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Viele Obstbäume in der Region dürfen abgeerntet werden - und zwar kostenlos und von jedermannn!

Landkreis-Gemeinden machen bei Aktion „mundraub“ mit 

Äpfel, Bärlauch, Brombeeren, Quitten für alle – und umsonst!

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Am Hebertshauser Bahnhof gibt es einen „Griachal-Baum“. Viele kennen das bayerische Wort gar nicht mehr, aber Griachal sind kleine Pflaumen: „Ich wusste erst gar nicht, dass man die Früchte essen kann“, sagt Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl. Bis ihn eine Spaziergängerin darauf aufmerksam machte. Das hat ihn auf eine Idee gebracht, denn: „Viele sind sich nicht sicher, welches Fallobst genießbar ist und, wo sie es auch ernten dürfen.“ Daran will er etwas ändern.

In Hebertshausen habe die Gemeinde zum Beispiel zwischen 80 bis 100 Obstbäume, darunter Apfel-, Birnen-, Griachal- oder Walnussbäume – Obst für die Allgemeinheit, sagt Reischl: „Aber die Leute nehmen das einfach nicht mehr.“ Deshalb will er diese Gewächse mit gelben Bändern und dem Slogan „Ich bin essbar“ kennzeichnen, so habe er es schon in anderen Gemeinden gesehen. Denn aktuell beobachtet er, dass Fallobst oft vergammelt. Eine weitere Obstrettungs-Maßnahme verriet ihm Dr. Manfred Kotzian vom Dachauer Kreisverband für Gartenbau und Landespflege: die Website mundraub.org.

Dahinter steckt die Idee: Äpfel, Bärlauch, Brombeeren und Quitten für alle – und umsonst! Auf einer digitalen Karte im Internet können User zum Beispiel Obstbäume melden, die kostenlos abgeerntet werden dürfen, einige Standorte für den legalen Früchteklau im Dachauer Landkreis sind schon markiert (Kasten). Reischl will in Zukunft alle Gemeinde-Obstbäume dort eintragen. Und er motiviert auch Bürger, ihre Gewächse auf der Karte zu markieren, wenn sie etwa mit der Apfelernte überfordert sind: „Es gibt ja viele Senioren, die es nicht mehr schaffen, ihren Baum abzuernten“ – weil ihnen die Kraft fehlt.

Daraus ergebe sich eine Win-win-Situation: „Denn andere haben vielleicht keinen Garten und freuen sich über das Obst“, aber auch wer selbst ein Stück Grün hat, müsse sich oft gedulden, denn: „Meistens braucht ein Obstbaum etwa 15 Jahre, bis er wirklich ertragreich ist.“

Aber manchmal kommt es auch zu Problemen beim legalen Früchteklau, wie sich in einer Diskussion zum Quittenbaum an der Eduard-Ziegler-Straße in Dachau zeigte. Im September 2015 schrieb dazu ein User auf der Website: „Welcher Schlaumeier hat jetzt wieder zugeschlagen? Es hängen zwar noch einige Quitten an den Sträuchern, aber irgendjemand hat den Großteil schon abgeerntet“, offenbar noch unreife Quitten, eine weitere Userin antwortete darauf: „Das ist wirklich ärgerlich und passt so gar nicht zu unserer Mundraub-Philosophie. Schade!’“

Auch einige Obstbäume, die der Stadt gehören, sind auf der digitalen Karte markiert, sagt Oberbürgermeister Florian Hartmann. Allerdings wäre es für die Stadt zu aufwändig, alle einzutragen: „Aber Bürger können gerne welche eintragen.“ Denn allgemein gilt auch in Dachau: „Die Bürger dürfen die Obstbäume im öffentlichen Raum der Stadt abernten.“ Also ab zum Birnen- und Quitten ernten – solang noch welche am Baum hängen. 

Wo dürfen Früchte legal geklaut werden?

Einige Standorte im Landkreis sind auf einer Karte auf der Internetseite mundraub.org bereits markiert. Über die Suchfunktion ist der Ort zu finden, in dem man nach Obstbäumen oder -sträuchern, Nüssen oder Kräutern suchen möchte. Bei einem Klick auf die Markierung wird angezeigt, um welche Früchte es sich handelt und wann der Fundort eingertage wurde. Altomünster: Haselnuss- und Plaumenbaum am Spielplatz im Schlesierweg. Dachau: Apfelbaum auf der Wiese in der Moorbadstraße, Apfelbaum hinter der Freiwilligen Feuerwehr am Amperweg, Apfelbaum am John-F.-Kennedy-Platz, Fallobst zu verschenken, obere Hügelkuppe wenn man aus Richtung Udldinger Weiher Wohngebiet kommt, zehn Apfel- und Birnbäume auf den Grünstreifen auf Höhe der Langwieder Straße 4 bis 20 in Dachau-Süd , Quittenbäume in der Eduard-Ziegler-Straße, zwischen Fußballplatz und Kinderhort, am Gehweg. Karlsfeld: Apfelbäume am Wegesrand am Waldschwaigweg in Karlsfeld, Mirabellen-Baum im Süden des Waldschwaigsees, Brombeerenhecke an der Bayernwerkstraße, an der Lärmschutzwand der Bahngleise, Bärlauch entlang des Würmkanals gegenüber der MAN, Kirschbäume (erreichbar über die Holzbrücke in der Langwiederstraße, direkt nach der Brücke links nach zirka 200 Metern. Hebertshausen: Mirabellenstrauch am neuen Friedhof (Am Weinberg) am Zaun gleich neben der Straße, großer Walnussbaum auf dem Edeka-Parkplatz („Bitte erst ernten wenn die Walnüsse reif sind“, schreibt ein Tippgeber). Haimhausen: Apfelbaum und Kirschbaum, direkt am Ufer des Heiglweihers. Ainhofen: Drei Äpfelbäume am Straßenrand an der Dah 16. Ried: Äpfelbäume und Birnenbäume auf dem Parkplatz am Bumbauernhof Indersdorf: Drei Apfelbäume („Sehr ertragreich, saure Frucht“) in der Nähe des Gittersbaches. ans

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