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„Einer für alle, alle für einen“ – oder doch die Ritter der Tafelrunde von König Artus? In jedem Fall Zeitgenossen aus einem anderen Jahrhundert...

Märchenhafter Kinderfestzug auf dem Dachauer Volksfest

„Es ist schön, wenn die Leute einem zulächeln“

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Hübsche Prinzessinnen, tapfere Ritter, huldvolle Könige und mutige Wikinger sind durch Dachau gezogen: Der Kinderfestzug war wieder ein Höhepunkt beim Volksfest. Er war wahrhaft märchenhaft.

Dachau – Ihr Haar lässt Sophia (12) nicht herunter. Muss sie auch nicht – schließlich will sie ja gar nicht aus ihrem Turm heraus. Denn der ist einer der besten Plätze beim Kinderfestzug am Dachauer Volksfest. Sophia hat die beliebte Rapunzel-Rolle bekommen. „Von dem Turm aus sieht man über den ganzen Zug“, erzählt sie. „Und ich habe selbst lange Haare.“

Beim Zug trägt sie eine hübsche Flechtfrisur und ein gold-gelbes Kleid. Mit einer Hand winkt sie den vielen Zuschauern zu, in der anderen hält sie elegant einen Fächer. Schon mit zweieinhalb Jahren war Sophia beim Kinderfestzug dabei, damals als Blume verkleidet auf einem Wagen. Noch immer ist sie begeistert von dem Zug: „Es macht Spaß“, sagt sie. „Und ich mag Märchen.“

Als Rapunzel war sie am Sonntag in illustrer Gesellschaft: Dornröschen, der gestiefelte Kater, Cleopatra, Ritter, Burgfräulein, Wikinger, die sieben Zwerge, Biedermeier-Mädchen und viele weitere Märchengestalten tummelten sich in Dachau. Zum ersten Mal waren dieses Jahr auch die gelben Comichelden Minions dabei, ausgestattet mit Latzhose und Bananen. Insgesamt machten rund 650 Kinder beim Kinderfestzug mit, rund 100 freiwillige Helfer begleiteten sie.

Schon früh am Morgen herrschte in der Klosterschule reges Treiben. Schließlich mussten alle Kinder mit dem richtigen Kostüm eingekleidet und zum Teil auch geschminkt werden. Klar, dass da die Aufregung deutlich spürbar ist: „Ich freue mich total“, sagt Ludwig (8) aus Schwabhausen. Er ist gemeinsam mit seinem Bruder Pauli (5) bei der Robin Hood-Gruppe. „Die Geschichte finde ich cool“, erzählt er. Als Landmänner haben die beiden natürlich Pfeil und Bogen dabei. Auf der Strecke werden sie von Mama, Papa, Oma und Opa bejubelt. „Sie stehen rechts neben dem Volksfest bei der Ampel“, erzählt Ludwig. Er hat es sich genau gemerkt, um ihnen fest zuwinken zu können.

Die durch die Straßen ziehenden Gruppen ergaben wieder ein wahrhaft zauberhaftes Bild. Die Wagen waren aufwändig gestaltet und dekoriert. Die Drachenreiter hatten einen großen Drachen dabei; Jim Knopf und Lukas fuhren natürlich mit Lokomotive Emma durch das Lummerland. Der Wagen von Eiskönigin Elsa war voller Schneeflocken, und hunderte rosa Rosen zierten den Wagen von Dornröschen und ihrem Hofstaat. Dornröschen und ihr Prinz spielten Sofie (10) und ihre Freundin Emily (11). „Mir gefällt, dass die Prinzessin so ein schickes rosa Kleid anhat“, sagt Sofie.

Die Dachauer Feuerwehr hatte heuer anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens ein Feuerwehrauto nachgebaut, sogar eine Löschleiter war integriert. Der Feuerwehrnachwuchs hatte außerdem Wasserpistolen dabei – eine willkommene Erfrischung für die Zuschauer.

Standesgemäß mit Pferden bewegten sich die gekrönten Häupter aus dem Märchen „Der gestiefelte Kater“ vorwärts: Die weißen Schimmel Lui und Ferdl zogen die Kutsche, während ihre Insassen huldvoll winkten. König Patrik (13) aus Dachau war dieses Jahr schon zum fünften Mal dabei. „Es ist schön, wenn die Leute einem alle zulächeln“, findet er.

Das macht auch Heidi Fitzthum jedes Jahr aufs Neue glücklich. Sie ist die gute Seele des Kinderfestzuges und kümmert sich mit viel Liebe darum, dass jedes Kind ein schönes Kostüm hat. Dieses Jahr hätte sie aus gesundheitlichen Gründen fast nicht beim Umzug dabei sein können. Doch: „Ich bin zäh“, sagt sie. So schnell hält sie von ihrem Kinderfestzug niemand ab. Am vergangenen Mittwoch wurde Fitzthum aus dem Krankenhaus entlassen, am gestrigen Sonntag saß sie zur Überraschung aller gemeinsam mit Landrat Stefan Löwl und Oberbürgermeister Florian Hartmann samt Gattin Julia auf der Ehrenkutsche.

Die Fahrt genoss sie sichtlich: „Es war wunderschön, vor allem, dass die Zuschauer so viel applaudiert hatten“, schwärmte sie.

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