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Bis ins kleinste Detail alles fein säuberlich dokumentiert: Naturforscher Josef Gareis.

Dachauer Naturforscher hat sein Werk abgeschlossen

Gareis‘ letzter Bericht

Oft ist der Grund für das Entfachen einer Leidenschaft simpel: „Gehen Sie öfter sparzieren“, riet einst der Hausarzt dem Dachauer Josef Gareis. Der nahm den Rat ernst und unternahm seither über 7000 Touren in die Dachauer Natur. Nun, nach über 32 Jahren Beobachtungen, hat er einen vorerst letzten Bericht über die Artenvielfalt der Region verfasst.

Dachau – An der Amper ist Josef Gareis eine zeitlose Erscheinung wie die Gräser oder das Flussrauschen – er ist einfach immer da gewesen. Dabei entdeckte er 578 verschiedene Blüten, 248 Pilze und 27 Säugetierarten und vieles mehr. Beobachtet hat er sie in 7161 Touren von 1981 bis 2017, im Durchschnitt sind das 196 Touren pro Jahr. Langeweile kam dabei nie auf, erzählt er: „Ich bin einen Tag lieber gegangen als den zuvor.“ Fasziniert war er schon als achtjähriger Bub. Mit Bleistift und Block ausgestattet, schrieb er damals schon nieder, was er in der Natur sah.

Man kann durchaus behaupten, dass der 92-Jährige zwei Leidenschaften hat: Einmal die Natur und dann das Archivieren und Dokumentieren seiner Naturbeobachtungen, das Ordnen und Abheften. Denn alle seine Entdeckungen hat er penibel genau in zahllosen Ordnern lückenlos dokumentiert. „Es gibt hier nichts, was nicht ordentlich belegt wäre“, sagt er stolz und präsentiert seine handschriftlichen Aufzeichnungen, die so manchen Bibliothekar neidisch werden lassen.

Liebend gerne hätte er sein Hobby zum Beruf gemacht, erzählt er, doch: „Ich bin leider ein saublöder Jahrgang.“ 1944 wurde er als 18-Jähriger an die Ostfront geschickt, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam er in Gefangenschaft. Fünf Jahre später erst kehrte er zurück, das genaue Datum weiß er heute noch: „Das war der 29. Oktober 1949 – sowas vergisst man nicht“, sagt er gerührt. Danach führte er gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth 31 Jahre lang einen Lebensmittelladen in Dachau. Als sie beide 1981 in Rente gingen, folgte er dem Rat seines Hausarztes zu viel frischer Luft und ausgiebigen Sparziergängen und widmete sich der Amper.

Seine Leidenschaft ging so weit, dass er einst auf einer Autofahrt von Dachau nach Frankfurt an zig Ausfahrten hielt, um die dortige Natur zu begutachten. Die Fahrt dauerte dementsprechend lange. „Ich wollte einfach wissen, was außerhalb meines Begehungsgebiet wächst“, erklärt er.

So blieb ihm zwar eine Karriere als Biologe versagt, doch das hinderte Gareis nicht daran, sich das Wissen selbst beizubringen. Er verschlang Bücher und kann heute noch über 500 lateinische Pflanzen- und Tiernamen aufzählen. Fünf Bücher veröffentlichte er im Eigenverlag über seine naturkundlichen Beobachtungen, von seinem ersten Werk verkaufte er 2000 Exemplare. Seine angebotenen Touren waren stets gefragt bei Dachauer Naturfans. Für seine Leistungen wurde ihm die Silberne Bürgermedaille der Stadt Dachau verliehen.

Gareis hat noch mehr zu bieten: Verschwörerisch zieht er einen weiteren Ordner aus dem Regal, darin: Bieretiketten. Über 49 000 Stück sind es, egal ob internationale Marken oder Dachauer Biere, von denen die allermeisten schon längst in Vergessenheit geraten sind – Gareis hat sie alle säuberlich in Klarsichtfolien in Ordnern abgeheftet.

Die Frage, die sich natürlich aufdrängt, obwohl man die Antwort schon ahnt: Sein Geheimnis, um mit 92 noch so fit zu sein? „Die Natur selbstverständlich und viel frische Luft.“ Aljoscha Huber 

Wer Interesse

an Josef Gareis’ Abschlussbericht hat, kann diesen entweder persönlich bei uns in der Redaktion abholen oder per E-Mail (redaktion@dachauer-nachrichten.de, Betreff: Gareis) anfordern.

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