Verpackungsstyropor kann weiterhin abgegeben werden: Peter Gamperl vom Recyclinghof Dachau-Süd. hab

Neue Verordnung

Dachdecker kämpfen mit Styropor

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Die Dachdecker-Betriebe aus dem Landkreis haben mit Styropor zu kämpfen: Seit Anfang Oktober gilt das Dämmmaterial als giftig und muss separat und teuer entsorgt werden. Die Dachdecker mussten einige Aufträge absagen – zum Teil im sechsstelligen Bereich.

 In der Vergangenheit benutzten Bauherren vor allem Styropor zur Wärmedämmung. Das macht den Dachdeckerbetrieben im Landkreis jetzt Probleme, wenn sie ein Dach sanieren wollen: Das Umweltbundesamt hat das Dämmmaterial als giftig eingestuft. Denn Styropor enthält das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD). Tierversuche haben gezeigt, dass es die Säuglingsentwicklung stören oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann (siehe Kasten). Deshalb müssen Dachdecker die Styropor-Platten seit Anfang Oktober als Sondermüll entsorgen.

Das Problem dabei: „Die Entsorgungsunternehmen und Müllverbrennungsanlagen wollten die Styroporplatten überhaupt nicht mehr annehmen“, sagt Dachdeckermeister Danilo Scharf von Knörnschild-Bedachungen aus Karlsfeld. Denn Dämmplatten aus Styropor oder Styrodur müssen seit Oktober separat verbrannt werden. Die meisten Öfen in den Müllverbrennungsanlagen laufen aber heiß, wenn Styropor allein – und nicht wie zuvor mit anderem Müll – verbrannt wird. Deshalb können nur spezielle Entsorgungsanlagen, wie das Abfallheizkraftwerk Geiselbullach, das Material noch annehmen.

Die wiederum nehmen es aber nur zu einem hohen Preis, erklärt Dachdeckermeister Scharf: „Die Entsorgungskosten für Styropor haben sich vervielfacht: Früher zahlte man noch rund 104 Euro pro Tonne, jetzt sind es bis zu 4000 Euro.“

Diese Entsorgungspreise haben die Betriebe natürlich nicht bei ihren Sanierungsarbeiten miteinberechnet. Da diese Kosten nun obendrauf kommen, haben sich viele Hauseigentümer deshalb gegen eine Neudämmung ihres Hausdaches entschieden, so Scharf. Das Dachdeckerunternehmen Knörnschild musste reagieren und Aufträge stoppen, oder erst gar nicht annehmen: „Wir mussten zwei Großaufträge von jeweils rund 125 000 Euro absagen“, sagt Scharf.

Auch Heidi Ecker vom Dachdeckerbetrieb Ecker aus Dachau kennt das Problem mit der neuen Entsorgungsregelung für Dämmstyropor: „Wir haben Baustellen mit Styropor gleich abgeblockt“, erzählt sie. Außerdem macht sie dem Umweltministerium Vorwürfe: „Die Regelung ist zu spät bekannt geworden, und auch die Folgen, die daraus entstehen“, kritisiert Ecker. Denn die Dachdeckerfirma befindet sich jetzt in der Bredouille: Wie soll sie das Material entsorgen?

Beim Dachdeckerbetrieb Tiefenbach aus Karlsfeld haben sich seit Oktober rund zwei Kubikmeter Dämmmaterial Styropor angesammelt. „Wir lagern es im Außenlager“, sagt Richard Tiefenbach. Die Regelung des Umweltamtes sei seiner Meinung nach fatal, denn viele Hausherren würden sich die Sanierung ihres Daches jetzt zweimal überlegen. Damit erziele das Umweltbundesamt aber genau den Gegeneffekt von dem, was es sich von der Neuregelung erwartet hatte: „Wenn ein altes Dach aus Styropor nicht saniert wird, stoppt das den Klimawandel nicht“, so Tiefenbach – ganz im Gegenteil.

Übrigens: Verpackungsstyropor von Fernseher oder Radio kann weiterhin kostenlos bei den Recyclinghöfen abgegeben oder über die Gelbe Tonne entsorgt werden. Das Material wird wiederverwertet. Bei Dämmplatten aus Styropor oder Styrodur sieht es dagegen anders aus: Nur Kleinstmengen an Dämmplatten können über die Restmülltonne oder über die Sperrmüllcontainer (maximal zwei Quadratmeter pro Woche) auf den Recyclinghöfen gegen Gebühr entsorgt werden. Größere Mengen nehmen nur noch Fachfirmen und das Abfallheizkraftwerk Geiselbullach an.

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