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Blitzer oder rote Ampeln: Was soll die Raser in Dachau stoppen?

Die Dachauer ÜB will intelligente Ampeln einführen 

Eine Spaßbremse für die Raser

Die Überparteiliche Bürgergemeinschaft hat im Streit um abendliches Rasen in der Dachauer Innenstadt einen interessanten Vorschlag unterbreitet: Die Ampeln sollen automatisch auf Rot schalten, wenn sich ein übermäßig schnelles Fahrzeug nähert. Der Antrag an den Stadtrat hat Vorteile, aber auch mehrere Haken.

Dachau – „Ich geb’ Gas! Ich will Spaß!“, ließ Musiker Markus in seinem Hit ganz Deutschland wissen. Das war 1982, zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle. Geht es nach der Überparteilichen Bürgergemeinschaft (ÜB), dann könnte es in Dachau bald die Neue Rote Welle geben – von der Einmündung Krankenhausstraße über die Mittermayerstraße und Münchner Straße bis hin zur Stadtgrenze. Denn die Partei hat – quasi als Spaßbremse für die zahlreichen Beschleunigungsfahrer und Teilnehmer an illegalen Straßenrennen in diesem Bereich – einen Antrag an den Stadtrat gestellt, die Ampeln so umzurüsten, dass sie automatisch auf Rot schalten, wenn sich ein Fahrzeug mit stark überhöhter Geschwindigkeit nähert.

Wird das vorgeschriebene Tempo hingegen eingehalten, hat der Autofahrer Grün, vorausgesetzt, kein Fußgänger hat den Druckknopf betätigt. Möglich machen dies laut ÜB Induktionsschleifen, die bereits 80 Meter vor Erreichen der Ampel und noch einmal zehn Meter weiter die potenziell überhöhte Geschwindigkeit des Verkehrsteilnehmers an die Ampelanlage meldet. Ähnliche Anlagen gebe es bereits an einer Kreuzung in Sachsen sowie in Italien. Eine weitere der sogenannten „intelligenten Ampeln“ steht in Lingen im Emsland.

Die ÜB sieht ihr Begehr als Alternative zu einem vor drei Wochen gestellten Antrag der SPD. Die Genossen wollen wie berichtet festinstallierte Radarsäulen, nachdem der Stadtrat im März „nur“ eine nächtliche 30er-Zone (22 bis 6 Uhr) zwischen der Krankenhausstraße über die Mittermayerstraße bis zur Ampel am Fabrikberg beschlossen hatte. Die Regelung ging der SPD, die geschlossen dagegen votiert hatte, seinerzeit nicht weit genug.

Die ÜB wiederum ist gegen die Radarsäulen. Die „intelligenten“ Ampeln seien „definitiv günstiger“, „sinnvoller“, und im Hinblick auf die hohen Strafen bei Rotlichtverstößen „abschreckender“, so ÜB-Vorsitzender Alexander Erdmann. Seine Partei zweifle zudem die Wirksamkeit von festen Radarsäulen an, deren Existenz sich schnell herumsprechen werde. Freilich müsse die Stadt den Umstellungsaufwand prüfen. Wenn die Umrüstung machbar sei, könne sich die ÜB durchaus vorstellen, an weiteren Einfallstraßen im Stadtgebiet, beispielsweise in der Sudetenlandstraße, die Ampeln umzurüsten.

„Mein Maserati fährt 210 – schwupp, die Polizei hat’s nicht geseh’n“, trällert Markus in seinem Ohrwurm bereits zu Beginn. Übertragen auf das Dachauer Raserproblem kommt einem der Gedanke: Was ist, wenn die Autofahrer das Rotlicht ignorieren und einfach weiterdüsen? Denkbar eben in dunkler Nacht, wenn bekanntlich alle Katzen grau und polizeiliche Überwacher rar sind. Und: Was ist, wenn die von der ÜB angeführten Beschleunigungsfahrer nach dem unfreiwilligen Stopp als Trotzreaktion erst recht Gas geben? Für engagierte Umweltfreunde und schlafsuchende Anwohner ist das sicherlich erst recht kein Spaß.

Thomas Zimmerly

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