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Stehen in „Shout out loud“ auf der Bühne: Chris Fonseca, Nur Beysun und Mathias Pointner (von links). In dem Stück soll ein künstlerischer Begegnungsraum für hörende und nicht-hörende Menschen entstehen.

„Abenteuerlich und eine Herausforderung“

Die Dachauer Regisseurin Karen Breece inszeniert an Kammerspielen innovatives Theaterprojekt

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Drei Gehörlose spielen die Hauptrollen im Theaterprojekt „Shout out loud“ (auf Deutsch: „Schrei laut“) an den Münchner Kammerspielen. Die Dachauer Regisseurin Karen Breece hat das Stück inszeniert. Premiere ist am Sonntag, 17. November, um 19 Uhr. Im Interview verrät die Regisseurin, warum die Proben abenteuerlich waren und die Gebärdensprache ehrlicher ist.

Frau Breece, für Ihr neues Theaterprojekt „Shout out loud“ haben Sie mit Gehörlosen aus ganz Europa gearbeitet. Wie waren die Proben?

Abenteuerlich und eine Herausforderung. Es ist etwas ganz Neues für mich, ein Projekt mit Menschen zu entwickeln, die nicht hören und sich durch Gebärdensprache verständigen. Oft muss ich nach anderen Verständigungsmöglichkeiten suchen, um die Themen mit den Protagonisten herauszuarbeiten. Dabei helfen uns auch Kommunikationsassistenten.

Regisseurin Karen Breece arbeitet mit Gehörlosen.

Das klingt nach einer Herausforderung für alle: In Ihrem Stück sind die drei Hauptakteure gehörlos. Aber Ihr Kreativteam besteht aus Hörenden. Wie lief die Zusammenarbeit?

Alles dauert ein bisschen länger. Aber es ist erstaunlich, wie gut man ohne Lautsprache kommunizieren kann. Doch das passiert nie von Mund zu Mund, auf direktem Wege. Ein Beispiel: Ich stelle eine Frage, schaue den Schauspieler an, er wiederum schaut auf die Kommunikationsassistentin, die mich gebärdet. Dann schaut mich der Schauspieler an, während er mir antwortet. Und ich wechsle zwischen den Augen des Gegenübers und der Kommunikationsassistentin neben mir.

Und welche Idee steckt hinter „Shout out loud“?

Mich interessiert es, nach neuen Verständigungsmöglichkeiten zu suchen: Wie kann man hören ohne Lautsprache? Wie kann man sich verstehen, ohne zu hören? Es soll ein künstlerischer Begegnungsraum für hörende und nicht-hörende Menschen entstehen.

Was haben Sie bei den Proben über Gehörlose gelernt?

Dass sie in unserer Gesellschaft noch immer stark diskriminiert werden, und Hörende oft Probleme haben, mit ihnen zu kommunizieren. Spannend ist außerdem, dass die Gebärdensprache viel direkter und ehrlicher ist als unsere Lautsprache. Gehörlose kommen sehr viel schneller auf den Punkt, weil die Kommunikation mit der hörenden Welt für sie energieraubend ist, es gibt weniger Durch-die-Blume-sprechen. Das finde ich toll, weil ich ein eher direkter und konfrontativer Mensch bin. Ich kann mittlerweile sogar selbst gebärden, im absoluten Anfängerniveau, aber immerhin.

Interview: Anna Schwarz

Der Vorverkauf

über Münchenticket läuft bereits. Premiere ist am Sonntag, 17. November um 19 Uhr. Weitere Termine sind an den Montagen, 18. und 25. November, jeweils um 19 Uhr. Am Sonntag, 24. November, gibt es zwei Vorstellungen, um 17 und 20.30 Uhr.

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