OB Florian Hartmann gestattet Einblicke in seine persönliche Heimarbeit: Er trägt keinen Anzug.  
+
OB Florian Hartmann gestattet Einblicke in seine persönliche Heimarbeit: Er trägt keinen Anzug. 

INTERVIEW - OB Hartmann über Chancen und Grenzen der digitalen Stadtverwaltung

„Homeoffice wird eine Dauereinrichtung“

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
    schließen

Tausende Dachauer verbringen ihre Tage derzeit im Homeoffice. Klar, in Zeiten, in denen man Fahrten mit Bussen und Bahnen sowie Großraumbüros meiden sollte, ist die Heimarbeit für viele das Mittel der Wahl zum Schutz vor Infektionen geworden. Auch die Stadtverwaltung ist in den vergangenen Monaten – gezwungenermaßen – digitaler geworden. In welchem Umfang und ob das dauerhaft so bleiben wird, berichtet Oberbürgermeister Florian Hartmann im Interview.

Herr Hartmann, wie viele Menschen arbeiten normal im Rathaus und wie viele sind es zurzeit? Bzw. wie viele sind im Homeoffice?

Florian Hartmann: In den Rathäusern gibt es aktuell etwa 200 PC-Arbeitsplätze bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zirka 160 davon arbeiten gerade ganz oder teilweise im Homeoffice.

Ist Homeoffice bei der Stadt freiwillig oder wird es vom OB oder den Amtsleitern angeordnet?

Homeoffice ist absolut freiwillig, aber gemäß der aktuellen Arbeitsschutzverordnung bieten wir es unseren Mitarbeitern an.

Wie viele waren im Frühjahr im Homeoffice?

Zu Beginn des Lockdowns im Frühjahr waren 25 Mitarbeiter im Homeoffice. Seitdem haben wir die Kapazitäten sukzessive und kontinuierlich auf den heutigen Stand ausgebaut.

Gibt es Bereiche, in denen sich Homeoffice leichter umsetzen lässt, und Bereiche, in denen Präsenz wichtig ist?

Schwer umzusetzen ist Homeoffice zum Beispiel im Bauhof. Ein Schlagloch lässt sich ja nicht von zuhause aus reparieren, und Winterdienst im Homeoffice funktioniert auch nicht optimal. Auch in den Kitas ist Homeoffice schwer. Außerdem halten wir den aktuell geltenden Notbetrieb im Rathaus aufrecht, zum Beispiel im Standesamt oder im Bürgerbüro. Alle Mitarbeiter in den Rathäusern gleichzeitig im Homeoffice, das geht nicht.

Was oder wie hat die Stadt investiert, um das Arbeiten zuhause möglich zu machen?

Bisher haben wir knapp 150 000 Euro investiert, größtenteils in notwendige Softwarelizenzen, Notebooks für die Mitarbeiter und weiteres Zubehör wie Headsets und Webcams.

Wird Homeoffice in manchen Bereichen zur Dauereinrichtung, sodass langfristig Platz im Rathaus frei wird?

Homeoffice wird sicher eine Dauereinrichtung. Aktuell stellt das aber keine räumliche Entlastung dar, da wir stark auf Abstände achten. Ob sich nach der Pandemie eine Entlastung ergibt, werden wir sehen, weil die Räume in den Rathäusern vor der Pandemie ohnehin überbelegt waren. Es wird wohl eher eine Entzerrung, als dass tatsächlich Büroräume ganz frei werden.

Sollte die öffentliche Hand in Pandemiezeiten mit gutem Beispiel vorangehen und Heimarbeit zur Pflicht machen?

Wir bieten Homeoffice lediglich an, verpflichten aber nicht. Da ohnehin viele Mitarbeiter dieses Angebot nutzen, stellt sich für uns die Frage einer Homeoffice-Pflicht überhaupt nicht.

Ist es vorschnell, die Leute ins wie auch immer gestaltete Homeoffice zu schicken, ohne auf die dortigen Arbeitsbedingungen zu achten? Gibt es spezielle Unterweisungen, wie man dort arbeiten sollte, oder Überprüfungen, ob das alles richtig läuft?

Für das Homeoffice gelten die gleichen Anforderungen wie für einen Arbeitsplatz im Büro. Wir gehen davon aus und trauen unseren Mitarbeitern zu, auf korrekte Arbeitsbedingungen zu achten. Aktuell handeln wir gerade mit dem Personalrat eine Dienstvereinbarung aus. Diese wird dann auch eine Unterweisung beinhalten.

Wie ist die Datensicherheit der Bürger beim Homeoffice gewährleistet?

Die Mitarbeiter sind natürlich auch im Homeoffice verpflichtet, den Datenschutz sicherzustellen, und zum Beispiel ihren Rechner zu sperren, wenn sie mal kurz den Heimarbeitsplatz verlassen.

Gibt es einen Zeitplan, wann das Homeoffice bei der Stadtverwaltung enden soll?

Nein, den gibt es nicht. Wir wollen ja im Gegenteil die Möglichkeiten des Homeoffice beibehalten und unseren Mitarbeitern weiterhin anbieten.

Sollte gerade die Stadtverwaltung Präsenz zeigen und den Bürgern persönlich Rede und Antwort stehen und den Menschen ein persönliches Verhältnis ermöglichen?

Da ist Ausgewogenheit wichtig: Den Bürgern einerseits möglichst viele Leistungen und Informationen online anbieten, zum Beispiel über unser Bürgerserviceportal und unser Bürger- und Ratsinformationssystem. Und andererseits nach wie vor den persönlichen Kontakt ermöglichen – aktuell aber natürlich unter Einhaltung aller notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen.

Letzte Frage: Wie arbeiten Sie persönlich derzeit? Weiter im Büro im Rathaus? Oder in der Jogginghose am Küchentisch?

Ich habe ja keinen klassischen Bürojob, sondern bin fast immer überall erreichbar. Ich gehe natürlich weiterhin ins Rathaus, beantworte aber auch viele E-Mails und Anrufe außerhalb meines Büros. Wenn ich zuhause bin und arbeite, trage ich ehrlicherweise keinen Anzug.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare