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„Ich bin noch nicht fertig.“ Hartmut Baumgärtner bleibt weitere zwei Jahre Behindertenbeauftragter der Stadt.

Behindertenbeauftragter für weitere zwei Jahre

Hartmut Baumgärtners Ziel: Inklusion an Schulen verbessern

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Hartmut Baumgärtner bleibt für die kommenden zwei Jahre Behindertenbeauftragter der Stadt. Der 72-Jährige brauche noch Zeit, um seine Ziele zu verwirklichen.

Dachau – Seit vier Jahren ist Hartmut Baumgärtner bereits Behindertenbeauftragter der Großen Kreisstadt. Das Ehrenamt, so sagt er selbst, sei zeitaufwendig. Warum er sich nun, mit 72 Jahren, um eine dritte Amtszeit und damit zwei weitere Jahre dieser anstrengenden Aufgabe bewarb, erklärt er so: „Ich bin noch nicht fertig, ich brauche noch ein bisschen Zeit.“

Die Stadträte im Familien- und Sozialausschuss des Stadtrats gaben ihm diese Zeit einstimmig. Die Zusammenarbeit mit ihm sei „hervorragend“, lobte Oberbürgermeister Florian Hartmann. Seniorenreferentin Elisabeth Zimmermann (CSU) würdigte den „sicher über die normale Arbeitszeit hinausgehenden“ Einsatz des 72-Jährigen. Anke Drexler (SPD) erwähnte zudem noch die „Synergien“, die durch Baumgärtners „doppeltes Ehrenamt“ als Behindertenbeauftragter nicht nur für die Stadt, sondern auch für den Landkreis, für Dachau entstünden.

Tatsächlich leistet Baumgärtner doppelten Dienst: Zur „Verwirklichung der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ berät er Stadt- und Landkreisverwaltung in Fragen der Behindertenpolitik. Die Zusammenarbeit mit den einzelnen Behörden sowie seinen ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten-Kollegen in den Landkreisgemeinden funktioniere prima. Baumgärtner, der vor seiner Verrentung als Altenpfleger gearbeitet und noch eine Zusatzausbildung in Gerontopsychiatrie, also der Psychiatrie für Menschen jenseits des 60. Lebensjahres, absolvierte, ist dabei der derjenige, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Er liebt dieses Organisieren und dass er seine „Erfahrungen irgendwie weitergeben kann“. Sein Ehrenamt mache er „mit Freude“.

Dass diese Freude auch handfeste Erfolge zeitigen kann, beweist seine Bilanz der vergangenen beiden Jahre: Unter anderem wurde am Parkplatz der KZ-Gedenkstätte eine barrierefreie Toilette gebaut, die Wege auf dem Gelände der Gedenkstätte sind nun Rollstuhl-gerecht, und auch der Eingang zur Versöhnungskirche wurde barrierefrei umgebaut. Zudem gibt es für die Führungen durch die KZ-Gedenkstätte nun eine App, die auch Hörbehinderten eine Teilnahme an der Führung ermöglicht.

Auch die Altstadt soll Zug um Zug barrierefreier werden. Aktuell wird der Belag am Karlsberg ausgetauscht, sodass dort künftig auch Rollatoren geschoben werden können.

Grundsätzlich, findet Hartmut Baumgärtner, ist die Stadt Dachau in Fragen der Barrierefreiheit für körperlich behinderte Menschen „sehr weit“. Worin Baumgärtner aber Verbesserungsbedarf sieht, ist das Thema Inklusion an Schulen. Zwar gebe es einen Inklusionsbeirat im Landkreis, in dem Vertreter der beiden Förderschulen sowie sämtlicher Grund- und Mittelschulen sitzen. Bislang keine Teilnehmer sendeten aber die Realschulen und Gymnasien des Landkreises in den Beirat. Genau hier sieht der Behindertenbeauftragte jedoch ein Problem: Gerade Kinder mit autistischen Krankheiten hätten oft einen hohen IQ. „Diesen Kindern müssen alle Schulen offen stehen.“ Sollte sich herausstellen, dass der Besuch eines Gymnasiums für diese Kinder doch nicht die perfekte Lösung, könnten sie ja immer noch zurück an die Förderschulen. Aber zumindest, fordert Baumgärtner, „sollten sie es probieren können“! Eine langfristige Zusammenarbeit aller Schulen in Fragen der Inklusion sei daher eines seiner Ziele für die nächsten Jahre.

Dass die Arbeit für behinderte Menschen – sei es mit körperlichem oder geistigem Handicap – jemals endet, glaubt Hartmut Baumgärtner nicht. Er jedoch wird „sehr wahrscheinlich“ in zwei Jahren in seinen Ehrenamts-Ruhestand gehen. Um die Fortsetzung seiner Arbeit, betont er, „muss sich deshalb ein neuer Menschen kümmern“.

zip

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