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Zu viel bayerisches Flair für die einen, für die anderen nur eine große Kreuzung: Der Untere Markt an der Münchner Straße jedenfalls wurde von der Mehrheit der Stadträte nicht als würdiger Fondi-Platz gesehen.

Stadträte können sich nicht einigen

Mamma mia, kein Platz für Fondi!

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Trotz fraktionsübergreifender Willensbekundung wird es in Dachau bis auf weiteres keinen Fondi-Platz geben. Grund: Die Stadträte konnten sich nicht auf einen Standort einigen.

Dachau – Als der Kulturausschuss des Stadtrats im Januar über den Standort des künftigen Fondi-Platzes abstimmen sollte, gab es zwei Varianten und keine Einigung. Während Oberbürgermeister und Verwaltung für einen Platz im künftigen Neubaugebiet Augustenfeld plädierten, schlug die Fraktion der Bürger für Dachau (BfD) die Umbenennung des Unteren Markts in Fondi-Platz vor. Die Räte, hieß es im Januar, wollten noch einmal in sich gehen und in der März-Stadtratssitzung eine Entscheidung fällen. Doch die sechswöchige Bedenkzeit brachte offenbar – außer zweier neuer, weiterer Standort-Vorschläge – wenig Erhellung.

So sprach sich Christa Keimerl namens der SPD-Fraktion für den Vorschlag von Oberbürgermeister Florian Hartmann aus, in Augustenfeld einen Fondi-Platz zu schaffen. Der Untere Markt sei als Begriff gut angenommen. Mit dem Neubaugebiet würde man derzeit „das neue Dachau“ planen – der Fondi-Platz könnte damit Teil der „Zukunft der Stadt“ sein.

Die CSU-Fraktion, erklärte Vorsitzender Florian Schiller, halte es grundsätzlich für einen „guten Vorschlag“, einen Platz nach der italienischen Partnerstadt zu benennen: „Das kann man machen nach 20 Jahren.“ Zudem sei es in Europa-kritischen Zeiten wie diesen ein wichtiges Signal, eine Städtepartnerschaft mittels eines Platzes zu bestärken. Allerdings sei seine Fraktion mit beiden Varianten, also Augustenfeld und Unterer Markt, nicht glücklich. Ersteres sei ein „Acker“, zweiterer in der Bevölkerung etabliert. Die CSU habe sich daher folgende „Abwandlung“ überlegt: den „Fondi-Platz am Unteren Markt“.

Wolfgang Moll (parteilos) fand den Vorschlag der BfD gut. Fondi sei ein Umschlagplatz für Obst und Gemüse, ein entsprechender Platz am Unteren Markt, wo es regelmäßig Wochenmärkte gibt, sei daher „stimmig“. Überhaupt werde dort nichts „kaputtgemacht“, schließlich sei der Platz noch bis vor ein paar Jahren „nix anderes als eine große Kreuzung“ gewesen.

Die Fraktionskollegen der Überparteilichen Bürgergemeinschaft, Rainer Rösch und Franz Vieregg, dagegen waren für Augustenfeld: Der Untere Markt biete keinerlei „italienisches Flair“, so Vieregg. In einem Neubaugebiet könne man eine italienisch angehauchte Piazza doch „ganz anders gestalten“!

Dieses Argument wiederum ließ Norbert Winter (BfD) nicht gelten: Zum 40-jährigen Bestehen der Partschaft mit Klagenfurt sei in der Kärntner Landeshauptstadt – in einem Neubaugebiet! – ein Dachauer Park geschaffen worden. „Beschämend“ fand Winter es, wie lieblos dort auf einer grünen Wiese ein Schild mit dem Namen der Partnerstadt angebracht worden sei.

Während Sören Schneider (SPD) nicht über „Befindlichkeiten“ und „die Vergangenheit“ diskutieren, sondern „über Gestaltungsmöglichkeiten der Zukunft“ sprechen wollte, hatte Edgar Forster (Freie Wähler) noch eine Meinung zum Thema Flair: Ein Berliner Flair etwa gebe es ja am Berliner Platz in Dachau auch nicht. Und wenn er nach Augustenfeld schaue, sehe er bislang „immer nur Kartoffeläcker“.

Volker C. Koch überraschte dann am Ende mit einer ganz neuen Idee. Man solle doch, gemeinsam mit den italienischen Freunden, ein „gemeinsames Projekt“ starten, das dann in fünf Jahren, zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft, vollendet werden solle: nämlich einen Dachau-Platz in Fondi und einen Fondi-Platz in Dachau! Dass die Italiener seinen Vorschlag unter Umständen nicht ganz so fantastico finden könnten, schien Koch in seiner Begeisterung nicht zu bremsen.

Am Ende kam es zum Showdown der Vorschläge: für den Unteren Markt als Fondi-Platz stimmten am Ende sieben Räte, für den CSU-Vorschlag eines Fondi-Platzes am Unteren Markt immerhin 15; Volker Kochs Spontan-Idee brachte es auf 16 Ja-Stimmen. Der Vorschlag der Verwaltung, den Platz nach Augustenfeld zu verlegen, schaffte mit 20 Ja- und 20 Nein-Stimmen ein Patt – und wurde damit ebenfalls abgelehnt. OB Hartmann fasste nüchtern zusammen: „Na gut, dann haben wir jetzt eben keinen Fondi-Platz.“

Kommentar

Ein peinliches Schauspiel!

Avanti Dilettanti! Ein 39-köpfiges Gremium plus Bürgermeister sind sich einig, dass es in der Stadt einen Fondi-Platz geben soll. Und dennoch schaffen es diese 40 erwachsenen Frauen und Männer nicht, sich auf einen von vier Vorschlägen zu einigen! Tatsächlich hatte die Diskussion streckenweise fast schon absurde Züge: Warum sollten Dachauer Stadträte darüber entscheiden dürfen, dass in Fondi ein Platz nach den Amici aus Bavaria benannt werden soll? Und wieso kann man nicht einfach ein sonniges Eckchen in einem Neubaugebiet als Fondi-Platz ausweisen, ohne daraus eine Glaubensfrage oder ein Wort-Ungetüm zu machen? In Zeiten, in denen allerorten gebaut wird und reihenweise neue Straßen und Plätze entstehen, wird einem angesichts des Fondi-Fiaskos Angst und Bang: Soll nun über jeden Straßennamen monatelang diskutiert werden? Am Ende bleibt die Sache mal wieder an der Verwaltung hängen. Angesichts des Wunsches aller Stadträte, im Herbst nicht ohne Platz nach Fondi zum 20. Partnerschaftsjubiläum zu reisen, werden die Kollegen im Bauamt wohl einen neuen Vorschlag machen, dem dann – früher oder später – zugestimmt wird.

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