Diese Fragen sind noch nicht beantwortet. Erst wenn das geklärt ist, können staatliche Zuschüsse fließen. Doch das kann dauern.

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