Zahl der Einbrüche in Würzburg steigt sprunghaft an20 Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht

dachauer serieneinbrecher in würzburg verurteilt

„Ich kann halt nichts anderes“

Dachau - Kaum hatte er eine lange Freiheitsstrafe abgesessen, schlug ein Dachauer Serieneinbrecher schon wieder zu. Die Diebestour des 45-Jährigen vor einem Jahr in der Würzburger Marienkapelle war spektakulär und kurios – jedoch mäßig erfolgreich. Nun sitzt er wieder im Gefängnis.

Der Mann, der in der Nacht zum zweiten Weihnachtsfeiertag 2015 die Würzburger Marienkapelle am Markt betrat, war nicht zum Beten gekommen; sein Begehr war unchristlich: Er wollte Beute machen. Der Fremde stammt aus Dachau und ist von Beruf: Dieb. Im Gotteshaus stellte der 45-Jährige fest, dass man in Würzburg durchaus viel Gottvertrauen hat, was einerseits dem Glauben geschuldet ist, sich andererseits darin gründete, dass der Schlüssel für den Tresor auf dem Tresor lag. Im Tresor befanden sich ein Kelch, der einem Dom-Kapitular gehörte, eine Monstranz und 2200 Euro in Scheinen und Münzen. 

Die Sachen habe er halt mal mitgenommen, meinte der Dachauer Einbrecher später vor der 8. Strafkammer des Landgerichts Würzburg und stöhnte dort nachträglich noch über das Gewicht der etwa 1000 Euro Kleingeld, das er habe abtransportieren müssen.

Der Angeklagte hatte kurz vor Weihnachten 2015 mit einem Kumpel aus der Justizvollzugsanstalt Bernau bei einer jungen Frau in Würzburg Unterschlupf gefunden. Gleichzeitig stieg die Zahl der Einbrüche in der Stadt sprunghaft an, so eine Kripo-Beamtin vor Gericht. Über eine DNA-Spur habe man schnell gewusst, wer da unterwegs ist. Die junge Frau wurde nach ihrer Zeugenaussage im Prozess gegen den Dachauer festgenommen. Sie soll ihm und dem Kumpel lukrative Objekte in der Stadt vorgeschlagen haben: Anwaltskanzleien, Arztpraxen und Büros. Gegen die Frau und den Spezl wird demnächst vor dem Landgericht Würzburg verhandelt.   

Warum ist einer, der gerade fünf Jahre für Einbrüche abgesessen hat, wenige Wochen nach der Entlassung schon wieder im alten Fahrwasser? Das wollte der Vorsitzende Richter Dr. Konrad Döpfner vom Angeklagten wissen. Außer Einbrechen könne er halt nichts, sagte der Mann, obwohl er einst in Dachau eine Maurerlehre erfolgreich abgeschlossen hatte. Der Angeklagte bat inständig, dass man ihn nicht schon wieder für Jahre in den Knast stecke, sondern wegen seines Drogenkonsums erst mal auf Therapie schicke. Diesen Wunsch wollten die Richter unter Hinweis auf ein psychiatrisches Gutachten und mehrere abgebrochene Therapien nicht erfüllen. Stattdessen verurteilte es den Dachauer fast auf den Tag ein Jahr nach dem Diebstahl in der Marienkapelle wegen insgesamt 15-fachen Diebstahls zu sechs Jahren Haft.  

Weitere interessante Zahlen zum Prozess: Die Beute hatte insgesamt einen Wert von etwa 24 000 Euro, der Sachschaden an Türen und Fenstern, verschlossenen Schreibtischen und Schränken wurde mit 72 000 Euro angegeben, und: Der Dachauer hat bis jetzt knapp 20 Jahre seines 45 Jahre langen Lebens hinter Gittern verbracht.

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