„Grandiose Walzer, schmissige Polkas und schweißtreibende Galopps“: Tanzmeister Erich Müller (l.) entging nichts. cla

Dachauer Redoute im Schloss

Die Dachauer wissen, wie man feiert

Dachau – Fein herausgeputzt haben sie sich, die Dachauer. Tanzmeister Erich Müller rief zum tanz auf: bei der Redoute im Schloss.

Viele Damen tragen prächtige Kleider und ausufernde Hüte, viele Männer Frack oder Gehrock mit elegantem Zylinder. Alle sind sie ins Schloss gekommen: die Obrigkeit, hochwohlgeborene Grafen, Freiherren und Barone, aber auch das gemeine Volk, der Bauernstand. Im Barocksaal im Dachauer Schloss war wieder Redoute, und Tanzmeister Erich Müller rief zum Tanz auf: „Grandiose Walzer, schmissige Polkas und schweißtreibende Galopps“ würden die rund 240 Besucher erwarten, kündigte er zu Beginn des Kostümballs an. Er hatte nicht zu viel versprochen: Das Salonorchester spielte fast ohne Pause spritzige Tanz- und Tafelmusik, da hielt es niemanden lange auf den Plätzen.


Schon bei der Balleröffnung mit einer Polonaise machten fast alle Paare mit. Wenn man sich schon so hergerichtet hat, will man schließlich zeigen, was man hat und kann. Höfisch, bürgerlich oder bäuerlich war das Motto des Kostümballs, und fast alle Gäste hatten sich daran gehalten. So fühlte man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt, als eine lange Schlange an Tänzern zur Festpolonaise von Peter Streck durch den Barocksaal marschierte, immer unter den strengen Augen von Erwin Müller, der aufpasste, dass auch keiner verloren ging, in die falsche Richtung lief oder die Choreographie störte. Als Belohnung gab es am Ende „Rosen aus dem Süden“ für alle: Mit dem Strauss-Walzer war die Tanzfläche offiziell eröffnet und die erste Tour auch schon vorbei. Wobei das nicht bedeutet, dass der begeisterte Tänzer sich ausruhen konnte: Immerhin standen noch elf weitere Touren auf dem Programm, erst gegen zwei Uhr nachts war die Schlusstour, in der es noch ein letztes Mal zwei Klassiker zu hören gab: den Hoch- und Deutschmeistermarsch und zum Abschied „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss Sohn.

Bilder von der Ballnacht gibt es hier.

Vor allem für manche Damen mit besonders üppigen Kleidern war es gar nicht so leicht, sich immer auf der Tanzfläche zurecht zu finden. Ulrike Pfister aus Aubing zum Beispiel geht mit ihrem Mann jedes Mal auf die Dachauer Redoute. Sie hat sich dafür extra ein besonders stilvolles Kostüm angeschafft. Eine weiße Perücke, eine venezianische Maske und dazu passend ein aufwendig gestaltetes Kleid, natürlich mit üppigem Stoff und Reifrock. „Da braucht man schon Platz auf der Tanzfläche“, erzählt sie lachend. Spaß macht es ihr trotzdem: „Es ist einfach jedes Mal schön hier.“

Auch, weil die Tänzer zwischen den Walzern und Polkas und Galopps immer wieder Zeit zum Verschnaufen haben. Dafür gab es musikalische Einlagen mit der Sopranistin Anna-Maria Bogner und dem Tenor Bernhard Schneider. Die beiden boten einen Querschnitt durch die Welt der Operetten.

„Es ist richtig kurzweilig, die Zeit vergeht echt schnell“, fand Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, der wieder als Marktbürgermeister erschienen war. Seine Lebensgefährtin Julia Märkl trug ein dazu passendes Kleid als Bürgermeistergattin. Dachaus Landrat – beziehungsweise an diesem Abend wohl eher Dachaus Bezirksamtmann – Stefan Löwl hatte sich für eine historische bayerische Verwaltungsuniform entschieden. Bezirkstagspräsident Josef Mederer wählte eine Pickelhaube mit preußischer Uniform. Mit ihren Gattinnen schwangen die drei fleißig das Tanzbein, kurz vor Mitternacht machten sie natürlich auch bei der Münchner Française mit. „Ein Höhepunkt“, fand Florian Hartmann. Vorab gab es einen Kurs, bei dem die Choreographien und Figuren geübt wurden, viele Lacher natürlich inklusive, verrät Landrat Stefan Löwl: „Es war wirklich sehr lustig.“ Die Probe hat sich gelohnt: Die Komplimente, Dreher und Platzwechsel klappten, im vierten Teil der Française hoben manche Herren ihre Damen beim so genannten Karussell sogar hoch. Da waren die traditionellen Mitternachtsweißwürste dann wirklich redlich verdient.

Die Stärkung war auch notwendig – schließlich standen in der rauschenden Ballnacht noch vier weitere Touren auf dem Programm. Die Dachauer wussten eben schon immer, wie man feiert.

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