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Klar, präzise, virtuos und leicht: Violinist Kristóf Baráti aus Ungarn begeisterte das Publikum im Dachauer Schloss. Begleitet wurde er am Piano von Gábor Farkas.

Dachauer Schlosskonzert mit Violinist Kristóf Baráti

Furios virtuos

Wild, temperamentvoll und zupackend – beim Schlosskonzert am vergangenen Samstag gab es für die Zuhörer drei Stunden spannender Violinsonaten.

Dachau – Der ungarische Violinist Kristóf Baráti gehört zu den Lieblingen der Dachauer Schlosskonzertbesucher. Sein Auftritt am Samstag im Schloss war bereits der dritte im Verlauf der letzten Jahre. Gemeinsam mit seinem Landsmann, dem renommierten Pianisten Gábor Farkas, spielte er ein umfang- und abwechslungsreiches Programm.

Während die beiden Interpreten für die erste Hälfte des Abends zwei Sonaten für Violine und Klavier von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms ausgewählt hatten, war der zweite Teil viel eher wie ein Geigen-Soloabend aufgebaut, Farkas nahm hier die Rolle des Begleiters ein. Die Sonate Nr. 4 in a-Moll von Beethoven und die Sonate Nr. 2 in A-Dur von Brahms gestalteten die beiden Musiker wunderbar zupackend und engagiert, allerdings nicht sehr kammermusikalisch.

Baráti, der die Sonaten ungewöhnlicherweise auswendig vortrug, stand an einigen Stellen sehr im Fokus, an denen Farkas’ einfühlsames Spiel besser zur Geltung hätte kommen können. Beide Interpretationen waren von einer sehr persönlichen Handschrift der Musiker geprägt und in sich schlüssig gestaltet. Zu dem drängend-romantischen Werk von Brahms passten die Freiheiten in Agogik, Verzierung und der offensive Charakter jedoch etwas besser als zu dem von Beethoven, wo man die typische Noblesse im Klang ein wenig vermisste.

Wie ausgewechselt spielte Kristóf Baráti nach der Pause: „Souvenir d’un lieu cher“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, die Sonate Nr. 6 in d-Moll von Eugène Ysaye und die Rhapsodie „Tzigane“ von Maurice Ravel gelten als absolute Meilensteine für jeden Geiger. Baráti war bei dieser Literatur ganz in seinem Element und gewann das Publikum von der ersten Note an für sich. Mit tiefer Eindringlichkeit und Ausdrucksstärke, überaus gezielt eingesetztem und differenziertem Vibrato, sattem Klang in der Tiefe und strahlenden Höhen überzeugte der Geiger auf seiner Stradivari mit dem Beinamen „Lady Harmsworth“.

Ganz besonders bemerkenswert war seine Ysaye-Interpretation. Die Solosonaten des belgischen Komponisten zählen zu den schwersten und gefürchtetsten Werken der Literatur für Violine, da sie sowohl technisch als auch musikalisch höchst anspruchsvoll sind. Baráti gestaltete das Stück mit selten gehörter Klarheit und Präzision, gleichzeitig mit größter Virtuosität und Leichtigkeit, sodass ein staundendes Raunen durch die Zuhörerreihen lief.

Ganz am Ende dieses langen, von den Musikern physische und mentale Ausdauer fordernden Abends stand noch einmal ein richtiger Brocken, „Tzigane“ von Maurice Ravel, auf dem Programm. Der ungarische Violinvirtuose schien jedoch kein bisschen erschöpft, sondern vollkommen mühelos über dem Stück zu stehen. Nach einer fesselnden Anfangskadenz mit bester Klangqualität stürzte sich der Geiger in furiose Läufe, Akkorde und Oktaven, voll Spaß kostete er die komplexen Harmonien aus.

Nachdem Baráti seinen wirbelnden Tanz über die Saiten beendet hatte, tobte der Saal mit Klatschen, Rufen, Stampfen und Pfiffen. Für den großen Applaus bedankten sich Gábor Farkas und Kristóf Baráti mit einer Zugabe, dem Adagio aus der dritten Violinsonate von Johannes Brahms.

Susanna Morper

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