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Christine Unzeitig (vordere Reihe, Zweite von links) bei ihrem Ehrenamt. 24 Jahre lang saß Unzeitig im Dachauer Stadtrat.

Es braucht Humor, Optimismus und Stressresistenz

Die Dachauer Stadträte Christine Unzeitig und Günter Heinritz über die harte Arbeit eines ehrenamtlichen Mandatsträgers

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Mit der Wahl am 15. März werden Christine Unzeitig (CSU) und Günter Heinritz (SPD) den Dachauer Stadtrat verlassen. Nach 24 beziehungsweise 18 Jahren im Amt blicken beide auf eine spannende, intensive Zeit zurück. Was sie ihren Nachfolgern mit auf den Weg geben? Dass ein politisches Mandat vor allem zwei Dinge braucht: viel Zeit und jede Menge Humor.

Christine Unzeitig ist kürzlich Oma geworden. „Aber das hat nix damit zu tun, dass ich jetzt aufhöre. Das hat sich einfach so ergeben!“ Die Tatsache, dass die 65-Jährige die Umstände ihres Großmutter-Werdens wortreich erklären will, dass sie sich quasi rechtfertigt für die Tatsache, dass sie nach 24 anstrengenden Jahren im Stadtrat endlich mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen will, zeigt, wie umfassend und fordernd das Mandat ist.

Prof. Günter Heinritz, der nach 18 Jahren ebenfalls nicht mehr kandidiert, gibt denn auch zu, dass das Amt „sehr viel voluminöser ist als ich erwartet hatte. Man muss viel Zeit investieren“. Heinritz, mittlerweile 79 Jahre alt, war Professor an der TU München, als Wissenschaftler forschte er an der Lehr- und Forschungseinheit Mensch-Umwelt-Beziehungen. Eitelkeit und Geltungsdrang, wie er sagt, musste er durch die Stadtratsarbeit nicht mehr befriedigen, „das hatte ich nicht nötig“. Vielmehr sei es ihm immer darum gegangen, „etwas Sinnvolles zu tun“. Ob ihm dies Spaß gemacht habe? „Spaß ist das falsche Wort. Es ist eher die Freude, wenn einem etwas gelingt.“

Günter Heinritz

Christine Unzeitig, die als CSUlerin dem SPDler Heinritz im Sitzungssaal zumeist frontal gegenüber saß, gibt auch zu, dass sich der Spaß-Faktor im Stadtrat in aller Regel in engen Grenzen gehalten habe: „Man ist immer öffentlich, das mus man mögen.“ Und vor allem: „Wenn man nicht mit Kritik umgehen kann, sollte man es nicht machen.“ Sie selbst sei an ihren Aufgaben gewachsen, habe viel gelernt – aber auch viel einstecken müssen. Gerade der Wahlfälschungsskandal im Jahr 2002 habe ihr „sehr zugesetzt. Wir wurden da alle unter Generalverdacht gestellt“. Entscheidende Eigenschaften eines Mandatsträgers seien daher: Belastbarkeit, Stressresistenz, Optimismus und „ganz viel Humor. Man muss einfach mit sich im Reinen sein“.

Günter Heinritz erklärt wie Unzeitig, „im Guten“ zu gehen. Er habe mittlerweile auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und möchte „Jüngeren eine Chance geben. Was soll ich denn noch als 86-Jähriger im Stadtrat“? Rückblickend fand er es spannend zu sehen, wie Stadtratsarbeit funktioniert. Positiv sei, dass es „dann doch immer wieder gelingt, parteipolitische Aspekte bei wirklich wichtigen Sachentscheidungen draußen zu halten“, zum Beispiel was den Umgang mit der Dachauer Zeitgeschichte betrifft. Gleichzeitig, sagt der Wissenschaftler, der in seinem Berufsleben Gutachten für Kommunen erstellt hatte, sei es „ernüchternd gewesen, wie gute Beratungsleistungen in den Gremien versanden und mit welch geringem Maß an Fachwissen Entscheidungen getroffen werden“. Letzteres aber will Heinritz nicht als Vorwurf verstanden wissen: „Man kann nicht in allem beschlagen sein!“

Sowohl Unzeitig wie Heinritz loben rückblickend die Zusammenarbeit im Stadtrat. Dass dies in Zukunft so bleibt, auch wenn im März rechte Kräfte in die Gremien gewählt werden sollten, dafür hat Heinritz ein Rezept: Man solle sich in Sachfragen, etwa wenn es um eine Ampel gehe, alle Argumente anhören. Wenn aber Rassismus ins Spiel komme, wenn beispielsweise Initiativen im zivilgesellschaftlichen Bereich die Mittel gekürzt werden sollen, „dann sollten wir auf den Kriegspfad gehen. Da muss man die Trennlinie ziehen!“

Wolfgang Reichelt (CSU) wird den Stadtrat ebenfalls verlassen – mit sechs Jahren ist seine Amtszeit jedoch wesentlich kürzer als die von Unzeitig und Heinritz. Neben Job, Familie und Feuerwehr-Ehrenamt sei das Mandat doch „eine starke Belastung und zeitlich sehr fordernd“ gewesen, wie er als Begründung für seinen Rückzug angibt. Empfehlen kann er die Arbeit im Stadtrat dennoch. „Im Prinzip“, betont Reichelt nämlich milde lächelnd, „war jede Sitzung irgendwie ein Highlight“.

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